In Österreich befinden sich im Mai 2026 bereits 80 Prozent der Grundwasserpegel in einem niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Laut Berichten des Bundesministeriums gefährdet der Klimawandel durch hohe Verdunstungsraten die Trinkwasserversorgung, während die aktuelle Rechtslage für Wassermangel unzureichend bleibt und politische Maßnahmen noch auf sich warten lassen.
Historische Tiefstände und die Krise des Grundwassers
Die aktuelle Trockenheit ist kein punktuelles Wetterereignis, sondern eine tiefgreifende Veränderung des Wasserkreislaufs. Nach einem historisch trockenen Frühjahr und einem niederschlagsarmen Winter steuert das Land auf eine massive Dürreperiode zu.
Das Grundwasser fungiert dabei als lebenswichtiger Puffer für das Ökosystem und die menschliche Versorgung. Im Gegensatz zu Oberflächengewässern wie Flüssen oder Seen, die schnell auf Niederschlag reagieren, speichert das Grundwasser Wasser in den Porenräumen von Boden und Gestein. Eine ausreichende Neubildung dieses Reservoirs ist jedoch auf eine kontinuierliche Sättigung der oberen Bodenschichten angewiesen. Wenn die oberen Schichten durch Hitze austrocknen, kann selbst ein plötzlicher Regenschauer das Wasser nicht mehr tief genug in die Aquifere leiten, da es entweder oberflächlich abfließt oder unmittelbar wieder verdunstet.
Besonders alarmierend sind die aktuellen Messwerte. Laut NÖN.at erlebte Österreich in diesem Jahr das trockenste Frühjahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1858. In mehreren Regionen sind die Grundwasserspiegel bereits so stark gesunken, dass die Landwirtschaft unter Druck gerät und vereinzelt Einschränkungen bei der Wasserversorgung auftreten.
Die Ursache liegt in einem Teufelskreis aus meteorologischen Faktoren: Sinkende Niederschlagsmengen treffen auf eine stark gestiegene Verdunstung. Dies verhindert, dass Wasser in die tieferen Bodenschichten vordringt, was die Neubildung von Grundwasser massiv erschwert.
Das veraltete Wasserrechtsgesetz von 1959

Während die klimatischen Bedingungen drastisch zunehmen, hinkt der rechtliche Rahmen hinterher. Das geltende Wasserrechtsgesetz (WRG) basiert teilweise noch auf Regelungen aus dem Jahr 1869 und wurde zuletzt 1959 umfassend überarbeitet.
„Das WRG 1959 enthält keine praxistauglichen Regelungen für Wassermangellagen, da diese aus einer Zeit stammen, wo niemand die Herausforderungen des Klimawandels auf dem Radar hatte“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Christian Onz, der das Gesetz im Auftrag der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) analysiert hat.
Ein zentrales Problem der aktuellen Gesetzgebung ist die Natur der bestehenden Wasserrechte. Viele Nutzungen – etwa für die industrielle Kühlung oder die landwirtschaftliche Bewässerung – sind durch langfristige wasserrechtliche Bewilligungen geschützt. Diese Rechte sind rechtlich bindend und schaffen eine Situation, in der staatliche Eingriffe zur Dürrebekämpfung, wie etwa die vorübergehende Drosselung von Entnahmemengen, komplexe juristische Hürden nach sich ziehen. Wenn Behörden die Wasserentnahme einschränken müssen, um die Trinkwasserversorgung zu priorisieren, stellt sich die Frage der Entschädigungspflicht für die betroffenen Akteure.
Onz kritisiert, dass das derzeitige Instrumentarium in der Praxis weitgehend wirkungslos sei. Unklare Zuständigkeiten, fehlende Mitwirkungsrechte für öffentliche Trinkwasserversorger und ungelöste Fragen der Entschädigungspflicht führen dazu, dass die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen im Ernstfall nicht greifen können. Die ÖVGW fordert daher eine grundlegende Reform, um die Trinkwasserversorgung langfristig abzusichern.
Forderungen nach einem landesweiten Dürremanagementplan
Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, plädieren Experten für eine Abkehr von der reinen Krisenreaktion hin zu einer proaktiven Steuerung. Gregor Laaha von der Universität für Bodenkultur warnt davor, die aktuelle Entwicklung auf die leichte Schulter zu nehmen.
Laaha fordert einen umfassenden Dürremanagementplan für Österreich, der auf mehreren Säulen basiert:
- Ein flächendeckendes Monitoring, das Wasserdefizite im gesamten Wasserkreislauf nahezu in Echtzeit erfasst.
- Sektorspezifische Schwellenwerte, die klare Grenzen für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und die Schifffahrt definieren.
- Ein Vorhersagesystem, das bereits Wochen oder Monate im Voraus vor drohenden Engpässen warnt.
Die Umsetzung eines solchen Plans wird durch die föderale Struktur Österreichs erschwert. Während der Bund den gesetzlichen Rahmen durch das Wasserrechtsgesetz vorgibt, liegt die eigentliche Wasserwirtschaft und die Umsetzung der Maßnahmen in der Kompetenz der neun Bundesländer. Diese Aufteilung führt dazu, dass die Koordination zwischen den Ländern und die Erstellung einheitlicher, landesweiter Standards bei extremen Wetterereignissen eine organisatorische Herausforderung darstellt.
Ein wesentliches Problem bleibt die fehlende Datenbasis. Derzeit mangelt es an gesicherten Informationen über die genauen Mengen der Wasserentnahmen und den tatsächlichen Wasserbedarf, was eine datenbasierte Wasserbilanz und somit wirksame Steuerungsmaßnahmen erschwert.
Lavendelanbau als Antwort auf die Trockenheit
In der Praxis reagieren Landwirte bereits mit Anpassungen an die veränderten Bedingungen. Während traditionelle Kulturen unter dem Wassermangel leiden, suchen Betriebe nach mediterranen Alternativen, die mit weniger Feuchtigkeit auskommen.
Das Problem für viele Betriebe ist die steigende Evapotranspiration – die Summe aus der Verdunstung von Wasser direkt aus dem Boden und der Transpiration der Pflanzen. In Regionen wie dem Weinviertel führt die Kombination aus hohen Temperaturen und trockenen Böden dazu, dass Pflanzen wie Mais deutlich mehr Wasser benötigen, um den Hitzestress zu bewältigen, was die verfügbaren Reserven schneller erschöpft.
Im östlichen Weinviertel, einer der trockensten Agrarregionen des Landes, setzt Zeno Piatti auf den Anbau von Lavendel. Der Biolandwirt kultiviert die Heilpflanze auf acht Hektar, da sie in Regionen gedeiht, die für andere Nutzpflanzen mittlerweile zu trocken sind.
Dieser Wandel verdeutlicht die ökonomische Dimension der Krise: Die Landwirtschaft muss sich nicht nur an neue Wetterextreme anpassen, sondern auch ihre gesamte Anbauplanung auf die veränderten Ressourcenverfügbarkeiten ausrichten.
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