US-Militär hat am Dienstag, den 26. Mai 2026, Ziele im Süden des Irans angegriffen, darunter Raketenstellungen und Boote in der Straße von Hormus. Während die USA die Einsätze als Schutzmaßnahmen bezeichnen, melden iranische Medien Opfer und Explosionen in der Nähe von Bandar Abbas, während in Katar diplomatische Friedensgespräche unter höchster Spannung stehen.
Angriffe in der Straße von Hormus und bei Bandar Abbas
cluster (priority): DIE ZEIT
Die militärische Lage im Persischen Golf hat sich erneut verschärft. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (Centcom) richteten sich die jüngsten Operationen gegen Raketenabschussrampen sowie gegen Boote, die versuchten, Minen in der strategisch wichtigen Meerenge zu verlegen. Das US-Militär bezeichnete diese Operationen als
Selbstverteidigungsmaßnahmen
, um die eigenen Truppen vor Bedrohungen durch iranische Kräfte zu schützen. Trotz der geltenden Waffenruhe, die seit Anfang April besteht, betonte Centcom, dass man sich im Rahmen der aktuellen Lage grundsätzlich „zurückhaltend“ verhalte.
Die iranische Seite zeichnet jedoch ein deutlich düstereres Bild der Ereignisse. In der südlichen Küstenstadt Bandar Abbas kam es zu heftigen Erschütterungen. Laut Berichten iranischer Medien gab es nach einem US-Angriff im Bereich der Insel Larak in der Straße von Hormus mehrere Tote. Die USA machten zu diesen möglichen Opfern bislang keine Angaben.
Die Instabilität in dieser Region ist kein neues Phänomen. Bereits Anfang Mai kam es zu gegenseitigen Angriffen, bei denen der Iran US-Militärschiffe mit Raketen und Schnellbooten attackierte. Die aktuellen Schläge zeigen, dass die fragile Ruhe in der Meerenge jederzeit durch gezielte militärische Aktionen unterbrochen werden kann.
Diplomatischer Drahtseilakt in Katar
cluster (priority): Der Standard
Parallel zu den militärischen Schlägen versuchen Diplomaten in Katar, einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden. Eine hochrangige iranische Delegation, angeführt vom Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf, ist derzeit in dem Golfstaat, um über die Bedingungen eines dauerhaften Abkommens zu verhandeln.
US-Außenminister Marco Rubio, der sich während eines Besuchs in Indien zu den Entwicklungen äußerte, hält ein Abkommen trotz der jüngsten Eskalation weiterhin für möglich. Er wies jedoch darauf hin, dass die Abstimmung über die genauen Formulierungen des ersten Abkommens noch einige Tage in Anspruch nehmen könnte. Rubio betonte in einem Interview mit
DIE ZEIT
, dass die Straße von Hormus unter allen Umständen offen bleiben müsse. Er bezeichnete das iranische Vorgehen in der Meerenge als rechtswidrig und untragbar. Dennoch bleibt die politische Richtung in Washington unvorhersehbar. US-Präsident Donald Trump schwankte in den letzten Tagen zwischen Optimismus und Skepsis. Während er am Samstag noch von einer „weitgehend ausgehandelten“ Vereinbarung sprach, mahnte er am Sonntag zur Vorsicht und verbot eine „übereilte“ Entscheidung. Seine aktuelle Position lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Er wird entweder einen guten Deal abschließen – oder gar keinen.
Das Dilemma des angereicherten Urans und eingefrorener Gelder
Krieg in Nahost: USA und Iran beschießen sich in Straße von Hormus
Zwei massive Streitpunkte drohen die Verhandlungen in Katar zu scheitern: das iranische Nuklearprogramm und die finanzielle Entschädigung Teherans. Ein zentraler Punkt ist der Umgang mit etwa 400 Kilogramm hochangereichertem Uran. Präsident Trump hat klare Forderungen gestellt: Entweder das Material werde „sofort“ an die USA übergeben und dort zerstört, oder es müsse in Zusammenarbeit mit dem Iran an einem anderen Ort vernichtet werden.
Neben der nuklearen Frage steht eine enorme Summe im Raum. Laut Berichten der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim geht es um die Freigabe von eingefrorenen Vermögenswerten. Die iranische Seite fordert, dass
die Hälfte von insgesamt 24 Milliarden Dollar
unmittelbar mit Inkrafttreten eines Rahmenabkommens zur Verfügung gestellt wird. Die verbleibenden Mittel müssten innerhalb einer 60-Tage-Frist überwiesen werden.
Diese Forderung nach
der Freigabe von Vermögenswerten in Höhe von 24 Milliarden Dollar
verdeutlicht, dass die Verhandlungen nicht nur eine Sicherheitsfrage, sondern auch eine massive ökonomische Auseinandersetzung sind. Wie viel dieser Mittel tatsächlich realisierbar ist, bleibt aufgrund unterschiedlicher Schätzungen über den Wert eingefrorener Immobilien und Ölgeschäfte unklar.
Regionale Eskalation: Libanon und die Drohungen aus Teheran
cluster (priority): news.google.com
Während die Welt auf die Verhandlungen in Katar blickt, weitet sich der Konflikt an anderen Fronten aus. In Israel hat Premierminister Benjamin Netanjahu angekündigt, die Angriffe auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon zu verstärken. Er erklärte in einem Video, Israel befinde sich in einem Krieg mit der Hisbollah und das Ziel sei es, die Miliz zu „zerschlagen“. Die israelischen Streitkräfte meldeten bereits Angriffe auf Ziele in der Bekaa-Ebene.
Aus Teheran kommen derweil deutliche Drohungen. Der oberste iranische Führer Ayatollah Modschtaba Chamenei warnte die USA auf seinem Telegram-Kanal vor den Folgen ihrer Politik. Er erklärte, dass sich die USA nicht mehr auf den Schutz ihrer Militärstützpunkte durch die Golfstaaten verlassen könnten.
Es werde für die USA in der Region keinen sicheren Hafen mehr geben.
Die politische Unsicherheit wird durch die Person des Chamenei zusätzlich verstärkt. Seit seiner Ernennung als Nachfolger seines Vaters, der zu Beginn des Krieges getötet wurde, ist er öffentlich kaum in Erscheinung getreten. Es gibt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand, nachdem er selbst verletzt worden sein soll. Diese personelle Ungewissheit an der Spitze der Islamischen Republik verleiht der aktuellen Eskalationsspirale eine zusätzliche, unberechenbare Komponente.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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