Die britische Regierung plant die Einführung einer nächtlichen Social-Media-Sperre für Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Wie das Department for Science, Innovation & Technology (DSIT) am Dienstagabend bekannt gab, sollen Social-Media-Unternehmen eine Standardblockierung für diese Altersgruppe zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens implementieren. Diese Einschränkung ist nicht obligatorisch und kann deaktiviert werden.
Begleitende Maßnahmen und Zeitplan
Die nächtliche Sperre ist Teil eines größeren Pakets an Regulierungen. Für Kinder unter 16 Jahren ist zudem ein vollständiges Verbot dieser Dienste geplant, das voraussichtlich im Frühjahr 2027 in Kraft treten wird. Zudem will die Regierung „süchtig machende“ Funktionen für ältere Teenager standardmäßig deaktivieren, darunter Feeds mit personalisierten Inhalten sowie Videos, die automatisch nacheinander abgespielt werden; auch diese Einstellungen können manuell überschrieben werden.
Die ersten vollständigen Social-Media-Regulierungen werden noch in diesem Jahr dem Parlament vorgelegt, bevor sie 2027 wirksam werden. Laut dem DSIT sollen diese Maßnahmen sicherstellen, dass beim Übergang in das späte Teenageralter kein plötzlicher Schutzverlust eintritt. Technologie-Sekretärin Liz Kendall erklärte dazu, dass diese Schritte entscheidend seien, damit junge Menschen ausreichend Schlaf bekommen, sich auf Schule und College konzentrieren und mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen können.
KI-Schutz und Medienkompetenz
Neben den Social-Media-Sperren plant Kendall weitere Schutzmaßnahmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Dies umfasst vorgeschriebene Pausen bei der Nutzung von Chatbots für unter 18-Jährige. Zudem sollen KI-Plattformen, die romantische Gespräche imitieren, für diese Altersgruppe blockiert werden. Dienste, die gefährliche oder unverifizierte psychologische Ratschläge geben, sollen reguliert werden; Chatbots, die eine „ernste Bedrohung“ darstellen, könnten komplett verboten werden.
Parallel dazu möchte die Regierung die Medienkompetenz in Schulen durch aktualisierte Lehrpläne stärken. Diese sollen Themen wie KI, technologische Voreingenommenheit, Desinformation sowie Strategien zur Identifizierung von misogynen und gewalttätigen Inhalten abdecken.
Kritik und Umsetzung
Während die Regierung angibt, dass etwa neun von zehn Eltern in Großbritannien eine gesetzliche Mindestaltersgrenze für soziale Medien unterstützen, gibt es Kritik von Organisationen wie Amnesty International, der Electronic Frontier Foundation und der ACLU. Diese warnen, dass eine solche „Age-Gating“-Praxis die Meinungsfreiheit einschränke und den Zugang zu wichtigen Ressourcen, etwa zur Sexualaufklärung oder LGBTQ-Informationen, zensieren könne.
Bisher hat die Regierung bestätigt, dass Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat und YouTube unter das Verbot für unter 16-Jährige fallen werden. Die genaue Definition von „Social Media“ steht jedoch noch aus. Die Wikimedia Foundation äußerte die Sorge, dass auch kleinere Plattformen wie Wikipedia durch die derzeit breit gefassten Kriterien fälschlicherweise in den Anwendungsbereich der Sperren fallen könnten.
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