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Demenz kostet Europa jährlich über 221 Milliarden Euro

Demenzerkrankungen verursachen in 30 europäischen Ländern jährliche Kosten von rund 221,4 Milliarden Euro, wobei fast 58 Prozent auf informelle Pflege durch Angehörige entfallen. Das zeigt eine Analyse der European Academy of Neurology und der COIN-Eu-Demenzanalyse, die im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht wurde und die erhebliche wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Last der Versorgung beleuchtet.

Eine systematische Untersuchung von 45 europäischen Kostenstudien, die zwischen 2010 und 2023 veröffentlicht wurden, beziffert die jährlichen gesellschaftlichen Gesamtkosten in 30 wohlhabenden europäischen Ländern auf etwa 221,4 Milliarden Euro. Das geht aus der COIN-Eu-Demenzanalyse hervor, welche die European Academy of Neurology (EAN) vorgelegt hat.

Informelle Pflege durch Angehörige verursacht den Großteil der Kosten

Ein zentrales Ergebnis der Auswertung betrifft die Verteilung der finanziellen Aufwendungen. Knapp 58 Prozent der Gesamtkosten oder rund 128,1 Milliarden Euro entfallen auf informelle Pflege, die von Angehörigen, Freunden und weiteren nicht vergüteten Betreuungspersonen geleistet wird. Dagegen machen die direkten Gesundheits- und Versorgungskosten mit 93,2 Milliarden Euro etwa 42 Prozent aus. Produktivitätsverluste spielen mit lediglich 0,03 Prozent der Gesamtsumme eine wirtschaftlich untergeordnete Rolle. Die Forscher harmonisierten die Daten aus den berücksichtigten Studien durch ein standardisiertes gesundheitsökonomisches Verfahren und rechneten alle Beträge auf das Preisniveau des Jahres 2019 um, um eine kaufkraftbereinigte Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Nach den Schätzungen der Autoren lebten im Jahr 2019 rund 8,8 Millionen Menschen mit Demenz in den untersuchten Hochlohnländern Europas. Die durchschnittlichen gesellschaftlichen Kosten beliefen sich demnach auf rund 25.200 Euro pro Patient und Jahr. Insgesamt entspricht die Gesamtsumme etwa 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der betrachteten Region.

Geld- und Lastenverteilung in den bevölkerungsreichsten Staaten

Die finanzielle Belastung ist in Europa ungleich verteilt, konzentriert sich jedoch stark auf einige wenige Kernländer. Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich und Spanien vereinen gemeinsam rund 68 Prozent der gesamten wirtschaftlichen Belastung auf sich. Hauptursachen hierfür sind die hohen Bevölkerungszahlen sowie die entsprechend große Anzahl von Demenzpatienten in diesen Staaten.

Studienleiter Prof. Richard Dodel von der Universität Duisburg-Essen bezeichnete den Umfang der informellen Pflege als eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Analyse. Die Leistungen von Angehörigen seien für die Versorgung von Menschen mit Demenz essenziell, würden aber häufig nicht ausreichend berücksichtigt, so die Untersuchung. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung steigen die Anforderungen an Betreuung und Unterstützung deutlich an, was bei den betroffenen Pflegepersonen häufig zu körperlichen Belastungen, psychosozialem Stress und Einschränkungen der eigenen Lebensqualität führt.

Demografischer Wandel und Forderungen nach strukturellen Reformen

Angesichts des anhaltenden demografischen Wandels rechnen Experten in den kommenden Jahrzehnten mit einem massiven Anstieg der Demenzprävalenz und der damit verbundenen Kosten. Frühere Modellierungen gehen weltweit von einer erheblichen Zunahme der Krankheitslast bis zum Jahr 2050 aus.

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Photo: de.euronews.com

Die Autoren der Analyse fordern daher politische und gesellschaftliche Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Neben Investitionen in professionelle Versorgungsstrukturen und gezielte Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige seien vor allem Strategien zur Früherkennung notwendig. Dazu gehören auch Präventionsmaßnahmen gegen modifizierbare Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen, Adipositas und Hypertonie, um das Risiko einer Erkrankung zu mindern. Darüber hinaus plädieren die Forscher für stärker standardisierte Methoden zur Erfassung von Demenzkosten, um die internationale gesundheitspolitische Planung zu verbessern.

COIN-Eu-Demenzstudie beziffert die jährliche wirtschaftliche Belastung durch Demenz in Europa auf…
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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