Die Angriffe treffen zivile Infrastruktur schwer, während die Ukraine mit langreichweitigen Drohnen auf russischem Boden zurückschlägt.
Tödlicher Doppelschlag in Kriwi Rih und nächtlicher Raketenterror
Russland hat am Freitag in der Ukraine einen der blutigsten Luftangriffe der vergangenen Monate verübt. Drohneneinschläge in einem grossen Einkaufszentrum in der südukrainischen Industriestadt Kriwi Rih töteten nach Berichten der NZZ mindestens 16 Personen und verletzten rund 130 weitere, darunter 23 Kinder. Viele der Verletzten befinden sich laut lokalen Behörden in kritischem Zustand. Der Angriff erfolgte am späten Nachmittag während der geschäftigen Einkaufszeit und nutzte eine besonders tückische Taktik: Eine halbe Stunde nach dem ersten Einschlag, als bereits Rettungskräfte vor Ort waren, erfolgte ein zweiter gezielter Angriff.
Dieses Vorgehen, im Luftkrieg als double tap
beziehungsweise Doppelschlag bekannt, zielte erkennbar auf eine Maximierung der Opferzahlen ab. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski verurteilte die Attacke umgehend. In sozialen Netzwerken schrieb er, dass solche Angriffe schlicht Terrorakte seien und die Ukraine darauf reagieren werde. Kriwi Rih ist zugleich die Heimatstadt des ukrainischen Staatsoberhaupts. Nur wenige Tage zuvor hatte eine nächtliche Welle aus Raketen und Drohnen in Kiew und der Umgebung mindestens 16 Menschen getötet, während die Vereinten Nationen erklärten, Kiew sei im Juli mit mindestens 54 getöteten Zivilisten eine der am schwersten getroffenen Städte gewesen.
„It was a massive attack,“
Volodymyr Zelenskyy, President of Ukraine
Eskalation an der Front und Angriffe auf den zivilen Verkehr
Die Gewalt in der Region weitet sich auch auf den Personentransport aus. In der Nähe von Charkiw schlugen im Osten des Landes drei Drohnen iranischer Bauart des Typs Schahed in einen Passagierzug mit mehr als 100 Menschen an Bord ein. Der Zug war auf der Strecke Barwinkowe-Lwiw-Tschop unterwegs. Laut Angaben von Präsident Selenski starben bei dem Angriff mindestens vier Menschen, während Rettungskräfte nach vier weiteren Vermissten suchten und zwei Personen verletzt wurden.

Die ukrainische Luftabwehr steht angesichts veränderter russischer Angriffstaktiken unter enormem Druck. Wie die Associated Press berichtet, nutzt Moskau den Mangel an westlichen Patriot-Abwehrsystemen gezielt aus. Zudem setzt Russland vermehrt neue Shahed-Drohnen mit Düsenantrieb ein, die wesentlich schneller und tiefer fliegen und von herkömmlichen ukrainischen Abfangdrohnen kaum bekämpft werden können. In Kiew suchten während der nächtlichen Luftalarme mehr als 38,000 Menschen Schutz in den U-Bahnhöfen.
Ukrainische Drohnenangriffe im russischen Hinterland
Parallel dazu hat die Ukraine ihre Gegenoffensive auf russischem Territorium intensiviert. Die Angriffe sollen im ganzen Land Treibstoffengpässe verursachen und die russische Logistik stören.

Die russische Führung reagierte ihrerseits auf die wirtschaftliche und militärische Druckkulisse. Anlässlich des russischen Marinetags forderte Wladimir Putin den Einsatz der russischen Marine zur Verteidigung der sogenannten Schattenflotte von Öltankern, deren Festsetzung durch westliche Staaten er als Piraterie bezeichnete.
Auswirkungen auf die europäische Nachbarschaft und NATO-Reaktionen
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