Eine verheerende Sturzflut, ausgelöst durch Schlamm-, Eis- und Gesteinsmassen, hat die Himalaya-Grenzregion zwischen Nepal und Tibet schwer getroffen. Nach Angaben der Nepal Police hat sich die bestätigte Zahl der Todesopfer auf mindestens 157 erhöht. Die Naturkatastrophe ereignete sich am Mittwoch und entwickelte sich rasch zu einer der folgenschwersten touristischen Naturkatastrophen in der jüngeren Geschichte Nepals, wie eturbonews.com berichtet.
Katastrophale Sturzfluten und Erdrutsche an der Grenze
Ursprünglich hatten erste Berichte aus Nepal nahegelegt, dass ein Erdbeben die Lawine und den Erdrusch ausgelöst haben könnte. Der nepalisaische Außenminister Shishir Khanal teilte im Parlament mit, dass ein Erdbeben die Gegend um Uhrzeit-Angaben von vor 9 Uhr morgens getroffen habe und Beamte die genaue Abfolge noch verifizierten. Die US-amerikanische Erdbebenwarte USGS erklärte jedoch laut Yahoo, dass weitere Analysen zeigten, dass die seismische Energie stattdessen durch einen Erdrutsch selbst erzeugt worden war.
Der Bhotekoshi-Fluss, der den Norden Nepals in Richtung der chinesischen Grenze durchquert, trat am Mittwoch gegen 9:00 Uhr über die Ufer, zerstörte mehrere Dörfer sowie Brücken und beschädigte Straßen sowie Wasserkraftprojekte schwer. Auch auf tibetischer Seite wurden nach Angaben chinesischer Staatsmedien drei Menschen getötet und Hunderte vermisst. In Tibet zeigte CCTV eine Schlamm- und Wasserwelle, die Gebäude an einem Grenzübergang traf, während China 574 Rettungskräfte in das Gebiet am Gyirong-Grenzübergang entsandte.
Hunderte Touristen und Pilger vermisst
Die Region ist ein wichtiger Korridor für Reisende zwischen Nepal und Tibet sowie eine beliebte Route für Trekking-Touristen in der Langtang-Region und für Pilger auf dem Weg zum Berg Kailash und zum See Manasarovar. Laut Angaben des Nepal Tourism Board wurden hunderte Reisende als vermisst beziehungsweise nicht erreichbar gemeldet. Die Behörden weisen jedoch darauf hin, dass ein Ausbleiben des Kontakts nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Betroffenen tot oder verletzt sind, da in Teilen der betroffenen Region Straßen, Telekommunikation und Stromverbindungen unterbrochen wurden.

Unter den Vermissten befinden sich zahlreiche internationale Staatsbürger aus Dutzenden Ländern. Die betroffenen Gruppen umfassen:
- Bürger aus Indien
- US-amerikanische Staatsbürger
- Britische Staatsbürger
- Kanadische Staatsbürger
- Australische Staatsbürger
- Staatsangehörige weiterer Staaten wie Malaysia, Südafrika und europäischer Länder
In Tibet wurden zudem 265 Personen vermisst gemeldet. Das US-Außenministerium erklärte, dass man die Situation eng überwache und mit den Behörden vor Ort kommuniziere, um betroffene US-Bürger zu unterstützen, während die kanadische Regierung ebenfalls ihre Bereitschaft zur Hilfe signalisierte. Auch Indien und die Europäische Union boten Nepal und China öffentliche Unterstützung an.
Massive Rettungseinsätze und Evakuierungsschwierigkeiten
Die Rettungsarbeiten im gebirgigen Distrikt Rasuwa gestalteten sich äußerst schwierig. In den schwer zugänglichen Orten Syapru Besi und Timure konnten Rettungshubschrauber zeitweise nicht landen, da der Fluss weit über seinem Normalstand floss. Dennoch wurden zahlreiche Hubschrauber aus Kathmandu für Evakuierungs- und Hilfsflüge eingesetzt, um Verletzte in Sicherheit zu bringen. Lokale officials berichteten, dass Dutzende Menschen in Krankenhäusern rund um die Hauptstadt Kathmandu behandelt werden.

Präsident Ram Chandra Paudel rief die Regierung, politische Parteien, soziale Organisationen und die Sicherheitskräfte dazu auf, die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen zu intensivieren und in den tiefer gelegenen Küsten- und Uferregionen wachsam zu bleiben. Nach ersten Schätzungen eines Regierungsbeamten gegenüber BBC Nepali belaufen sich die Schäden allein an Straßen und Brücken auf mehr als 15 Milliarden nepalisaische Rupien.
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