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Immo-Influencer Primorac: Betrügerische Immobilien-Masche mit Millionenverlusten

Der Immobilien-Influencer Tomislav Primorac, bekannt als „Immo Tommy“, steht im Zentrum schwerer Vorwürfe wegen des Verkaufs überteuerter Immobilien und riskanter Finanzierungsverträge. Recherchen des NDR und des Spiegel belegen, dass zahlreiche Anleger über sein Netzwerk finanzielle Verluste erlitten haben, wobei Immobilien teilweise bis zu 50 Prozent über dem Marktwert verkauft wurden.

Die Masche hinter dem „Rundum-Sorglos-Paket“ von Tomislav Primorac

Tomislav Primorac, der sich selbst als Europas größter Immobilien-Influencer bezeichnet, nutzt Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube, um eine Reichweite von rund zwei Millionen Followern zu bedienen. In seinen Clips gibt er Tipps für den Einstieg in das Immobiliengeschäft und behauptet, innerhalb weniger Jahre selbst zum Millionär geworden zu sein. Um Einsteiger anzulocken, wirbt Primorac mit einem Paket, das Finanzierung, Sanierung und die Auswahl der Mieter abdeckt. Laut NDR und Spiegel arbeiten allein 17 Vermittler in seinem Auftrag.Für viele Käufer wurde dieses Versprechen zum finanziellen Debakel. Betroffene berichten von Immobilien, die deutlich überteuert waren. Ein Vergleich der Quadratmeterpreise einiger verkaufter Objekte mit ortsüblichen Werten ergab, dass diese teilweise bis zu 50 Prozent teurer waren. Besonders kritisch: Einige Käufer unterschrieben Verträge, ohne die Immobilien zuvor persönlich besichtigt zu haben.

„Ich habe das gesehen und ja, vielleicht lässt man sich auch tatsächlich blenden von dem Ganzen. Ich ärgere mich so. Wir hätten das einfach hinterfragen müssen, wir waren völlig blauäugig.“

Die Masche hinter dem „Rundum-Sorglos-Paket“ von Tomislav Primorac
Verena S., betroffene Anlegerin, via NDR

„Katastrophale Verträge“ und das Risiko der Schrottimmobilien

„Katastrophale Verträge“ und das Risiko der Schrottimmobilien
Der Hamburger Verbraucheranwalt Achim Tiffe, der Teile der Finanzierungs- und Kaufverträge für den NDR und den Spiegel prüfte, bezeichnete die Dokumente als „katastrophal“. Tiffe zieht Parallelen zu den sogenannten Schrottimmobilien der 1990er-Jahre, bei denen Objekte oft weit entfernt vom Wohnort der Käufer verkauft wurden, damit diese die tatsächliche Werthaltigkeit vor Ort nicht prüfen konnten.Neben den überhöhten Preisen gibt es weitere schwerwiegende Vorwürfe:
  • Nicht durchgeführte Sanierungen: Versprochene Arbeiten wurden laut Betroffenen nicht ausgeführt.
  • Versteckte Provisionen: Es wird berichtet, dass im Hintergrund Provisionen kassiert wurden.
  • Zahlungen an Dritte: Aus den Verträgen geht hervor, dass Käufer hohe Teilbeträge des Kaufpreises als nicht näher definierte Zahlungen an Dritte oder direkt an Tomislav Primorac leisteten.
  • Risikoreiche Finanzierung: Die vermittelten Verträge gelten als hochriskant.

