Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung in Baunatal hat der Volkswagen-Vorstand am Freitag an seinem Sparkurs festgehalten und weitere Kostensenkungen gefordert. Rund 6000 Beschäftigte hatten bei der Versammlung Antworten zu den Folgen des Sparprogramms erwartet, nachdem die Arbeitnehmervertreter deutschlandweit zu solchen Treffen eingeladen hatten.
Thomas Schmall zur Zukunft des Standorts Kassel
Der Betriebsrat pochte auf bestehende Zusagen für Investitionen, Produkte und Arbeitsplätze. VW-Komponentenvorstand Thomas Schmall erklärte gegenüber der HNA, dass von 100 Euro Umsatz heute keine vier Euro bleibe, was nicht zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit reiche. Gleichzeitig betonte Schmall, dass er für den Standort in Baunatal eine klare Zukunft in der Elektromobilität sehe. Kassel solle sich vom Zentrum der Getriebefertigung zum konzernweiten Standort für den elektrischen Antriebsstrang sowie für die Entwicklung und Produktion von Leistungselektronik entwickeln. Dennoch bleibe der Kostendruck hoch, und der Standort müsse seine Kosten weiter und schneller senken.
Ausgliederung einzelner Bereiche und Abbau von Stellen
Neben Stellenabbau und Werkschließungen steht auch die Ausgliederung einzelner Bereiche aus dem Konzern zur Debatte, was das zur Komponentensparte gehörende Werk Kassel direkt betreffen würde. Welche und wie viele Arbeitsplätze in Baunatal wegfallen könnten, blieb zunächst offen. Volkswagen und die Arbeitnehmerseite hatten zuvor bereits vereinbart, bis 2030 konzernweit 50.000 Stellen abzubauen, während Konzernchef Oliver Blume jüngst von einem weiteren weltweiten Anpassungsbedarf gesprochen hatte.
Kaweh Mansoori zur Unterstützung für das Werk in Baunatal
An der Versammlung nahm auch Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori teil, der seine Unterstützung für den Standort bekräftigte und vom VW-Management eine Zukunftsvision forderte, die über Stellenabbau und mögliche Werksschließungen hinausgeht. Zu Berichten über eine mögliche Rüstungsproduktion – wie sie für das Werk in Osnabrück im Zusammenhang mit dem israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome im Gespräch sind – sagte Mansoori, dass das Thema Rüstung Bestandteil einer Gesamtstrategie sein könne, aber nicht ausreichen werde, um ein Werk dieser Größe dauerhaft auszulasten.

Verwandte Artikel