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Technik und Wissenschaft

Zweiter Vollmond: Darum erleben wir im Mai einen Blue Moon

Am 31. Mai 2026 erlebten Beobachter einen sogenannten Blue Moon, den zweiten Vollmond innerhalb eines Kalendermonats. Das Ereignis fiel zeitgleich mit einem Mikromond zusammen, da der Erdtrabant mit über 405.000 Kilometern Distanz besonders weit entfernt war. Astronomisch bedingt resultiert dieses Phänomen aus der Differenz zwischen Monatslänge und Mondzyklus.

Die mathematische Logik des Blue Moon

Ein Blue Moon hat, entgegen seinem Namen, nichts mit der Farbe des Mondes zu tun. Es handelt sich vielmehr um ein zeitliches Zusammenspiel. Da ein vollständiger Mondzyklus etwa 29,56 Tage dauert, die meisten Kalendermonate jedoch 30 oder 31 Tage haben, verschiebt sich der Zeitpunkt des Vollmonds kontinuierlich.

Damit es zu einem monatlichen Blue Moon kommt, muss der erste Vollmond bereits sehr früh im Monat auftreten. Im Mai 2026 war dies der Fall: Der erste Vollmond erschien laut MDR Wissen bereits am 1. Mai gegen 19:23 Uhr (MESZ). Da der Zyklus knapp 30 Tage umfasst, folgte die zweite Vollmondphase exakt am 31. Mai gegen 10:45 Uhr (MESZ).

In der Astronomie wird hierbei strikt zwischen zwei Arten des Blue Moon unterschieden. Während der monatliche Blue Moon schlicht das zweite Ereignis in einem Kalendermonat beschreibt, definiert der jahreszeitliche Blue Moon eine Situation, in der vier statt der üblichen drei Vollmonde innerhalb einer astronomischen Jahreszeit auftreten.

Die Physik des Mikromonds

Das Ereignis am 31. Mai war doppelt bemerkenswert, da es mit einem sogenannten Mini- oder Mikromond zusammenfiel. Die Umlaufbahn des Mondes um die Erde ist nicht kreisförmig, sondern leicht elliptisch. Das bedeutet, dass die Distanz zwischen den Mittelpunkten beider Himmelskörper ständig schwankt. Die Exzentrizität der Mondbahn wird mit etwa 0,0549 angegeben.

Während der Durchschnittsabstand bei 384.400 Kilometern liegt, spricht man von einem Mikromond, sobald die Entfernung 405.000 Kilometer überschreitet. Am 31. Mai wurde diese Grenze deutlich durchbrochen. Nur einen Tag später, am 1. Juni, erreichte der Mond das Apogäum – den erdfernsten Punkt seiner Bahn.

Die konkreten Daten verdeutlichen die Dimensionen dieses Abstands:

  • Durchschnittliche Distanz: 384.400 km
  • Grenzwert Mikromond: > 405.000 km
  • Apogäum (1. Juni 2026): 406.366 km

Für den Beobachter am Boden bleibt dieser Effekt subtil. Zwar messen astronomische Instrumente einen Helligkeitseinbruch von etwa 15 Prozent und einen Größenunterschied von bis zu sieben Prozent im Vergleich zum Durchschnittsabstand, doch mit dem bloßen Auge sind diese Differenzen nicht wahrnehmbar.

Etymologie eines astronomischen Missverständnisses

Die Bezeichnung Blue Moon ist ein linguistisches Relikt, das oft für Verwirrung sorgt. Der Begriff leitet sich nicht von einer optischen Veränderung ab, sondern von einem englischen Sprichwort.

„alle Jubeljahre“
MDR Wissen, via MDR

Die englische Wendung „once in a blue moon“ beschreibt Ereignisse, die nur extrem selten vorkommen. Da die Kombination aus zwei Vollmonden in einem Monat statistisch ungewöhnlich ist, übertrug sich diese Metapher auf das astronomische Ereignis. Es ist eine Benennung, die mehr über unsere Sprache als über die Spektralanalyse des Mondlichts aussagt.

Vom Beobachten zum Landen: Der Kontext von Artemis

Während die Beobachtung eines Blue Moon ein passives Ereignis ist, markiert das Jahr 2026 eine Phase aktiver Rückkehr zum Erdtrabanten. Die NASA treibt das Artemis-Programm voran, wobei die Mission Artemis 2 bereits abgeschlossen ist.

Vom Beobachten zum Landen: Der Kontext von Artemis
cluster (priority): google.es

Der Fokus liegt nun auf Artemis 3. Erste Komponenten der dafür vorgesehenen Rakete sind bereits fertiggestellt, und neue Partner wurden in das Projekt integriert. Die Veröffentlichung tausender Bilder des Mondumflugs unterstreicht den technologischen Fortschritt, der die bloße Beobachtung von Phänomenen wie dem Mikromond in eine Ära der dauerhaften Präsenz überführt.

Für die Landung von Artemis 3 setzt die NASA auf das Starship Human Landing System (HLS) von SpaceX. Ein kritischer technischer Benchmark für diese Mission ist die Demonstration des orbitalen Treibstofftransfers (Cryogenic Fluid Transfer), da das HLS-Fahrzeug im Erdorbit mehrfach durch Tanker-Raumschiffe aufgefüllt werden muss, bevor es zum Mond aufbricht. Die Astronauten werden zudem die AxEMU-Raumanzüge von Axiom Space tragen, die spezifisch für die thermischen Bedingungen und die abrasive Regolith-Oberfläche des Mond-Südpoles entwickelt wurden.

Die Auswahl des Zielgebiets am Südpol basiert auf hochauflösenden Daten des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) und dem LCROSS-Impact-Experiment, welche die Existenz von Wassereis in permanent beschatteten Regionen (Permanently Shadowed Regions, PSRs) bestätigt haben. Das Orion-Raumschiff, das die Crew transportiert, nutzt das European Service Module (ESM), das von der ESA bereitgestellt wird und für die Energieversorgung sowie die thermische Kontrolle zuständig ist.

Parallel dazu wird die Infrastruktur für das Lunar Gateway vorangetrieben. Die erste Phase umfasst das Power and Propulsion Element (PPE) sowie das Habitation and Logistics Outpost (HALO)-Modul. Die Kanadische Weltraumorganisation (CSA) steuert hierzu den Canadarm3 bei, einen KI-gesteuerten Roboterarm für die Wartung der Station. Die Zusammenarbeit wird durch die Artemis Accords flankiert, ein multilaterales Abkommen zur friedlichen Nutzung des Weltraums, das bereits von über 40 Nationen unterzeichnet wurde.

Die Kombination aus seltenen Sichtungsereignissen und der konkreten Vorbereitung für die Landung macht den Mai und Juni 2026 zu einem markanten Zeitpunkt für die moderne Astronomie. Während wir am Himmel die geometrischen Besonderheiten der Mondbahn bestaunen, wird im Hintergrund die Infrastruktur für die nächste Generation von Astronauten finalisiert.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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