Wissenschaftler warnen vor einem massiven Sauerstoffverlust in den Weltmeeren und Flüssen, der globale Ökosysteme destabilisieren könnte. Eine am 30.
Die Gewässer der Erde verlieren schleichend ihre lebensnotwendige Grundlage. Während die meisten Menschen Sauerstoff als eine Konstante der Atmosphäre betrachten, zeichnet die Forschung ein anderes Bild für die aquatischen Systeme. Laut einer im Journal Limnology and Oceanography veröffentlichten Review unter der Leitung der Scripps Institution of Oceanography verschwindet gelöster Sauerstoff rapide aus Ozeanen, Flüssen und Seen.
Die Planetary Boundaries und die Rolle des Sauerstoffs
Die Forscher fordern, den gelösten Sauerstoff offiziell in das Framework der Planetary Boundaries (Planetare Grenzen) aufzunehmen. Dieses System, das bereits 2009 eingeführt wurde, identifiziert neun kritische Umweltprozesse – darunter der Klimawandel, der Biodiversitätsverlust und die chemische Verschmutzung –, die für die Stabilität der Erde essenziell sind.

Ihr Ziel ist es, die Deoxygenierung nicht als isoliertes Problem zu betrachten, sondern als globale Bedrohung, die eng mit der Erwärmung und der Nährstoffverschmutzung verknüpft ist. Diese Faktoren entziehen dem Wasser Sauerstoff und stören die biologischen Prozesse, die das Weltklima regulieren.
80 Prozent der Flüsse im Sauerstoffabfall
Während die Ozeane langfristig betroffen sind, zeigen aktuelle Daten eine akute Krise in den Flusssystemen. Eine im Fachmagazin Science Advances veröffentlichte Studie unter der Leitung von Kun Shi des Nanjing Institute of Geography and Limnology (NIGLAS) an der Chinese Academy of Sciences analysierte Beobachtungen aus über 21.439 Flussabschnitten weltweit zwischen 1985 und 2023.
Das Ergebnis ist deutlich: 78,8 Prozent der untersuchten Flüsse zeigen Anzeichen einer Deoxygenierung. Im Durchschnitt sank der Sauerstoffgehalt pro Jahrzehnt um 0,045 mg/L. Besonders betroffen sind die Tropen zwischen 20°S und 20°N, einschließlich Flüssen in Indien. Dies überraschte die Forscher, da ursprünglich erwartet wurde, dass die stärkeren Erwärmungstrends in höheren Breitengraden dort zu größeren Verlusten führen würden.
Die Ursachen für diesen Absturz sind vielfältig. Die Erwärmung des Wassers treibt den Prozess voran, da warmes Wasser weniger Sauerstoff binden kann. Zusätzlich befeuert die Nährstoffverschmutzung aus der Landwirtschaft das Algenwachstum; wenn diese Algen zerfallen, verbrauchen Mikroben den restlichen Sauerstoff.
Hitzewellen und Staudämme als Beschleuniger
Auch menschliche Eingriffe in die Flussläufe spielen eine Rolle. Die Auswirkungen von Staudämmen hängen dabei von der Tiefe der Reservoirs:

- Flache Reservoirs: Hier beschleunigt die Aufstauung den Sauerstoffverlust.
- Tiefe Reservoirs: In diesen Bereichen kann die Aufstauung die Deoxygenierung paradoxerweise reduzieren.
Das Konzept der Wasserinsolvenz
Das Oberflächenwasser (Flüsse, Seen) fungiert als Girokonto, das derzeit fast vollständig geleert wird. Die langfristigen Ersparnisse – Grundwasser und Gletscher – werden nun angegriffen, um den täglichen Bedarf zu decken. Dies führt laut UN zu einer instabilen Lage, in der etwa 70 Prozent der großen Aquiferen weltweit zurückgehen.
Kosmische Zeitpläne und die Zukunft der Atmosphäre
Während die aktuellen Krisen in Flüssen und Ozeanen unmittelbare politische Maßnahmen erfordern, gibt es eine weitaus langfristigere Perspektive. Forscher von der NASA und der Toho University haben berechnet, dass die Erde noch etwa eine Milliarde Jahre hat, bevor die Atmosphäre komplexes Leben nicht mehr unterstützen kann.
Die Ursache ist die allmähliche Erwärmung der Sonne. Diese führt dazu, dass CO₂-Moleküle in der Atmosphäre zerfallen, was die Photosynthese der Pflanzen stoppt. Ohne Photosynthese gibt es keine Sauerstoffproduktion.
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