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Technik und Wissenschaft

KI in Schulen: 60 Prozent Lehrkräfte fürchten KI-Gefahr für soziale Fähigkeiten und eigenständiges Denken

Über 60 Prozent der Lehrkräfte fürchten, dass KI-Anwendungen wie ChatGPT die sozialen und kognitiven Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern gefährden. Das zeigt das aktuelle Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, das im Juni 2026 veröffentlicht wurde.

Lehrkräfte-Skepsis trotz wachsender KI-Nutzung im Unterricht

Die Debatte um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in deutschen Schulen hat eine neue Dimension erreicht. Laut dem Deutschen Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung glauben über 60 Prozent der Lehrkräfte, dass KI-Anwendungen wie ChatGPT die sozialen Fähigkeiten und das eigenständige Denken von Schülerinnen und Schülern gefährden. Gleichzeitig nutzen bereits 25 Prozent der Lehrkräfte KI-Tools im Unterricht – wenn auch oft noch nicht direkt für den Unterricht selbst, sondern für die eigene Vorbereitung.

Die Warnungen vor den Risiken sind laut. In einem Interview mit BILD warnten Geschwister vor den Folgen: „Eure Kinder verlernen zu denken.“ Die Sorge gilt vor allem der Gefahr, dass Schülerinnen und Schüler durch den unreflektierten Einsatz von KI ihre Fähigkeit zur eigenständigen Problemlösung und zum kritischen Denken einbüßen. Besonders betroffen sind laut Umfragen die sozialen Kompetenzen, die im direkten Austausch und in der Zusammenarbeit entstehen.

Wissenschaftliche Warnungen vor kognitiver Auslagerung durch KI

Laut dem Schulbarometer 2026 nutzen nur noch zehn Prozent der Lehrkräfte keine KI-Werkzeuge mehr. Die Nutzung hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, doch die Skepsis gegenüber einem flächendeckenden Einsatz ist groß. „KI kann den Unterricht bereichern, aber sie darf nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler Denkvorgänge einfach an Maschinen auslagern“, sagt Dagmar Wolf, Leiterin des Bildungsbereichs der Robert Bosch Stiftung. Sie verweist darauf, dass über 67 Prozent der Lehrkräfte befürchten, dass KI-Anwendungen die kognitiven Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler schädigen.

Die Befürchtungen sind nicht neu. Schon im Vorjahr zeigte eine Studie des KI-Forschers Michael Gerlich, dass eine unstrukturierte Nutzung von KI zu einer „kognitiven Auslagerung“ führen kann – also dazu, dass Menschen Denkvorgänge an Maschinen delegieren und selbst weniger aktiv nachdenken. Gleichzeitig betont Gerlich, dass eine durchdachte und pädagogisch begleitete KI-Nutzung auch das kritische Denken fördern kann. „Es kommt darauf an, wie KI eingesetzt wird“, so Gerlich im Interview mit heise online.

Praktische Herausforderungen: KI-Schummeln und technische Gegenmaßnahmen

Die praktischen Herausforderungen sind jedoch groß. In Bayern und Niedersachsen berichten Lehrer zunehmend über KI-gestütztes Schummeln bei Prüfungen. Der Bayerische Lehrerverband fordert daher klare Regeln und technische Gegenmaßnahmen, etwa das Verbot von Smartphones oder Smartwatches während von Abschlussprüfungen. In Niedersachsen wurde bereits ein Fall bekannt, in dem ein Lehrer durch sprachliche Auffälligkeiten auf KI-generierte Texte aufmerksam wurde und daraufhin eine genauere Prüfung einleitete.

Trotz der Risiken sehen viele Lehrkräfte auch Chancen. Eine aktuelle Studie von ad-hoc-news zeigt, dass 80 Prozent der Lehrkräfte den Einsatz von KI im Unterricht weiterempfehlen würden – allerdings nur unter strengen pädagogischen und technischen Rahmenbedingungen. „KI ist aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken“, sagt Wolf.

Ausblick: Bundesweite Regulierung und pädagogische Leitlinien

Die Diskussion um KI in Schulen wird sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen. Während einige Bundesländer wie Bayern bereits konkrete Maßnahmen gegen KI-Schummeln prüfen, fordern andere eine bundesweite Debatte über die pädagogischen und ethischen Grenzen des KI-Einsatzes. Unklar bleibt vor allem, wie die Bundesregierung auf die Forderungen der Lehrerverbände reagieren wird. Fest steht: Ohne klare Regeln und eine pädagogische Begleitung droht die KI den Schulen mehr zu schaden als zu nutzen.

Die Frage ist nicht mehr, ob KI in Schulen eingesetzt wird – sondern wie. Und wie sie dazu beiträgt, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur Wissen reproduzieren, sondern auch selbstständig und kritisch denken lernen.

  • 67% der Lehrkräfte befürchten Schäden beim Denken durch KI.
  • 25% der Lehrkräfte nutzen KI-Tools im Unterricht.
  • Nur 10% der Lehrkräfte nutzen keine KI-Werkzeuge mehr.
  • 80% würden den Einsatz von KI im Unterricht weiterempfehlen – unter klaren Bedingungen.

Die Ergebnisse des Schulbarometers basieren auf einer Umfrage des Instituts forsa unter über 1.000 Lehrkräften im November und Dezember 2025. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass die Skepsis gegenüber KI in Schulen zwar groß ist, aber auch die Bereitschaft, den Einsatz unter pädagogischer Kontrolle zu erproben.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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