Bremen ist aufgeschreckt. Wer in den letzten Wochen durch die Straßen von Walle, der Neustadt oder Obervieland gegangen ist, spürte eine greifbare Unruhe. Eine Serie von Schusswaffenangriffen, bei denen die Täter mit fast chirurgischer Kälte gezielt auf die Beine ihrer Opfer schossen, versetzte die Stadt in Angst. Jetzt gibt es einen Durchbruch: Die Polizei hat zwei Männer identifiziert, die im dringenden Verdacht stehen, hinter dieser Gewaltserie zu stecken. Die Jagd nach den flüchtigen Verdächtigen läuft auf Hochtouren.
Gesichter der Fahndung: Wer sind Sönmez und Kocakelci?
Die Behörden haben nicht mehr lange gewartet. Mit der Veröffentlichung von Fahndungsfotos hofft die Polizei Bremen auf die Mithilfe der Bevölkerung. Bei den Gesuchten handelt es sich um zwei türkische Staatsangehörige. Der 35-jährige Osman Sönmez ist etwa 1,80 Meter groß und wiegt rund 90 Kilogramm. Die Ermittler warnen ausdrücklich: Sönmez hat in der Vergangenheit mehrfach sein äußeres Erscheinungsbild verändert, um unerkannt zu bleiben. Neben ihm wird der 39-jährige Ferhat Kocakelci gesucht. Er ist mit etwa 1,69 Metern deutlich kleiner, hat schwarzes, schütteres Haar und trug zuletzt einen Vollbart.
Die Polizei lässt keinen Raum für Fehlinterpretationen: Beide Männer gelten als gefährlich und sind bewaffnet. Wer die beiden sieht, darf sie unter keinen Umständen ansprechen. Die Anweisung ist klar: Sofort den Notruf 110 wählen und die Beamten die Arbeit machen lassen. Es geht hier nicht mehr nur um eine Ermittlung im stillen Kämmerlein, sondern um eine akute Gefahrenabwehr im öffentlichen Raum.
Ein Monat voller Gewalt: Die Chronologie der Angriffe
Das Muster der Taten war erschreckend konsistent. Die Angreifer zogen auf offener Straße die Waffe, zielten auf die Beine ihrer Opfer und verschwanden ebenso schnell, wie sie aufgetaucht waren. Diese Taktik lässt auf eine gezielte Absicht schließen, die Opfer zu markieren oder zu schwächen, ohne sie zwingend sofort zu töten – auch wenn dies im März einesfalls misslang.
- 1. März, 17:25 Uhr: In der Überseestadt/Huckelriede wird ein 43-Jähriger in beide Beine geschossen.
- 1. März, 23:20 Uhr: Nur wenige Stunden später erleidet ein 42-Jähriger in Walle/Neustadt eine Schusswunde im Fuß.
- 17. März: Die Serie eskaliert in der Neustadt. Ein 32-Jähriger stirbt an seinen Verletzungen.
- 28. März: Erneut schlägt die Gewalt in der Neustadt zu; ein 25-Jähriger wird in beide Beine getroffen.
- 31. März: Im Ortsteil Kattenturm (Obervieland) erleidet ein 60-Jähriger Schusswunden in beiden Beinen.
Soko „Fokus“ und die Spur nach Niedersachsen
Um dieser Gewalt Einhalt zu gebieten, richtete die Polizei die Sonderkommission „Fokus“ ein. Die Experten arbeiteten rund um die Uhr und kombinierten verschiedene Ermittlungsansätze. Dieser Einsatz zahlte sich aus. Am vergangenen Donnerstag stießen die Spezialkräfte zu einem massiven Schlag: Sie durchsuchten mehrere Wohnungen in Bremen und im benachbarten Bundesland Niedersachsen.
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Aus ermittlungstaktischen Gründen hielten sich die Beamten bei den genauen Standorten bedeckt. Doch das Ergebnis ist eindeutig: Die Polizei konnte „relevante Beweismittel“ beschlagnahmen. Diese Funde halfen den Ermittlern, die Hintergründe der Taten weiter aufzuklären und die Zusammenhänge besser einzuordnen. Die Identifizierung von Sönmez und Kocakelci ist das direkte Resultat dieser intensiven Jagd.
Persönliche Rache oder organisierte Kriminalität?
Die große Frage bleibt das Motiv. Polizeisprecher Nils Matthiesen betonte, dass die Täter nicht wahllos auf Passanten geschossen haben. Vielmehr deutet alles auf persönliche Motive hin. Dennoch lässt die Polizei die Tür zu komplexeren Hintergründen nicht ganz zu. Clan- oder Drogenkriminalität sind als mögliche Auslöser nicht ausgeschlossen.
Interessante Details lieferten Recherchen von „buten un binnen“ im Umfeld der Opfer. Dort tauchte der Name der „Daltons“ auf – eine international vernetzte, extrem gewaltbereite Gruppierung aus der Türkei, die für Schutzgelderpressungen und gezielte Schüsse bekannt ist. Die Polizei Bremen dämpfte diese Theorie jedoch: Bisher liegen keine Erkenntnisse vor, dass diese Gruppe in der Hansestadt aktiv ist oder Einfluss ausübt. Es bleibt also ein Spannungsfeld zwischen der Vermutung einer lokalen Auseinandersetzung und dem Schatten internationaler Banden.
Bremens Innensenatorin Dr. Eva Högl (SPD) reagierte mit einer klaren Ansage. Sie dankte der Soko „Fokus“ für den schnellen Erfolg und stellte klar, dass Gewalt auf offener Straße in ihrer Stadt keinen Platz habe. Die Taten würden mit aller Konsequenz verfolgt werden, um die Sicherheit in den betroffenen Stadtteilen wiederherzustellen.
Wer sind die gesuchten Personen genau?
Gesucht werden der 35-jährige Osman Sönmez (ca. 1,80 m, 90 kg, dunkle Haare, verändert oft sein Aussehen) und der 39-jährige Ferhat Kocakelci (ca. 1,69 m, schwarzes schütteres Haar, zuletzt Vollbart). Beide sind türkische Staatsangehörige und gelten als gefährlich.
Warum zielt die Polizei auf Niedersachsen?
Im Rahmen der Ermittlungen der Soko „Fokus“ wurden Wohnungen sowohl in Bremen als auch in Niedersachsen durchsucht. Dort wurden relevante Beweismittel sichergestellt, die zur Identifizierung der Tatverdächtigen und zur Aufklärung der Hintergründe führten.
Könnten die Angriffe Teil eines größeren Bandenkriegs sein?
Während die Polizei primär von persönlichen Motiven ausgeht und Clan-Kriminalität nicht völlig ausschließt, gibt es journalistische Hinweise auf die türkische Gruppierung „Daltons“. Die Polizei Bremen hat jedoch bisher keine Belege dafür, dass diese Organisation in Bremen aktiv ist.
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