Rechtliche Hürden: Warum eine Sammelklage unwahrscheinlich ist

Rechtliche Hürden: Warum eine Sammelklage unwahrscheinlich ist
Nach der Veröffentlichung der Recherchen meldeten sich laut NDR Info täglich weitere Betroffene, wodurch sich die Zahl der Geschädigten innerhalb weniger Tage massiv erhöht haben könnte. Viele erwägen nun juristische Schritte. Eine Sammelklage ist jedoch nach Einschätzung von Rechtsanwalt Achim Tiffe nicht möglich.Der Grund liegt in der Individualität der Verträge. Zwar ähneln sich die Dokumente, doch unterscheiden sie sich in entscheidenden Punkten: die Standorte der Immobilien, die spezifischen Kaufpreise, die Bewertungen sowie die Höhe der mutmaßlich versteckten Provisionen variieren.Trotzdem sieht Tiffe Chancen für eine individuelle Wehrhaftigkeit. Er nennt die Möglichkeit einer arglistigen Täuschung, Wucher oder Sittenwidrigkeit als rechtliche Ansätze. Ein Weg könnte über die Verbraucherzentralen, insbesondere den Verbraucherzentrale Bundesverband Berlin, führen, um Druck aufzubauen. Allerdings warnt der Anwalt, dass dies ein langwieriger und teurer Prozess ist. Zudem besteht das Risiko, dass im Falle eines gewonnenen Prozesses die Masse fehlt, sollte der Beklagte nicht mehr über ausreichend Geld für eine Rückabwicklung verfügen.

Globale Muster: Von Geldwäsche in der Schweiz bis zu Betrug in Kaprun

Globale Muster: Von Geldwäsche in der Schweiz bis zu Betrug in Kaprun
Die Fälle rund um „Immo Tommy“ sind Teil eines breiteren Spektrums an Immobilienmanipulationen. In der Schweiz berichten Medien über Käufer, die den Markt unterwandern, um illegale Gewinne aus dem Kokainhandel oder aus Schwarzarbeit im Bausektor zu waschen. Laut watson.ch werden dabei oft überhöhte Summen geboten, teilweise sogar mit Koffern voller Bargeld, um Eigentümer zu schnellen Verkäufen zu drängen.In Österreich zeigt sich eine andere Form der Täuschung. In Kaprun warnen Behörden vor einer Masche, bei der Hotel-Eigentümern ein Kauf vorgegetäuscht wird. Ein Beispiel ist der „Dorkrug“, der für elf Millionen Euro verkauft werden sollte. Der Kaufpreis wurde jedoch nie gezahlt, während der Eigentümer in der Zwischenzeit Kredite und Versicherungen bedienen musste. Die Staatsanwaltschaft ermittelt hier wegen schweren Betruges gegen drei Beschuldigte, wie ORF Salzburg berichtet.Auch einfache digitale Betrugsmaschen nehmen zu. Handelsblatt beschreibt Fälle, in denen gefälschte Vermieter aus dem Ausland Vorkasse für Miete und Kaution fordern, ohne dass eine Besichtigung stattfindet.

Finanzielle Liquidität versus Risiko: Das Modell „Sofortverkauf“

Neben kriminellen Machenschaften gibt es auch legale, aber riskante Finanzprodukte. Die Volksbank-Tochter Vobahome bietet einen „Sofortverkauf“ an, bei dem Verkäufer 40 Prozent des geschätzten Verkehrswerts sofort als Reservierungsgebühr erhalten.Dieses Modell bringt jedoch eine spezifische Klausel mit sich, die laut financefwd.com für Stirnrunzeln sorgt: Gelingt der Verkauf der Immobilie nicht innerhalb von 13 Monaten, muss der Verkäufer den Betrag entweder zurückzahlen oder die Immobilie wird von Vobahome übernommen. Geschäftsführer Thomas Weiss betont, dass die Kriterien für die Objekte streng seien (Energieeffizienzklasse mindestens G, Sprengnetter Lagescore 3 oder höher), um dieses Worst-Case-Szenario zu vermeiden.Während Tomislav Primorac nach der Berichterstattung Kritik an den Vorwürfen geäußert und teilweise Fehler eingeräumt hat, gibt es bislang keine Anzeichen, dass er oder beteiligte Institute wie die Volksbank Konstanz oder die Schwäbisch Hall einlenken werden. Die Betroffenen bleiben in einer Situation massiven finanziellen und psychischen Drucks.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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