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Schweizer KMUs nutzen KI kaum – Wachstumseffekt bleibt aus

Laut einer Studie von TI&M und der Hochschule Luzern nutzen Schweizer Unternehmen KI seit Anfang 2026 vor allem in risikoarmen Bereichen wie Marketing und Kundenservice – Umsatzwachstum durch KI bleibt aber weiterhin begrenzt, während die Technologie in Produktion und Logistik kaum eingesetzt wird.

KI als Effizienzwerkzeug, aber kein Wachstumstreiber

Künstliche Intelligenz (KI) hat die Schweizer Wirtschaft erreicht, doch ihr Einfluss auf das Umsatzwachstum bleibt bescheiden. Eine aktuelle Studie von TI&M und der Hochschule Luzern zeigt: Rund 55 Prozent der Unternehmen haben KI bereits in ihre Prozesse integriert, doch die meisten setzen sie nur punktuell und in Bereichen mit geringem Risiko ein, etwa im Marketing, Kundenservice oder bei Text- und Chatbot-Anwendungen. In strategisch zentralen Abteilungen wie Produktion, Logistik oder Finance ist der Einsatz dagegen noch selten.

„Die KI-Reife hängt weniger von der Branche als von der Unternehmensgröße ab“, heißt es in der Studie. Große Unternehmen sind bei der strategischen Verankerung von KI deutlich weiter als kleine und mittlere Betriebe (KMU). Während Grossunternehmen bereits komplexe Anwendungen und Governance-Strukturen etablieren, agieren viele KMU noch als Nachzügler. Laut der Studie erwarten die Unternehmen zwar in den nächsten drei bis fünf Jahren eine stärkere Verbreitung von KI, doch konkrete Effekte auf die Produktivität oder das Umsatzwachstum sind bisher nicht messbar.

Produktivitätsschub durch KI bleibt aus – oder kommt erst noch?

Während die Schweiz im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung gut dasteht, zeigt sich beim Einsatz von KI ein gemischtes Bild. Laut einer Analyse des KOF-Instituts der ETH Zürich steht der Schweizer Arbeitsmarkt vor zwei gegensätzlichen Entwicklungen: Einerseits führt die Einführung von KI-Sprachmodellen in exponierten Branchen zu Jobverlusten, andererseits verschärft der demografische Wandel den Fachkräftemangel. Die Technologie könnte zwar die Produktionslücke schließen, die durch die Überalterung der Bevölkerung entsteht, doch die Umsetzung bleibt zögerlich.

Eine Studie der Implement Consulting Group, in Auftrag gegeben von Google und digitalswitzerland, prognostiziert, dass eine konsequentere Nutzung von KI der Schweizer Wirtschaft einen jährlichen Wachstumsschub von bis zu 15 Milliarden Schweizer Franken bescheren könnte. Doch diese Potenziale werden bisher nur ansatzweise gehoben. Laut einer Umfrage von Deloitte planen viele Unternehmen zwar, Stellen zu streichen und durch KI zu ersetzen, doch die konkreten Investitionen in die Technologie bleiben hinter den Erwartungen zurück.

„Die meisten Firmen nutzen KI noch nicht als strategischen Hebel, sondern als Werkzeug für Effizienzsteigerungen“, sagt eine Sprecherin von Deloitte Schweiz. „Die größten Hürden sind nicht die technologischen, sondern die organisatorischen und kulturellen.“ Viele Unternehmen scheitern an der Integration von KI in bestehende Prozesse oder an der Qualifikation der Mitarbeiter.

Arbeitsmarkt: KI als Jobkiller oder Rettungsanker?

Die Debatte um die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt ist in der Schweiz so kontrovers wie in anderen Industrienationen. Während einige Experten vor Massenarbeitslosigkeit warnen, sehen andere in der Technologie eine Chance, den Fachkräftemangel zu lindern. Eine aktuelle Studie von Raiffeisen zeigt, dass die Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten wie Teamarbeit, analytischem Denken und selbstständigem Arbeiten deutlich steigt – Fähigkeiten, die von KI nicht ersetzt werden können.

„KI wird nicht alle Jobs vernichten, aber sie wird die Art und Weise, wie wir arbeiten, grundlegend verändern“, sagt Marc Leutenegger, Autor einer Studie von Swissinfo.

Laut dem aktuellen Job Index der Adecco Group stabilisiert sich der Schweizer Arbeitsmarkt zwar leicht, doch die Unsicherheit bleibt hoch. Viele Unternehmen nutzen die KI-Revolution, um Lohnkosten zu senken, statt in Innovation zu investieren. Eine Deloitte-Umfrage zeigt, dass rund 40 Prozent der befragten Firmen in den nächsten zwei Jahren Stellen streichen wollen – ein Zeichen dafür, dass die Technologie bisher eher als Kostensenker denn als Wachstumsmotor wahrgenommen wird.

Was kommt als Nächstes? Drei Szenarien für die Schweiz

Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob die Schweiz den Anschluss an die internationale KI-Entwicklung schafft oder ob sie weiterhin im Aufholmodus bleibt.

  1. Der Durchbruch: Wenn Unternehmen ihre Investitionen in KI deutlich erhöhen und die Technologie strategisch einsetzen, könnte die Schweiz ihre Produktivität steigern und neue Märkte erschließen. Laut der Implement-Studie wäre ein jährlicher Wirtschaftsschub von 15 Milliarden Franken möglich – vorausgesetzt, die Integration gelingt.
  2. Der Stillstand: Sollten die meisten Firmen KI weiterhin nur punktuell und ohne klare Strategie nutzen, bleibt der Einfluss auf die Wirtschaft begrenzt. Die Schweiz könnte dann zwar digitalisiert, aber nicht wettbewerbsfähiger werden.
  3. Der Abstieg: Wenn die Technologie vor allem zur Kostensenkung genutzt wird, ohne in Innovation oder Weiterbildung zu investieren, droht ein Rückgang der Arbeitsplätze und eine Verschärfung des Fachkräftemangels.

Die Entscheidung liegt nun bei den Unternehmen, der Politik und den Arbeitnehmenden. Während der Bundesrat und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erste Schritte zur Förderung von KI-Innovationen gehen, bleibt abzuwarten, ob die Schweiz die Chancen der Technologie nutzt – oder ob sie im internationalen Vergleich weiter an Bedeutung verliert.

Eines ist jedoch klar: Die KI-Revolution hat erst begonnen. Ob sie die Schweizer Wirtschaft rettet oder ins Chaos stürzt, hängt davon ab, wie schnell und wie weitsichtig die Akteure handeln.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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