Arteriosklerose verursacht in Deutschland fast eine halbe Million Schlaganfälle und Herzinfarkte pro Jahr. Während Vitamin K2 als Nahrungsergänzungsmittel zunehmend als potenzielles Mittel gegen Gefäßverkalkung gilt, zeigen Studien aus Maastricht, dass die Substanz entstehende Ablagerungen zwar bremsen, aber bestehende Plaques nicht rückgängig machen kann.
Arteriosklerose schreitet oft unbemerkt voran und bedroht Herz sowie Gehirn. Mit fast einer halben Million registrierten Schlaganfällen und Herzinfarkten jährlich in Deutschland gilt die Gefäßverkalkung als häufigste Ursache für diese lebensbedrohlichen Ereignisse. Im Laufe der Erkrankung verengen sich die vom Herzen wegführenden Arterien bis hin zum vollständigen Verschluss. Sie verlieren dabei ihre Elastizität, was hauptsächlich durch Ablagerungen von Fett, Cholesterin und Calcium in Form von Kalk geschieht.
Der Prozess der Calcium-Einlagerung an den Gefäßwänden beginnt oft schon im Alter von 30 Jahren und verläuft langsam. Schätzungsweise jeder zweite Mensch ist bis zum 70. Lebensjahr davon betroffen. Etwa ein Drittel der Schlaganfallpatienten verstirbt an den Folgen, während mindestens eine weitere Million Menschen in Deutschland mit langfristigen Einschränkungen leben muss. Bislang existieren keine Medikamente, die eine fortgeschrittene Erkrankung rückgängig machen können.
Die Rolle von Vitamin K und Vitamin D im Stoffwechsel
Da Blutverdünner zwar Gefäßverschlüsse verhindern, aber über längere Zeit die Verkalkung selbst beschleunigen können, richten Mediziner ihren Blick vermehrt auf präventive Lebensstiländerungen und spezifische Mikronährstoffe. Insbesondere Vitamin K gilt als vielversprechend im Kampf gegen Gefäßschäden. Häufig wird es in Form von Vitamin K2 in Kombination mit Vitamin D3 als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben, um alternde Gefäße zu schützen und brüchige Knochen zu stärken.
Im Körper erfüllen Vitamine essenzielle Stoffwechselfunktionen. Vitamin K und Vitamin D erhöhen unter anderem die Verfügbarkeit von Proteinen, die Kalk binden und den Plaque-Aufbau in den Blutgefäßen hemmen können. Zugleich unterstützen sie die Knochenmineralisierung. Älteren Studien zufolge kann die kombinierte Einnahme bei Menschen über 65 Jahren das Risiko für Knochenbrüche um gut 20 Prozent verringern.
Leon Schurgers, Professor an der Faculty of Health, Medicine and Life Sciences am Cardiovascular Research Institute Maastricht, gibt an, dass Vitamin K eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung von Proteinen spielt, die Blutgefäße vor Verkalkung schützen und Wachstumszonen der Knochen freihalten, während Vitamin D die Produktion dieser Schutzproteine ergänzend stimuliert.
Zu den wichtigsten Proteinen gehört das Matrix-Gla-Protein (MGP). Vitamin K2 aktiviert dieses Protein chemisch, indem es ein Carboxyl-Molekül anhängt. In diesem angeregten Zustand bindet das Protein freies Calcium im Blut sowie in den Knochenwachstumszonen und verhindert so unkontrollierte Kalkablagerungen, wie Leon Schurgers erläutert.
Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Vitamin K2
Trotz des schlüssigen biologischen Wirkungsmechanismus weist die medizinische Forschung auf klare Grenzen hin. Laut Professor Schurgers beeinflusst Vitamin K2 lediglich einen von vielen Wegen, die zu Gefäßverkalkungen führen. Andere pathologische Prozesse wie Fettablagerungen, Entzündungen, Blutgerinnung und Bluthochdruck schreiten unabhängig davon fort.
Dies verdeutlicht eine klinische Studie, die Schurgers und sein Team mit rund 180 Teilnehmern durchgeführt haben. Die Hälfte der Probanden erhielt über einen Zeitraum von zwei Jahren Vitamin K2 in der handelsüblichen Form MK-7, die andere Hälfte ein Placebo. Die Effekte nach zwei Jahren fielen nach Angaben der Forscher moderat und noch nicht eindeutig aus.
In der Gruppe mit echtem MK-7 stieg die gemessene Verkalkung der Blutgefäße um ein Viertel langsamer als in der Vergleichsgruppe. Eine Regeneration oder gar Rückbildung bereits vorhandener Plaques blieb jedoch aus.
Leon Schurgers, Professor an der Faculty of Health, Medicine and Life Sciences am Cardiovascular Research Institute Maastricht, merkte an, dass die Behandlung die Verkalkung gerade entstehender Plaquen zu verlangsamen schien, eine Rückbildung jedoch nicht beobachtet werden konnte.
Ein ähnliches Ergebnis zeigte eine weitere Studie mit einer zweijährigen Laufzeit. Bei Patienten mit stark fortgeschrittener Arteriosklerose hatte die Gabe von Vitamin K2 in Form von MK-7 keinerlei messbaren Effekt mehr auf die fortschreitende Verkalkung. Dies unterstreicht den vorwiegend vorbeugenden Charakter der Maßnahme.
Peter de Leeuw, Professor der Medizin an der Universitätsklinik Maastricht und Co-Autor der Studie, führt aus, dass ihre Studie eher auf einen Nutzen in der Prävention als in der Heilung von bestehenden Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen hinweist.
Ob sich diese verlangsamte Verkalkung letztlich auch klinisch bedeutsam in einer geringeren Anzahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen niederschlägt, bleibt laut Peter de Leeuw eine offene Frage, die umfangreichere Studien erfordert.
Ernährung, Risikofaktoren und Lebensstil als Stellschrauben
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