Die Ukraine hat seit Mitte Juli 2026 eine Serie von Drohnenangriffen auf den russischen Versandriesen Wildberries gestartet, wobei zuletzt ein Logistikzentrum im Gebiet Wladimir in Brand geriet. Kiew wirft dem Unternehmen vor, Material für den russischen Krieg zu liefern, während Russland die Attacken als Terroranschläge auf zivile Infrastruktur bezeichnet.
Die Logistikzentren von Wildberries, dem größten Onlinehändler Russlands, stehen unter systematischem Beschuss. In einem aktuellen Angriff im Gebiet Wladimir, etwa 190 Kilometer östlich von Moskau, brach in einem Logistikzentrum ein Feuer aus, das laut Gouverneur Alexander Awdejew zu zwei Verletzten führte. Das Unternehmen gab an, die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht zu haben.
Milliardenverluste und Logistik-Kollaps bei Wildberries
Die Intensität der Kampagne ist hoch. Russische Medien berichten, dass der Angriff in Wladimir bereits die 18. Attacke war. Ein anderer Bericht von spiegel.de beziffert die Zahl der angegriffenen Logistikzentren in weniger als zwei Wochen auf 16. Das russische Amazon, wie es spiegel.de nennt, kontrolliert etwa die Hälfte des russischen Onlinehandels und ist für Millionen Bürger die primäre Quelle für Alltagswaren. Christina Hebel von SPIEGEL beschreibt die Präsenz des Unternehmens mit dem pink lilanen Logo als allgegenwärtig, so dass fast jeder Russe und jede Russin dort Dinge wie Zahnpasta, Toilettenpapier und Kleidung bestellt.
Die wirtschaftlichen Folgen für den Versandhändler sind massiv. Wirtschaftsanalysten schätzen, dass Wildberries durch die wochenlangen Angriffe etwa 20 Prozent seiner Lagerkapazitäten verloren hat. Der finanzielle Schaden wird laut welt.de auf 280 Milliarden Rubel, was etwa 3 Milliarden Euro entspricht. Christina Hebel berichtet, dass Wildberries nun kein Geld mehr habe, um die Verkäufer für ihre verbrannten Waren zu entschädigen, was zu großem Unmut führe.
Besonders hart trifft es die tausenden kleinen Unternehmen, die ihre Waren über die Plattform verkaufen. Da Wildberries offenbar nicht über die Mittel verfügt, die Verkäufer für verbrannte Waren zu entschädigen, herrscht unter den Händlern Verzweiflung.
„Ich habe mein Konto geöffnet und festgestellt, dass alles zerstört worden war. Ich habe mich hingesetzt und bin in Tränen ausgebrochen.“
Inna Marchenko, Verkäuferin, via spiegel.de
Eine weitere Verkäuferin, Anna Starostina, erklärte gegenüber spiegel.de, dass sie gar nicht erst mit einer Entschädigung rechne, um nicht enttäuscht zu werden, obwohl sie sich eine solche Form der Entschädigung wünschen würde.
Strategische Ziele: Dual-Use-Güter und psychologische Wirkung
Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass die Ukraine gezielt Infrastruktur zerstören will, die für die russische Kriegsausrüstung wichtig ist. Die Strategie zielt darauf ab, den Krieg direkt nach Russland zurückzutragen. Ein zentraler Punkt sind sogenannte Dual-Use-Güter: Auf Wildberries können beispielsweise Helme oder Glasfaserrollen gekauft werden, die für den Bau von Drohnen genutzt werden können. Christina Hebel von SPIEGEL bestätigt, dass Soldaten solche Helme kaufen, weist jedoch darauf hin, dass Experten den Anteil dieser militärisch nutzbaren Waren im Vergleich zum gesamten zivilen Sortiment als klein einstufen.
Die Angriffe verfolgen daher vermutlich ein psychologisches Ziel. Es geht darum, der russischen Bevölkerung das Gefühl zu vermitteln, schutzlos zu sein und dass der Kreml nicht in der Lage ist, Unternehmer und Bürger effektiv zu unterstützen. Hebel merkt an, dass der Kreml sich bisher sehr bedeckt gehalten habe, was die Hilfe für Unternehmer angeht.
