Die Deutsche Bahn könnte bis 2028 mindestens 16 Städte vom Fernverkehrsnetz abkoppeln, falls der italienische Konkurrent Italo lukrative Strecken übernimmt. Laut einer Analyse der Eisenbahngewerkschaft EVG droht Städten wie Augsburg und Münster der Wegfall von ICE- und IC-Verbindungen, während gleichzeitig über 90 Schienenprojekte mangels Bundesmitteln stillstehen.
Welche Städte vom Fernverkehr bedroht sind
Ein geplanter Markteintritt des italienischen Bahnunternehmens Italo könnte die Struktur des deutschen Fernverkehrs grundlegend verändern. Wie Welt unter Berufung auf eine Untersuchung der Eisenbahngewerkschaft EVG berichtet, steht die Deutsche Bahn (DB) vor dem Dilemma, defizitäre Verbindungen streichen zu müssen, wenn gewinnbringende Trassen an Wettbewerber fallen. Die EVG identifizierte 16 Städte, bei denen ein Wegfall der Fernverkehrshalte wahrscheinlich ist. Die Liste umfasst sowohl regionale Zentren als auch kleinere Knotenpunkte:- Hohes Aufkommen: Ingolstadt (50 Züge/Tag), Freiburg (45), Münster (40), Osnabrück (40), Augsburg (44)
- Mittleres Aufkommen: Bamberg (35), Magdeburg (30), Rostock (20), Singen (20)
- Geringes Aufkommen: Aachen (16), Norddeich Mole (10), Schwerin (10), Saarbrücken (8), Jena (4), Chemnitz (4), Cottbus (2)
- Sonderfall: Trier (geplante IC-Verbindung würde entfallen)
„Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr. Städte werden abgehängt, Wege werden länger.“
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Italos Milliarden-Offensive für den deutschen Markt
- Hamburg – Berlin – München: Geplant im Zweistundentakt.
- München – Köln – Dortmund: Geplant im Stundentakt.
Der Kampf um die Trassen und die „Rosinenpickerei“
Finanzierungsstau bei über 90 Bahnprojekten
Parallel zum Wettbewerbsdruck kämpft die Infrastruktur mit massiven Finanzierungslücken. Ein Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), der auch von Welt aufgegriffen wurde, zeigt ein alarmierendes Bild: Über 90 Bahnprojekte droht der Stillstand. Dies betrifft Projekte in verschiedenen Planungsphasen sowie Vorhaben, die bereits im Bau sind. Besonders kritisch ist, dass laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen sogar Projekte von „überragendem öffentlichen Interesse“ gefährdet sind, da der Bund nicht ausreichend Mittel bereitstellt. Die Allianz pro Schiene kritisiert diesen Zustand scharf und fordert eine Korrektur im Haushalt 2027. Ohne eine langfristige Finanzierung über einen überjährigen Infraplan bleibe die Planungssicherheit für den Ausbau des Schienennetzes nicht gegeben. Die Kombination aus drohendem Netzausbau-Stopp und dem Verlust von Fernverkehrsverbindungen in der Provinz könnte die Mobilitätsgarantie in Deutschland in den nächsten Jahren ernsthaft untergraben. Während die Metropolen von einem Preiswettbewerb profitieren könnten, droht dem ländlichen Raum eine schleichende Isolation vom Hochgeschwindigkeitsnetz.Find more reporting in our Nachrichten section.