Der Milliarden-Gewinn der AHV und seine Treiber
Der Milliarden-Gewinn der AHV und seine Treiber
Die AHV schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einer beachtlichen finanziellen Performance ab. Das Betriebsergebnis beläuft sich auf 4,4 Milliarden Franken, wobei die Einnahmen die Ausgaben bereits vor Berücksichtigung der Kapitalerträge um 1,8 Milliarden Franken überstiegen. Damit setzt sich ein Trend fort: Zum fünften Mal in Folge verzeichnet die Versicherung ein positives Ergebnis, wenn man das Anlageergebnis ausklammert. Insgesamt belief sich das AHV-Kapital Ende 2025 auf 60,4 Milliarden Franken.
Dieser finanzielle Puffer ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Kombination aus Marktdynamik und politischer Steuerung. Laut dem Ausgleichsfonds Compenswiss trug vor allem die gute Performance an den Finanzmärkten bei, insbesondere in den Bereichen Aktien, Gold und Wechselkurseffekte, was zu einer Nettorendite von 6,34 Prozent führte.
Neben den Märkten griffen gezielte Reformen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer durch die Steuerreform und AHV-Finanzierung (Staf) im Jahr 2020 um 0,3 Prozentpunkte sowie die weitere Anhebung um 0,4 Prozentpunkte im Rahmen der AHV-Reform 21 ab 2024 schufen eine solidere Basis. Zusätzlich wirkt sich die seit 2025 schrittweise Anhebung des Rentenalters für Frauen positiv auf die Bilanz aus.
Demografischer Druck und Export-Renten
Während die Kassen stimmen, steigen die Bezieherzahlen kontinuierlich. Das Bundesamt für Statistik (BFS) berichtet, dass die Zahl der Altersrenten im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent gestiegen ist. Insgesamt wurden 2,64 Millionen Altersrenten und 229.600 Hinterlassenenrenten ausgezahlt. Damit belief sich die Gesamtzahl der Renten Ende 2025 auf rund 2,91 Millionen.
Interessant ist die Entwicklung der Rentenempfänger im Ausland. Rund ein Drittel aller Renten fließt an Personen mit Wohnsitz außerhalb der Schweiz. Seit 2001 hat sich die Zahl dieser Bezieher mehr als verdoppelt.
Die Verteilung dieser Export-Renten zeigt eine starke regionale Konzentration:
Die Ursachen für diesen Anstieg liegen primär in der demografischen Struktur und einer steigend Lebenserwartung, was die AHV langfristig vor Herausforderungen stellt, auch wenn die aktuellen Zahlen einen Optimismus suggerieren.
Die IV als finanzielles Sorgenkind
Im krassen Gegensatz zur AHV steht die Invalidenversicherung (IV). Während die AHV Gewinne einfährt, schließt die IV mit einem negativen Betriebsergebnis von 213 Millionen Franken ab. Das Umlageergebnis liegt mit minus 209 Millionen Franken ebenfalls im roten Bereich. Besonders alarmierend ist die Schuldenlast: Die IV schuldet der AHV satte 10,28 Milliarden Franken.
Die Ausgaben der IV belaufen sich auf fast 11 Milliarden Franken für rund 472.000 Leistungsbeziehende. Ein besorgniserregender Trend zeigt sich bei den Neuanmeldungen. Waren es im Jahr 2014 noch 47.300 Fälle, stieg diese Zahl bis 2025 auf 70.700 an.
Die Gründe für die Rentenzusprachen sind vielfältig, wobei psychische Erkrankungen die dominierende Rolle spielen:
Neben gesundheitlichen Einschränkungen führen laut Jahresbericht auch politische Entscheidungen und Anpassungen in der Rechtsprechung zu der steigenden Zahl an Beziehern. Angesichts dieser Entwicklung plant Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider eine neue IV-Revision.
Die 13. Rente und die Kostenfrage

Trotz des aktuellen Gewinns steht der AHV ein kostspieliger Meilenstein bevor. Im Dezember wird zum ersten Mal die 13. AHV-Rente ausgezahlt. Die jährlichen Kosten für diese Maßnahme werden auf 4,2 bis 5 Milliarden Franken geschätzt. Damit wird ein erheblicher Teil des aktuellen Überschusses absorbiert.
Die Finanzierung dieser Zusatzrente ist derzeit ein politischer Brennpunkt. Das Parlament muss in der kommenden Sommersession entscheiden, wie die Mittel beschafft werden sollen.
Scheitert Finanzierung, werden Lohnbeiträge erhöht.
Elisabeth Baume-Schneider, Sozialministerin
Während die AHV und die IV im Fokus der Debatten stehen, präsentiert sich die Erwerbsersatzordnung (EO) als das stabilste Element des Systems. Die EO verbuchte einen Betriebsgewinn von 305 Millionen Franken und ein positives Umlageergebnis von 179 Millionen Franken, bei Leistungen in Höhe von 23,1 Milliarden Franken.
Insgesamt stiegen die Einnahmen aus den drei Sozialversicherungsbeiträgen um 1,4 Prozent. Die aktuelle Situation zeigt ein zweigeteiltes Bild: Eine finanziell robuste Altersvorsorge, die jedoch vor massiven neuen Ausgaben steht, und eine Invalidenversicherung, die strukturell und finanziell unter Druck gerät. Die kommenden Monate, insbesondere die Entscheidung des Parlaments zur Finanzierung der 13. Rente, werden entscheiden, ob die AHV ihren aktuellen Aufwind beibehalten kann oder ob neue Beitragssteigerungen unumgänglich werden.