Lücken in der russischen Luftabwehr und weitere Ziele
Die erfolgreichen Treffer in der Tiefe Russlands legen Schwachstellen in der russischen Flugabwehr offen. Neben den Logistikzentren stehen weitere strategische Ziele im Visier. In Belgorod gab es Berichte über Angriffe auf eine technische Universität, die als regionales Zentrum für die Entwicklung und Erprobung von Drohnen gilt und offiziell über soziale Netzwerke um Studenten für diese Studienrichtung geworben hatte. Laut dem Telegram-Kanal Pepel sei das Gebäude komplett ausgebrannt, wobei offizielle Behördendaten hierzu noch fehlen.

Parallel dazu meldete der ukrainische Militärgeheimdienst (DIU) Ende Juli 2026 Angriffe auf die besetzte Krim. Eine Spezialeinheit namens Group 13 setzte dabei FPV-Drohnenträgerplattformen namens Magura-See ein, um zwei russische Radareinrichtungen zu treffen. Die Erklärung der Behörde lautete: „Sie trafen das Kommandofahrzeug eines Podljot-Radarsystems sowie den gegnerischen Freund-Feind-Erkennungsradar vom Typ Parol-4. Zudem betonte die Behörde: „Von nun an stellen unsere Maguras auch für die russischen Besatzer an Land eine Bedrohung dar.
Russlands Verluste und die Lage an der Front
Während die Ukraine die wirtschaftliche Infrastruktur Russlands angreift, steigen die personellen Verluste der russischen Armee weiter. Die Identität von über 230.000 toten Soldaten wurde bereits bestätigt. Laut dem Generalstab der Ukraine, zitiert von fr.de, verzeichnete Russland innerhalb eines einzigen Tages 1.390 Soldaten durch Tod oder Verwundung.
Die geschätzten Gesamtkampfverluste der russischen Streitkräfte vom 24. Februar 2022 bis zum 3. August 2026 werden wie folgt beziffert:
| Kategorie | Geschätzte Verluste (Stand 03.08.2026) |
|---|---|
| Militärangehörige | 1.450.510 |
| Panzer | 12.232 |
| gepanzerte Kampffahrzeuge | 25.075 |
| Artilleriesysteme | 47.276 |
Gleichzeitig setzt Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort. Das ukrainische Energieministerium meldete Stromausfälle in Teilen von Dnipropetrowsk, Donezk, Sumy, Charkiw, Mykolajiw und Cherson. Die Reparaturarbeiten laufen dort, wo es die Sicherheitslage zulässt. Die ukrainische Luftabwehr konnte zuletzt 163 von 181 russischen Drohnen abfangen, doch an 13 Standorten wurden Treffer registriert.
Politische Entwicklungen und personelle Wechsel
In der politischen Landschaft gibt es neue Bewegungen. Der populäre russische Oppositionelle Boris Nadeschdin hat nach einer vorübergehenden Festnahme in Moskau seine Heimat verlassen. In einem bei Telegram veröffentlichten Video, aufgenommen vor dem Eiffelturm in Paris, sagte er: „Es gibt gute Neuigkeiten. Ich bin am Leben und in Freiheit. Er kündigte an, später über seine Pläne zu informieren.
Innerhalb der ukrainischen Führung plant Präsident Wolodymyr Selenskyj laut Ukrainska Prawda personelle Veränderungen. Rustem Umjerow, der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, soll zum Leiter des Auslandsgeheimdienstes ernannt werden. Ihor Klymenko, der mehrere Jahre lang als Innenminister tätig war, soll den Posten des Sekretärs des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates übernehmen. Klymenko war zuvor als möglicher Verteidigungsminister im Gespräch gewesen.
Diese Schritte folgen auf frühere Ernennungen: Am 4. Februar ernannte Selenskyj Oleh Luhowskyj, den ersten stellvertretenden Leiter des Auslandsgeheimdienstes, zum kommissarischen Behördenleiter. Zuvor hatte Selenskyj bereits am 2. Januar Oleh Iwaschtschenko als Leiter des Auslandsgeheimdienstes entlassen und ihn zum Leiter des Militärgeheimdienstes der Ukraine ernannt.
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