Der Oberste Gerichtshof von South Carolina hat am Mittwoch, den 13. Mai 2026, die Mordverurteilungen gegen den ehemaligen Anwalt Alex Murdaugh aufgehoben. In einem einstimmigen 5:0-Beschluss ordnete das Gericht einen neuen Prozess an, da die Einflussnahme der Gerichtsschreiberin Becky Hill die Fairness des ersten Verfahrens beeinträchtigt habe. Die zwei lebenslangen Haftstrafen wurden aufgehoben.
Die Entscheidung des höchsten Gerichts von South Carolina markiert eine dramatische Wendung in einem der am stärksten medial begleiteten Kriminalfälle der jüngeren US-Geschichte. Mit der Aufhebung der Verurteilungen wegen des Mordes an seiner Frau Maggie und seinem Sohn Paul wird das Verfahren gegen Alex Murdaugh erneut aufgerollt. Die Richter begründeten diesen Schritt mit einer schwerwiegenden Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren.
Die Rolle von Becky Hill und der Vorwurf der Beeinflussung
Im Zentrum der Entscheidung steht das Verhalten von Becky Hill, der Gerichtsschreiberin des Countys. Der Oberste Gerichtshof kam zu dem Schluss, dass Hill eine unzulässige externe Wirkung auf die Jury ausgeübt habe. Die Richter sahen darin eine Manipulation des Justizprozesses, die nicht ignoriert werden könne.
Obwohl wir uns der Zeit, des Geldes und der Anstrengungen bewusst sind, die in diesen langwierigen Prozess geflossen sind, haben wir keine andere Wahl, als die Ablehnung von Murdaughs Antrag auf ein neues Verfahren aufgrund von Hills unzulässigen externen Einflüssen auf die Jury aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung zurückzuverweisen.
Oberster Gerichtshof von South Carolina
In der schriftlichen Begründung des 5:0-Urteils hieß es zudem, Hill habe ihre Finger in die Waagschale der Justiz gelegt
und Murdaugh damit sein Recht auf ein faires Verfahren vor einer unparteiischen Jury verwehrt
.
Finanzstraftaten sichern den weiteren Verbleib in Haft
Trotz der Aufhebung der Mordurteile und der damit verbundenen lebenslangen Haftstrafen wird Alex Murdaugh nicht aus dem Gefängnis entlassen. Die juristische Situation des ehemaligen Anwalts bleibt aufgrund einer Vielzahl anderer Verurteilungen prekär. Murdaugh hat sich in Dutzenden von Finanzstraftaten schuldig bekannt, was zu erheblichen Haftstrafen führte.
Aktuell verbüßt er konkurrierende Strafen auf staatlicher und bundesstaatlicher Ebene. Die staatliche Strafe beträgt 27 Jahre, während die bundesstaatliche Verurteilung eine Haftzeit von 40 Jahren vorsieht. Diese Urteile bleiben von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Bezug auf die Mordfälle unberührt.
Strategische Reaktionen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung
Die Reaktion der beteiligten Parteien verdeutlicht die gegensätzlichen Einschätzungen der Rechtslage. Generalstaatsanwalt Alan Wilson betonte, dass sein Büro das Ziel verfolgen werde, Murdaugh erneut für die Morde an Maggie und Paul vor Gericht zu bringen.
Obwohl wir mit der Entscheidung des Gerichts respektvoll nicht übereinstimmen, wird mein Büro aggressiv versuchen, Alex Murdaugh so schnell wie möglich erneut für die Morde an Maggie und Paul anzuklagen.
Alan Wilson, Generalstaatsanwalt von South Carolina
Auf der Gegenseite bewerteten die Verteidiger von Murdaugh, Dick Harpootlian und Jim Griffin, das Urteil als Sieg für die Rechtsstaatlichkeit. In einer gemeinsamen Erklärung hießen sie die Entscheidung willkommen und erklärten, dass das Urteil bestätige, dass die Regel des Rechts in South Carolina stark bleibt
. Die Verteidigung gab an, einem neuen Prozess entgegenzusehen, der in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Richtlinien des Obersten Gerichtshofs geführt werde.
Die Vorgeschichte der Morde von Juni 2021
Der Fall geht zurück auf den Juni 2021, als Maggie und Paul Murdaugh tot aufgefunden wurden. Die Ermittlungen führten schließlich zu der Verurteilung von Alex Murdaugh, einem einst einflussreichen Anwalt in seinem Bezirk. Das ursprüngliche Verfahren endete mit zwei lebenslangen Haftstrafen, die nun durch den aktuellen Beschluss hinfällig sind.
Die Aufhebung der Urteile wirft neue Fragen über die Integrität des ersten Prozesses auf und stellt die Staatsanwaltschaft vor die Herausforderung, die Beweisführung in einem neuen Verfahren ohne die nun als problematisch eingestuften Einflüsse der Gerichtsschreiberin zu präsentieren. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Anklage den neuen Prozess einleiten kann und ob die Beweislast unter den geänderten prozessualen Voraussetzungen erneut zu einer Verurteilung führen wird.