Verheerende Mega-Brände in Südeuropa haben in diesem Sommer mehr als 120,000 Hektar Land zerstört und rund 300,000 Menschen zur Evakuierung gezwungen. Wissenschaftler warnen laut aktuellen Analysen, dass menschengemachter Klimawandel diese extremen Feuer-Bedingungen in Zentralspanien mindestens 20-mal wahrscheinlicher gemacht hat.
Die klimatischen Bedingungen in Südeuropa verändern sich rasant. Spanien und Frankreich kämpfen aktuell gegen unkontrollierte Waldbrände, die massive Schäden verursachen und den Krisenreaktionsmechanismus der Europäischen Union an seine Kapazitätsgrenzen bringen. Die EU entsandte Löschflugzeuge und Bodenfahrzeuge, warnte jedoch zeitgleich davor, dass die eigenen Ressourcen schnell erschöpft seien.
Wissenschaftliche Analyse der World Weather Attribution
Eine neue Untersuchung des Netzwerks World Weather Attribution (WWA) hat historische Wetterbeobachtungen ausgewertet, um die Ursachen hinter den extremen Waldbränden zu beleuchten. Die Forschenden nutzten dabei den sogenannten Daily Severity Rating-Index, der Hitze, Trockenheit und Windstärke kombiniert und die Schwierigkeit der Brandbekämpfung misst. Untersucht wurde vor allem der siebentägige Zeitraum mit den höchsten DSR-Werten im Südwesten Frankreichs und in Zentralspanien.
Die Auswertung ergab, dass der anthropogene Klimawandel die extremen Brandwetterbedingungen in Südwestfrankreich mindestens verdoppelt und in Zentralspanien um das Zwanzigfache erhöht hat. Diese Angaben gelten als konservative Schätzungen. Nach Angaben der Forschenden führen gleichzeitig ausbrechende Brände in verschiedenen Regionen dazu, dass betroffene Staaten deutlich schwerer internationale Ressourcen zur Brandbekämpfung teilen können.
Ribeiro fügte hinzu, dass dieser gleichzeitige Druck spürbare Kosten verursacht, da überschneidende Extremereignisse die gegenseitige Unterstützung der europäischen Nachbarstaaten erschweren. Im heutigen Klima werden Ereignisse dieser Intensität in Südwestfrankreich statistisch alle 20 Jahre und in Zentralspanien alle sechs Jahre erwartet.
Extreme Hitze und rasant steigende Temperaturen in Europa
Parallel zu den akuten Waldbränden belegen weitere Forschungsdaten, dass sich Europa schneller erwärmt als von Klimamodellen ursprünglich projiziert. Spitzenwerte im Sommer überschritten in Südfrankreich bereits 46,0 Grad Celsius, wie aus Untersuchungen im Fachjournal Geophysical Research Letters hervorgeht. Die Anzahl der Sommertage mit extremer Hitze hat sich demnach seit 1950 verdreifacht, während Winterntage mit extremem Frost um mindestens die Hälfte abgenommen haben.
Dr. Clair Barnes, Research Associate in extreme weather and climate change am Centre for Environmental Policy am Imperial College London, betonte, dass die Feuerkeime keine bloße Serie von Pechfällen darstellen. Ein feuchter Winter, gefolgt von einem extrem trockenen Sommer und aufeinanderfolgenden Hitzewellen, hinterließ Wälder voller trockenem Brennmaterial.
Zusätzlich ergab eine Studie in der Fachzeitschrift Scientific Reports, die nationale Waldbrandaufzeichnungen zwischen 1981 und 2025 analysierte, dass die Intensität feuerfördernder Wetterlagen in Teilen Frankreichs und Spaniens zwischen 2016 und 2025 im Vergleich zum Zeitraum 1981 bis 2010 um bis zu 50 Prozent gestiegen ist.
Forderung nach schnellerem Ausstieg aus fossilen Energien
Angesichts der eskalierenden Lage hat der UN climate change Executive Secretary, Simon Stiell, ein schärferes Vorgehen gegen die Ursachen angemahnt. Kontinuierliche Emissionen durch fossile Brennstoffe heizten den Planeten weiter an und machten Brände tödlicher.
„But the solutions are equally clear: all countries must move faster from fossil fuels to renewables and protect people from worsening climate impacts, from wildfires, to megastorms and floods, to droughts hitting food production.“
Simon Stiell, UN Climate Change Executive Secretary (via euronews.com)
Die Europäische Kommission warnt vor diesem Hintergrund vor massiven Risiken für die Bevölkerung: Bei einer globalen Erwärmung von nur drei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau wird die Zahl der Menschen, die in der EU in Waldgebieten leben und mindestens zehn Tage pro Jahr hoher oder extrem hoher Waldbrandgefahr ausgesetzt sind, voraussichtlich um 15 Millionen steigen. Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits rund 1,3 bis 1,5 Grad Celsius über dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung.
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