Bei einem DFB-Pokalderby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern am 21. August 2026 kam es nach der regulären Spielzeit zu schweren Ausschreitungen. Insgesamt wurden 35 Polizeibeamte leicht verletzt, nachdem Einsatzkräfte aus dem Heimfanblock heraus mit Raketen und pyrotechnischen Gegenständen beschossen worden waren. Laut Angaben des Polizeipräsidiums Mannheim betrafen die Verletzungen 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizeibeamte aus Baden-Württemberg.
Eskalation nach regulärer Spielzeit
Die Begegnung im ausverkauften Carl-Benz-Stadion, die rund 23.500 Zuschauer darunter etwa 3.500 Gästefans anzog, verlief zunächst weitgehend störungsfrei, wenngleich es bereits zu Beginn zu Unterbrechungen durch Pyrotechnik und Gegenständen kam, die in Richtung des Kaiserslautern-Keepers Julian Krahl geworfen wurden. Nach dem Abpfiff der regulären Spielzeit bei einem Stand von 0:0 bildeten sich zunächst beide Mannschaften auf dem Spielfeld in einer Rudelbildung.
Die aggressive Stimmung übertrug sich unmittelbar auf die Ränge. Nachdem Mannheimer Anhänger von der Haupttribüne Becher in Richtung der Spielerbank des 1. FC Kaiserslautern geworfen hatten, reagierten die Anhänger aus Kaiserslautern mit dem gezielten Abschuss von Raketen in Richtung der Haupttribüne. In der Folge stürmten Mannheimer Fans das Spielfeld. Polizeikräfte, darunter auch berittene Polizisten, mussten einschreiten und die Personen unter Zwangsanwendung zurück in den Heimblock drängen. Während dieser Phase flogen mehrere Bengalos und Raketen aus dem Heimblock über den Mittelkreis hinaus und verfehlten Spieler von Kaiserslautern knapp.
Auswirkungen auf den Spielverlauf und Bilanz
Aufgrund der Vorfälle musste der Anpfiff der Verlängerung kurzzeitig verschoben werden. Die Mannschaften wurden zunächst in die Kabinen geschickt und mussten sich nach einer über 20-minütigen Unterbrechung erneut aufwärmen. Der Stadionsprecher mahnte via Durchsagen, dass das Spiel bei jedem weiteren Zwischenfall abgebrochen würde. Nach der Wiederaufnahme kam es zu keinen weiteren Vorfällen mehr; der 1. FC Kaiserslautern gewann die Partie schließlich in der 119. Minute mit 1:0.

Großaufgebot und polizeiliche Ermittlungen
Für das als brisant eingestufte Derby waren rund 1.400 Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz. Neben Kräften des Polizeipräsidiums Mannheim waren Beamte aus Rheinland-Pfalz, Bayern, der Bundespolizei sowie des Polizeipräsidiums Einsatz verschiedener Standorte beteiligt. Polizeidirektor Michael Reichert, Gesamteinsatzleiter des Polizeipräsidiums Mannheim, bezeichnete das taktische Konzept als erfolgreich.
Die Polizei hat Ermittlungen in folgenden Bereichen eingeleitet:
- Tätliche Angriffe auf Polizeibeamte
- Landfriedensbruch
- Körperverletzungsdelikte
- Sachbeschädigungen
- Beleidigungen
- Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz
Mehrere Fußballfans wurden vorläufig festgenommen. Zur Dokumentation wurden Videoaufnahmen vom Einsatz von Pyrotechnik und Feuerwerkskörpern gefertigt; die genaue Anzahl der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten wird derzeit noch ausgewertet.
Sicherheitsmaßnahmen und Kontext
Aufgrund der ausgeprägten Rivalität zwischen den nur rund 70 Autobahnkilometer entfernten Klubs hatten Stadt und Polizei umfangreiche Maßnahmen getroffen. Ein Fanmarsch von etwa 2.000 Kaiserslautern-Anhängern vom Bahnhof Ludwigshafen-Mitte zum Mannheimer Hauptbahnhof verlief ohne nennenswerte Störungen. Um Aufeinandertreffen zu vermeiden, wurde auf eine strikte Trennung der Fans bei der An- und Abreise gesetzt. In der Nähe des Stadions waren zwei Kindertagesstätten betroffen, deren Eltern aufgefordert wurden, die Kinder bereits ab 13:30 Uhr bzw. 15 Uhr abzuholen.
Auch interessant