Am 15. Oktober 2026 treffen FIFA-Präsident Gianni Infantino und seine europäischen Kritiker beim FIFA-Council in Zürich erstmals seit den gescheiterten Reformplänen für die Weltmeisterschaft aufeinander. Die von UEFA-Vertretern angeführte Opposition fordert den Sturz des Schweizers bei der kommenden Wahl im März 2027 in Marokko.
Das Treffen im Zürcher Hauptquartier und die Fronten im Weltverband
Im Keller der imposanten FIFA-Zentrale in Zürich kommt das 37-köpfige Council zu einer richtungsweisenden Sitzung zusammen. Es ist das erste persönliche Aufeinandertreffen seit den gescheiterten Plänen zur externen WM-Vermarktung. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) und die nord- und mittelamerikanische Konföderation (Concacaf) attackieren den Präsidenten seit Monaten hart.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und UEFA-Chef Aleksander Čeferin führen die Opposition an. Neuendorf hatte bei einem Treffen in Berlin klargestellt: Die Person, die an der Spitze steht und die in besonderer Weise dafür steht, wie die FIFA sich heute darstellt, muss aus unserer Sicht abgelöst werden
, so der DFB-Präsident, wie die Sportschau berichtete. Die Kritiker fordern grundlegende strukturelle Reformen.
Am Donnerstag um 11 Uhr morgens beginnt diese Sitzung des obersten Führungsgremiums zwischen den Kongressen. Dabei sitzen sich erstmals seit dem XXL-Turnier in Amerika die großen Streithähne Infantino und UEFA-Boss Čeferin mit seinem deutschen Verbündeten Neuendorf an einem Tisch gegenüber. Begleitet wird das Treffen von fünf Tagungsordnungspunkten mit Formalien und Berichten von Ausschüssen, bevor es unter Tagesordnungspunkt sechs um den umstrittenen Plan mit dem Namen FIFA Forward Enterprise geht. Dahinter versteckt sich die vom Schweizer mit US-Investoren im Alleingang vorangetriebene und milliardenschwere Idee einer WM-Vermarktung jenseits der Fußball-Institutionen.

Die Europäer könnten den Portugiesen Luís Figo als Čeferin-Kompagnon ins Spiel bringen. Doch besser, weil weltweit propagierbar, wäre es, einen Würdenträger von einem anderen Kontinent zu finden. Ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht, obwohl die UEFA nach ihrem Berlin-Gipfel Zuversicht versprühte und neue Namen kursieren – etwa Arsène Wenger, früherer Erfolgstagtrainer und inzwischen FIFA-Direktor, oder Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball.
Machtkonzentration, Reformforderungen und der Vorstoß der UEFA
Im Kern geht es um die künftige Verbandsführung. Die UEFA legte einen Forderungskatalog vor, der eine strikte Gewaltenteilung vorsieht. Demnach soll der nächste Präsident weitgehend repräsentative Aufgaben übernehmen, während die Geschäfte in der Administration und im Council geführt werden.
Als mögliche Symbolfiguren für ein reformiertes Modell brachte die Opposition Arsène Wenger oder Luís Figo ins Spiel. Uefa-Vizepräsidentin Laura McAllister betonte, dass der Präsident jeder sein könne aus jedem Teil der Welt. Neuendorf ist in dieser Debatte weit vorgeprescht und hat sich mit seiner klaren Kritik zu einer Art Sprecher des Uefa-Lagers gemacht.
Ebenfalls auf die Agenda gesetzt wurde von europäischen Kräften die Debatte über den FIFA-Friedenspreis, den Infantino im Dezember in einer Zeremonie an US-Präsident Donald Trump verlieh. Weitere Kritikpunkte der UEFA umfassen den geheimen Investorendeal und den aufsehenerregenden Balogun-Skandal, welcher ebenfalls im Council diskutiert werden soll.
Geld als Machtinstrument und neue Berichte über Nebeneinkünfte
Neben den Strukturfragen stehen auch finanzielle Vorwürfe im Raum. Berichte über ein meist leeres FIFA-Füro im Trump-Tower, das von der FIFA über Jahre in der 17. Etage gemietet wurde und Kosten von 470 000 Dollar pro Jahr verursacht, sowie ein angeblich verschwiegenes Gehalt für den Weltverbandsboss werfen neue Fragen auf. Laut Berichten soll Infantino 2024 neben seinem Jahressalär von 4,3 Millionen Schweizer Franken eine zusätzliche Zahlung von 1,7 Millionen Dollar erhalten haben – ausgezahlt von der FIFA-Tochtergesellschaft FWC2026 US Inc, die die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 ausgerichtet hat.

Gegenüber der US-Steuerbehörde IRS meldete FWC2026 US Inc zusätzlich diesen Betrag an Infantino. Die «Times» geht davon aus, dass er für 2025 und 2026 ähnliche oder höhere Beträge erhielt. Ein Sprecher des früheren Google-Chefs Eric Schmidt erklärte dazu, Infantino habe drei Jahre lang eine marktübliche Miete für ein Haus gezahlt, wobei die Beträge unter anderem sonstige meldepflichtige Vergütungen enthielten. Miguel Maduro, früherer Vorsitzender des FIFA-Governance-Komitees, ordnete den Vorgang als klaren Verstoss gegen die Statuten ein.
Zu den historischen Hintergrundfaktoren tragen die FIFA-Eruptionen der Jahre 2015 und 2016 bei, aufgedeckt durch eine amerikanische Anwaltskanzlei, als bekannt wurde, dass sich die FIFA-Chefetage über Jahre Bonuszahlungen zugeschoben hatte. Damals erhielt der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter Ende 2010 als Bonus 11 Millionen Franken, der Generalsekretär Jérôme Valcke 9 Millionen und der Finanzchef Markus Kattner 3 Millionen, während der Generalsekretär Mattias Grafström 2,6 Millionen verdiente.

Finanzzusagen und die offene Frist bis zum Kongress in Rabat
Um die Basis hinter sich zu schälen, agiert Infantino finanzpolitisch in die Offensive. Während die UEFA vorab mindestens 10 Millionen Dollar pro Verband forderte, will Infantino die Schatulle mit bis zu 25 Millionen Dollar pro Jahr und Verband öffnen, was einer Summe von rund 6,35 Milliarden Dollar (etwa 5,67 Milliarden Euro) entspricht.
Ob die europäische Opposition einen Gegenkandidaten aufbauen kann, bleibt offen. Die Nominierungsfrist für die Präsidentschaftswahl endet am 18. November 2026. Die Wahl selbst findet beim FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat in Marokko statt. Für Anfang November sind vorab eine Sitzung des Exekutivkomitees und ein weiteres Treffen aller 55 UEFA-Mitglieder geplant.
Ausserhalb Westeuropas und in Regionen wie Afrika oder auf einer Karibikinsel bleibt das Interesse an den Salärbestandteilen und der Trump-Tower-Miete indes überschaubar, da sich eine FIFA-Wahl letztlich nicht in Europa entscheidet.
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