Das Kennedy Center in Washington hat den Namen von US-Präsident Donald Trump von seiner Fassade entfernt. Nach einer Entscheidung von Bundesrichter Christopher Cooper Ende Mai war die Umbenennung in „Trump Kennedy Center“ rechtswidrig, da nur der US-Kongress dieses Recht besitzt. Die Arbeiten wurden am Samstag, den 13. Juni 2026, abgeschlossen.
Sturm und Gerüste: Der Ablauf der Entfernung
Die Beseitigung des Schriftzugs verlief unter Zeitdruck und widrigen Wetterbedingungen. Nachdem der Name bereits Anfang der Woche von der offiziellen Website gelöscht worden war, wurde am Freitagvormittag ein Baugerüst an der Marmorfassade errichtet. Laut Berichten von Spiegel verzögerten schwere Gewitter die Arbeiten, da sie ein Sicherheitsrisiko für die Arbeiter darstellten. Dies führte dazu, dass die Leitung des Zentrums kurz vor Ablauf der Mitternachtsfrist eine Verlängerung um zwölf Stunden beantragte.


Die eigentliche Demontage der Buchstaben erfolgte hinter einer blickdichten Plane, was die Sicht auf das Ergebnis bis zum Abschluss der Arbeiten versperrte. Währenddessen entwickelte sich vor dem Gebäude in Washington ein öffentliches Spektakel: Eine Menschenmenge versammelte sich, um die Bauarbeiter anzufeuern. Die ZEIT berichtet, dass dieser Vorgang zunächst live auf YouTube übertragen wurde.
Neben der Fassade wurden sämtliche Referenzen auf den Präsidenten aus der institutionellen Kommunikation getilgt. Ein Vertreter des Zentrums bestätigte in einem Gerichtsdokument, dass Bezeichnungen wie „Trump Kennedy Center“ oder „Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ nicht nur von der Website, sondern auch aus E-Mail-Signaturen, Briefköpfen, Pressemitteilungen und Verträgen entfernt wurden.
Die rechtliche Grundlage: Warum der Name weichen musste
Der Kern des Rechtsstreits lag in der Kompetenzfrage der Namensgebung. Bundesrichter Christopher Cooper entschied Ende Mai, dass die Hinzufügung des Namens Trump rechtswidrig war. Die Begründung des Gerichts ist eindeutig: Allein der US-Kongress besitzt die rechtliche Befugnis, den Namen der Kultureinrichtung zu ändern.
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Diese rechtliche Besonderheit ergibt sich aus dem Status des Kennedy Centers als föderale Institution. Das Zentrum wurde durch ein Gesetz des Kongresses geschaffen und ist als „lebendes Denkmal“ (Living Memorial) konzipiert. Da die Benennung im ursprünglichen Gründungsgesetz verankert ist, können weder der Vorstand noch die Exekutive eigenmächtig Änderungen an der offiziellen Bezeichnung vornehmen, ohne dass eine entsprechende gesetzliche Änderung durch das Parlament erfolgt.
Der vom Präsidenten kontrollierte Vorstand hatte versucht, die Entscheidung in letzter Minute zu Fall zu bringen. Wie Deutschlandfunk Kultur schildert, stimmte der Vorstand dafür, die Aussetzung des Urteils zu beantragen. Ein Eilantrag zur Stoppung der Entfernung wurde jedoch abgelehnt. Auch ein späterer Gang vor ein Berufungsgericht brachte keinen Erfolg; die Anordnung zur Entfernung blieb bestehen.
Kulturkampf im Potomac: Trumps Übernahme des Zentrums
Die Umbenennung war Teil einer umfassenderen Strategie zur Neuausrichtung der Institution. Kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 ersetzte Trump die Führung des Zentrums durch einen von ihm ausgewählten Vorstand, der ihn anschließend selbst zum Vorsitzenden ernannte.
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Dieser Schritt war nicht nur formaler Natur, sondern Ausdruck eines ideologischen Programms. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Trump einen Kampf gegen sogenannte „anti-amerikanische Propaganda“ in der Kulturwelt angekündigt hatte. Um diese Neuausrichtung voranzutreiben, beauftragte er vorübergehend seinen Vertrauten Richard Grenell.
Die Strategie sah vor, die künstlerische Ausrichtung des Zentrums an den Werten der Administration anzupassen. Die Ernennung von Grenell diente dabei als Instrument, um die institutionelle Struktur schnell zu transformieren und die Führungsebene mit loyalen Personen zu besetzen. Die Reaktion des US-Präsidenten auf die gerichtliche Niederlage war laut Medienberichten extrem verärgert. Die Umbenennung im Dezember war nur ein Beispiel für die massiv zugenommene Präsenz seines Namens und Bildnisses im öffentlichen Raum seit Beginn seiner zweiten Amtszeit.
Boykotte und institutionelle Folgen
Die politische Instrumentalisierung des Kennedy Centers löste eine tiefe Spaltung in der US-Kulturszene aus. Viele Amerikaner werteten die personelle Neubesetzung und die Namensänderung als direkten Angriff auf die amerikanische Kultur. Die Folgen waren unmittelbar und materiell spürbar:
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- Zahlreiche Künstler sagten geplante Auftritte im Center ab.
- Berater und hochrangige Verantwortliche legten ihre Ämter nieder.
- Die internationale Reputation der Einrichtung als prestigeträchtiger Ort für Theater, Tanz und Musik wurde beschädigt.
Dieser Konflikt verdeutlicht die Spannung zwischen der Exekutive und den staatlichen Kulturinstitutionen der USA. Während das Zentrum traditionell eine gewisse künstlerische Autonomie genoss, führte die direkte Einmischung des Präsidenten zu einer Krise der Glaubwürdigkeit, die über die bloße Namensfrage hinausging.
Das Kennedy Center, das 1971 eröffnet wurde, ist nach dem ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy (1917–1963) benannt. Die kurzzeitige Umbenennung rührt an der Identität einer Institution, die traditionell als überparteiliches Symbol für die Künste gilt. Dass die Justiz nun die ursprüngliche Benennung wiederhergestellt hat, beendet zwar den physischen Streit um die Fassade, lässt aber die tiefen Gräben zwischen der Exekutive und der Kulturwelt bestehen.
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