Ein Autofahrer ist in Caen absichtlich in eine Menschenmenge an einer Bushaltestelle gefahren und hat dabei mindestens einen Menschen getötet sowie zehn weitere Personen verletzt. Der Tatverdächtige wurde nach einer Flucht festgenommen, während die Behörden terroristische Hintergründe ausschließen und Ermittlungen wegen Mordes einleiteten.
In der normannischen Stadt Caen im Nordwesten Frankreichs hat sich ein schwerer Vorfall ereignet, bei dem ein Autofahrer gezielt eine Gruppe von Menschen an einer Haltestelle angesteuert hat. Nach Angaben von Rettungskräften und Behörden kam bei dem Vorfall am Mittwochabend mindestens eine Person ums Leben. Zehn weitere Menschen erlitten Verletzungen, deren Schweregrad von den Einsatzkräften vor Ort unterschiedlich eingestuft wurde.
Ereignis am Bahnhof von Caen und Opferbilanz
Der Vorfall ereignete sich gegen 22.00 Uhr beziehungsweise 22.15 Uhr in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs der knapp 110.000 Einwohner zählenden Stadt.
Bei den Verletzten handelt es sich ausschließlich um Männer im Alter zwischen 17 und rund 40 Jahren. Der getötete junge Mann war laut Zeugenaussagen schätzungsweise 18 oder 19 Jahre alt und stammte aus Afghanistan.
Hinsichtlich der Verletztenzahlen gaben die Behörden präzisierende Details bekannt. David Clavière, Präfekt des Département Calvados, erklärte, dass sieben Personen lebensbedrohlich verletzt wurden, während sich drei weitere in einem weniger kritischen Zustand befinden. Die Feuerwehr sprach in einer ersten Bilanz zuvor von vier Schwer- und sechs Leichtverletzten, wie die lokalen Meldungen bestätigen.
Vorgeschichte, Festnahme und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Auslöser der Todesfahrt warsten Berichten zufolge handgreifliche Auseinandersetzungen in einer Bar in Bahnhofsnähe kurz vor der Tat. Im Anschluss an diese Schlägerei soll einer der Beteiligten in das Fahrzeug gestiegen sein. Der mutmaßliche Fahrer flüchtete nach dem Zusammenstoß zunächst vom Tatort, wurde jedoch rund zwanzig Kilometer nördlich in der Gemeinde Ouistreham von den Einsatzkräften gefasst.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 26-jährigen Mann russischer Herkunft. Medienberichten zufolge soll er den Namen Ibrahim I. tragen. Die Ermittlungsbehörden betonen, dass der Tatverdächtige den Geheimdiensten bisher unbekannt war und bei der Polizei lediglich durch Verkehrsdelikte geführt wurde. Ein terroristischer Hintergrund wird nach aktuellem Ermittlungsstand ausgeschlossen.
Die Staatsanwaltschaft in Caen leitete umgehend ein formelles Ermittlungsverfahren wegen Mordes sowie wegen vorsätzlicher Gewaltanwendung mit einer Waffe ein. Das betroffene Bahnhofsviertel wurde nach der Tat weiträumig abgesperrt, während ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften die Arbeit aufnahm.