Spanische und portugiesische Industriebetriebe rüsten angesichts wachsender Netzrisiken massiv auf. Allein in Spanien hat sich die Batteriespeicherkapazität seit April des Vorjahres verfielfacht, während Regionen gleichzeitig chinesische Investitionen anlocken und in Brüssel strengere EU-weite Investitionsregeln fordern, um die heimische Wirtschaft zu schützen.
Industrielle Stromspeicher in Spanien und Portugal boomen
Der Übergang zu elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen stellt produzierende Unternehmen vor neue Herausforderungen. Während dieser Wandel dazu beiträgt, klimaschädliche Emissionen zu senken, steigt gleichzeitig die Anfälligkeit für Stromausfälle.
Besonders die Industrie sucht nach Wegen, Produktionsunterbrechungen zu verhindern. Der Sektor gehört zu den ersten, die sich nach Speichersystemen umsehen, da die Produktion nicht zu abrupt abfallen darf, erklärt Miguel Matias, Gründer des portugiesischen Energiedienstleisters Self Energy. Ein Puffer von wenigen Stunden oder gar Minuten könne ausreichen, um schwere Maschinenschäden zu vermeiden.
Zusätzlichen Druck erzeugten wetterbedingte Extremereignisse. So knickte Ende Januar Sturm Kristin Tausende Strom- und Telekommunikationsmasten im Zentrum Portugals um und kappte für Zehntausende die Versorgung, teils über Wochen. In Spanien stieg die Batteriespeicherkapazität dem Netzbetreiber Red Eléctrica zufolge seit April des Vorjahres von rund 28 Megawatt auf inzwischen 193 Megawatt an.
Millioneninvestitionen und strengere Kundenanforderungen
Das Wachstum im Energiespeichersektor wird durch staatliche und europäische Fördermittel kräftig angetrieben. Im Dezember vergab das spanische Institut für Diversifizierung und Energiesparsamkeit (IDAE) insgesamt 827 Millionen Euro aus EU-Mitteln an 133 Energiespeicherprojekte, die zusammen eine Leistung von 2.400 Megawatt umfassen. Etwa 80 Prozent davon entfallen auf Batteriespeicher.
Für Zulieferer bedeutet dies einen spürbaren Wandel. Wir sehen nicht nur eine steigende Nachfrage, sondern auch eine klare Weiterentwicklung der Kundenanforderungen, erläutert Alberto Bodegas vom Speicherhersteller Sungrow. Während früher vor allem Teil- oder Komplettlösungen als Absicherung gefragt waren, verlangen Kunden heute nahtlose Notstromlösungen. Der Wechsel vom Netz zum Speicher muss demnach ohne jede spürbare Unterbrechung erfolgen, was besonders in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern und Rechenzentren unerlässlich ist.
Die Industrieunternehmen gehörten zu den ersten, die sich Speichersysteme ansahen, da sie sich keinen so abrupten Produktionseinbruch leisten können. Miguel Matias, Gründer von Self Energy, via BBC
Spanien wirbt um chinesische Auto- und Batteriekonzerne
Parallel zum Ausbau der Infrastruktur treiben spanische Regionen die Ansiedlung internationaler Automobil- und Batterieproduzenten voran. Autokonzerne wie SAIC und Chery sowie die Batteriehersteller CATL und AESC errichten Fabriken in Spanien, teils als Joint Ventures mit europäischen Partnern. Auch Marken wie BYD und Hongqi prüfen Standorte, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Spanien produziert nach Deutschland die zweitgrößte Anzahl an Autos in Europa, wobei der Sektor rund 600.000 Arbeitsplätze umfasst und etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Da das Land jedoch kaum eigene, starke Automobilmarken besitzt, fungiert es traditionell als Produktionsbasis für ausländische Hersteller. Dies macht den spanischen Markt offener für chinesische Investitionen als beispielsweise Deutschland, wo etablierte Autobauer angesichts von Überkapazitäten zurückhaltender agieren.
Estela Li, Leiterin der China-Praxis von KPMG Spanien, beschreibt den hiesigen Markt als offener, pragmatischer und zugänglicher im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. So begrüsste auch der Präsident von Aragon, Jorge Azcon, im Juli die Genehmigung eines gemeinsamen Batteriewerks von CATL und Stellantis als wichtigen Schritt zur langfristigen Sicherung der Produktion.
Forderung nach EU-weiten Schutzregeln und dem Gesetz „Made in Europe“
Die aggressive Anwerbung ausländischer Investoren sorgt jedoch gleichzeitig für politische und wirtschaftliche Sorgen. Vertreter einzelner Regionen und Gewerkschaften drängen Brüssel daher auf härtere, EU-weit gültige Investitionsvorschriften, um einen ungesunden Wettbewerb der Mitgliedstaaten untereinander zu verhindern.

Wir machen uns enorme Sorgen um die Zukunft der industriellen Fertigung in Europa, weil wir auf keiner Ebene mit China konkurrieren können. Mikel Irujo, Leiter der Wirtschaftsentwicklung in der Region Navarra, via Reuters
Mikel Irujo, der die Wirtschaftsentwicklung für die nordwestliche Region Navarra leitet, fordert gemeinsam mit anderen Amtsträgern die rasche Verabschiedung eines Gesetzes mit der Bezeichnung „Made in Europe. Dieses soll verbindliche Kriterien wie lokale Wertschöpfung, Beschäftigungsquoten, Technologietransfer und begrenzte Eigentumsanteile für ausländische Investoren in strategischen Sektoren festlegen.
Auch Juan Jose Picazo von der Industrieergewerkschaft CCOO in Valencia betont die Notwendigkeit einheitlicher Regeln. In Valencia hat der chinesische Autobauer Geely kürzlich eine Vereinbarung zur Übernahme ungenutzter Fabrikflächen in einem Ford-Werk getroffen. Die EU-Staaten beraten in den kommenden Wochen über verschärfte Handelsregelungen, während Investoren aus Nicht-EU-Ländern bei strategischen Vorhaben bereits umfassende Prüfungen zu Eigentümerstrukturen, Finanzierungsquellen und dreijährigen Businessplänen durchlaufen müssen.
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