Der Wettbewerb „Milky Way Photographer of the Year 2026“ hat 25 der spektakulärsten Aufnahmen unserer Galaxie gekürt, die unter den dunkelsten Nachthimmeln der Erde entstanden sind. Über 6.500 Einsendungen aus 15 Ländern gingen ein, darunter Bilder aus Chile, Neuseeland und der argentinischen Puna.
Ein Wettbewerb für die Sterne
Seit neun Jahren kuratiert der Reisefotografieblog „Capture the Atlas“ die besten Astrofotografien der Milchstraße. Die aktuelle Ausgabe des „Milky Way Photographer of the Year“ stellt eine Auswahl von 25 Bildern vor, die nicht nur technisch beeindruckend sind, sondern auch die Vielfalt der Orte zeigen, an denen die Galaxie noch in ihrer ganzen Pracht zu sehen ist. Die Fotografen reisten in Wüsten, Hochgebirge und abgelegene Küstenregionen, um Lichtverschmutzung zu meiden und die Milchstraße in ihrer ganzen Schönheit einzufangen.
Die Jury, bestehend aus den Kuratoren von Capture the Atlas und erfahrenen Astrofotografen, wählte Bilder aus, die durch ihre Komposition, Farbgebung und die Fähigkeit, das Universum erlebbar zu machen, überzeugen. Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Prozess, bei dem die technischen Metadaten der Dateien sowie die Original-RAW-Aufnahmen geprüft wurden, um die Authentizität der Himmelskörper sicherzustellen. Besonders hervorgehoben wurde die Aufnahme „Sodium Milky Way“ vom Very Large Telescope (VLT) in Chiles Atacama-Wüste, die unter außergewöhnlich klaren Bedingungen entstanden ist. Das Bild dokumentiert den Kontrast zwischen dem natürlichen Licht der Galaxie und dem künstlichen gelben Schein von Natriumdampflampen in der Umgebung des Observatoriums, das vom European Southern Observatory (ESO) betrieben wird. Auch die Magellanischen Wolken, die Große und Kleine Begleitgalaxie der Milchstraße, sind auf einigen Bildern zu sehen – ein Spektakel, das nur aus der Südhalbkugel sichtbar ist.
Die besten Motive der Milchstraße
Die Auswahl reicht von symmetrischen Kompositionen in der argentinischen Puna, wo Daniel Viñé Garcia die Milchstraße über einer Salzebene auf 3.500 Metern Höhe fotografierte, bis hin zu dramatischen Landschaften an Neuseelands Wairarapa Coast. Ein weiteres Highlight ist das Bild „Galactic Gandalf“ von Evan McKay, das eine mystische Atmosphäre durch die Kombination von Milchstraße und natürlichen Lichtreflexionen schafft.
Die Fotografen setzen auf moderne Technik, aber auch auf Geduld und Planung. Viele Aufnahmen entstanden nach monatelanger Vorbereitung, um die beste Position am Himmel und die klarsten Wetterbedingungen zu erwischen. Um die extremen Lichtverhältnisse zu bewältigen, nutzten viele der Gewinner Full-Frame-Sensoren in Kombination mit lichtstarken Weitwinkelobjektiven (oft im Bereich von 14mm bis 24mm mit einer Blendenöffnung von f/1.8 oder f/2.8). Um Sternspuren zu vermeiden und die Details des galaktischen Zentrums scharf abzubilden, kamen bei mehreren preisgekrönten Werken Sternenspur-Tracker (Star Trackers) zum Einsatz, die die Erddrehung ausgleichen und Belichtungszeiten von mehreren Minuten ermöglichen. Zur Rauschreduzierung setzten die Künstler auf das „Stacking“-Verfahren, bei dem mehrere Einzelaufnahmen mit Software wie Sequator oder Starry Landscape Stacker zu einem rauscharmen Gesamtbild kombiniert werden. Die Bilder zeigen nicht nur die Milchstraße, sondern auch die Erde in ihrer ganzen Einzigartigkeit – von schneebedeckten Bergen bis zu einsamen Stränden.
Warum diese Aufnahmen beeindrucken
Die Milchstraße ist nicht nur ein astronomisches Objekt, sondern auch ein Symbol für die Verbindung zwischen Mensch und Kosmos. Die Fotografien des Wettbewerbs zeigen, wie die Galaxie durch ihre leuchtenden Spiralarme und den zentralen Bulge eine fast greifbare Präsenz hat. Gleichzeitig machen die Bilder deutlich, wie bedroht diese Schönheit ist: Lichtverschmutzung und Umweltzerstörung nehmen weltweit zu und machen es immer schwieriger, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen.
Die im Wettbewerb präsentierten Standorte wie die Atacama-Wüste entsprechen oft der Stufe 1 auf der Bortle-Skala, dem wissenschaftlichen Standard zur Messung der Dunkelheit des Nachthimmels. Experten von Organisationen wie DarkSky International warnen, dass die Umstellung von Natriumdampf- auf LED-Beleuchtung in vielen Regionen die Lichtverschmutzung verstärkt, da blaues Licht stärker in die Atmosphäre gestreut wird. Die Fotografien des Wettbewerbs dokumentieren diesen Verlust an natürlicher Dunkelheit. Der Wettbewerb „Milky Way Photographer of the Year“ ist daher nicht nur eine Hommage an die Astrofotografie, sondern auch ein Appell, dunkle Himmel zu schützen. Die ausgewählten Bilder werden in den kommenden Monaten in Ausstellungen gezeigt und online präsentiert, um die Bedeutung des Nachthimmels für Wissenschaft, Kultur und Umweltbewusstsein zu unterstreichen.
Was kommt als Nächstes?
Die nächste Ausgabe des Wettbewerbs steht bereits in den Startlöchern. Interessierte Fotografen können sich auf die Bekanntgabe der neuen Regeln und Einsendeschlüsse vorbereiten. Die Organisation plant, die Kriterien für die Post-Processing-Phase zu präzisieren, um eine noch transparentere Bewertung der Bildbearbeitung zu ermöglichen. Gleichzeitig werden die Bilder der aktuellen Ausgabe in den nächsten Monaten in verschiedenen Medien und Ausstellungen weltweit zu sehen sein, darunter auch in Deutschland.
Wer selbst in die Welt der Astrofotografie eintauchen möchte, findet auf den Websites von „Capture the Atlas“ und in Fachforen zahlreiche Tipps und Anleitungen. Wichtig ist vor allem eines: Geduld und die Bereitschaft, sich an abgelegene Orte zu begeben, an denen der Nachthimmel noch unversehrt ist. Die Kuratoren empfehlen für Einsteiger die Nutzung von Apps zur Planung der galaktischen Position, wie beispielsweise PhotoPills oder Stellarium, um die präzise Ausrichtung des galaktischen Zentrums zum Horizont zu berechnen.