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Ratko Mladić ist tot

Der frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladić ist im UN-Haftzentrum in Den Haag im Alter von 84 Jahren gestorben. Mladić verbüßte dort eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im Jahr 2021 letztinstanzlich bestätigt worden war.

Der international als Kriegsverbrecher verurteilte frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić ist tot. Mladić starb im Haftzentrum der Vereinten Nationen in Den Haag, wo er zuletzt medizinisch behandelt wurde. Nach Angaben aus serbischen Medienberichten hatte der 84-Jährige zuvor mehrere Schlaganfälle erlitten. Über sein genaues Alter gab es unterschiedliche Angaben in Berichten, demnach soll er 84 oder 85 Jahre alt gewesen sein.

Verurteilung zu lebenslanger Haft für Völkermord in Srebrenica

Mladić galt als eine der zentralen Figuren des Bosnienkriegs, einem der blutigsten Konflikte der Jugoslawienkriege. In dem Krieg von 1992 bis 1995 kämpften Bosniaken, Kroaten und Serben nach dem Zerfall Jugoslawiens um die Kontrolle über Bosnien-Herzegowina. Während des blutigen Konflikts führte er als Oberbefehlshaber die Armee der bosnischen Serben (Republika Srpska) an. Unter seinem Kommando wurden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.

Im Juli 1995 eroberten bosnisch-serbische Truppen unter seinem direkten Kommando die eigentlich von den Vereinten Nationen geschützte Enklave Srebrenica in Bosnien-Herzegowina. In den Tagen danach wurden mehr als 8000 bosniakische Männer und Jungen systematisch von ihren Familien getrennt, verschleppt und ermordet. Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Frauen, Mädchen und Kinder wurden in Bussen an die Frontlinie zu dem von der bosnischen Armee kontrollierten Gebiet deportiert. Juli 1995 und den darauffolgenden Tagen 8000 bosnische Muslime zum Opfer, in der Mehrzahl Männer und männliche Jugendliche. Neben dem Massenmord von Srebrenica lastete das UN-Tribunal Mladić auch die fast vierjährige Belagerung von Sarajevo an.

Ratko Mladić ist tot
Photo: FOCUS online

Bereits am 24. Juli 1995 klagte das Internationale Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien (IStGH) Mladić wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen an, und im November desselben Jahres wurde die Anklage erweitert. Nach dem Ende des Bosnienkriegs lebte Ratko Mladić zunächst jahrelang unbehelligt in Serbien und entzog sich dem Zugriffs der Justiz. Erst 2011 wurde er nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen. Am 8. Juni 2021, fast 26 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica, bestätigte das UN-Kriegsverbrechertribunal die lebenslange Haftstrafe für den serbischen Ex-General Mladić – und damit das Urteil der ersten Instanz von 2017, in dem er wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-1995) zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. In dem Krieg wurden fast 100.000 Menschen getötet.

Gesundheitlicher Verfall und juristischer Streit vor dem Tod

In den letzten Jahren seines Lebens verbüßte Mladić seine Strafe im UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag, wo er zuletzt wegen schwerer gesundheitlicher Probleme behandelt wurde. Serbische Behörden und Mladićs Familie hatten sich zuletzt für seine Verlegung in ein serbisches Militärkrankenhaus eingesetzt, was das Haager Gericht jedoch ablehnte. Vor seinem Tod soll er mehrere Schlaganfälle erlitten haben. Einen Eilantrag des Anwalts des 84-Jährigen auf vorläufige Freilassung habe der Internationale Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMTC) in Den Haag im Mai abgelehnt, teilte Mladićs Sohn Darko damals mit. Demnach sei die gesundheitliche Versorgung seines Vaters in Den Haag „maximal gesichert“. Der Anwalt von Mladić hatte argumentiert, sein Mandant befinde sich in einem Zustand „fortgeschrittener und irreversibler körperlicher Verschlechterung“ und nähere sich dem „Ende seines Lebens. Er müsse für eine medizinische Behandlung nach Serbien überstellt werden.””

Ratko Mladić ist tot
Photo: BILD

Darko Mladić hatte deshalb in der vergangenen Woche von einem „stillen Mord an meinem Vater“ gesprochen.

Der als „Schlächter von Srebrenica“ beziehungsweise „Schlächter von Bosnienbekannte Ex-General stieß international auf scharfe Verurteilung, während serbische Medien über seinen Tod berichteten und anführten, dass er serbischen Medieninformationen zufolge eines natürlichen Todes gestorben sein soll.

Images outside ICC prison as 'Butcher of Bosnia' Ratko Mladic reported dead | AFP
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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