ZDF-Intendant Norbert Himmler hat die Entwicklung von Jan Böhmermanns Satireshow scharf kritisiert. Im Interview mit der Zeit bemängelte er, das Format sei am Ende zu fanatisch geworden und bei Einzelfällen unverhältnismäßig vorgegangen. Die Sendung wird im Dezember 2026 auf eigenen Wunsch des Moderators eingestellt.
Das ZDF und sein prominenter Satiriker Jan Böhmermann stehen kurz vor dem Abschied. Nach mehr als sechs Jahren im Hauptprogramm wird die Late-Night-Show ZDF Magazin Royale am 18. Dezember zum letzten Mal ausgestrahlt. Der Intendant des Senders, Norbert Himmler, hat das bevorstehende Ende nun zum Anlass für eine deutliche und öffentlich geäußerte Bilanz genommen. In einem am Oktober 2026 veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit würdigte er zwar die früheren Erfolge des Formats, sparte aber nicht mit Kritik an den jüngeren Entwicklungen (Zeit-Interview).
Kritik an Einzelfällen und dem Bienenzüchter-Beitrag
Im Zentrum der Himmler-Kritik steht die journalistische und satirische Härte der Sendung, die zuletzt spürbar polarisiert hatte. Zwar habe der Moderator grandiose Sendungen
abgeliefert, erklärte Himmler im Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit, doch die Methode habe sich im Laufe der Jahre abgeschliffen und sei vielleicht am Ende zu fanatisch geworden
.
Besonders rügte der ZDF-Chef den Umgang der Redaktion mit schwächeren Akteuren abseits der großen Politik. Als Beispiel nannte er einen imkerbezogenen Fall aus dem November 2023, bei dem Böhmermann einem sächsischen Imker sogenanntes Beewashing vorgeworfen hatte. Der betroffene Bienenzüchter wehrte sich mit eigenen satirischen Aktionen, und ein anschließender Rechtsstreit ging letztlich zugunsten des Imkers aus.
Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig.
Norbert Himmler, ZDF-Intendant, via ZDF
Satire müsse sich stattdessen mit Personen beschäftigen, die Verantwortung tragen, oder Missstände aufdecken, formulierte Norbert Himmler gegenüber der Zeit. Das Genre dürfe in der Zuspitzung niemals unfair werden.
Vom Spartenkanal ins Hauptprogramm und zurück zur Selbstbestimmung
Die von Jan Böhmermann geprägte Satireshow blickt auf eine lange Sendergeschichte zurück. Im Jahr 2013 startete das Format noch unter dem Titel Neo Magazin beim Spartenkanal ZDFneo, hieß später Neo Magazin Royale und wechselte schließlich im Jahr 2020 ins ZDF-Hauptprogramm, wo es jeweils am späten Freitagabend lief.
Im linearen Fernsehen erreichte die Sendung allerdings nur bedingt starke Einschaltquoten, entfaltete dafür aber enorme Strahlkraft in der ZDF-Mediathek und löste regelmäßig intensive gesellschaftliche Diskurse in den sozialen Medien aus. Für den unter dem Schlagwort Varoufake bekannt gewordenen Beitrag rund um eine gefälschte Mittelfingergeste des früheren griechischen Finanzministers Jannis Varoufakis erhielt die Redaktion den Grimme-Preis. Weit über die Fernsehwelt hinaus reichte im Jahr 2016 die Schmähkritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, die eine diplomatische Krise und letztlich die Abschaffung des Majestätsbeleidigungsparagraphen zur Folge hatte. Auch spätere investigative Recherchen, wie jene im Zusammenhang mit der Abberufung des BSI-Präsidenten Arne Schönbohm, brachten der Sendung große Aufmerksamkeit ein.

Das freiwillige aus zum Jahresende und Reaktionen aus der Intendanz
Trotz der öffentlich gewordenen inhaltlichen Differenzen betonte der ZDF-Intendant, dass das endgültige Aus der Sendung nicht vom Sender selbst verordnet wurde. Böhmermann habe den Entschluss im September 2026 aus Eigeninitiative gezogen und seinen Entschluss unter anderem mit den Worten begründet, er wolle noch einmal eine andere Sendung machen.
Zuvor hatte der Moderator in seinem Podcast Fest & Flauschig erzählt, Himmler habe auf die Nachricht von seinem Abschied mit Tränen in den Augen reagiert. Auf diesen intimen Moment angesprochen, antwortete der Intendant gegenüber News.de mit einer Mischung aus Humor und Nachdenklichkeit:.
Ja, ich stelle mir heute noch die Frage, ob das Erleichterungs- und Freudentränen waren – oder Tränen der Trauer.
Norbert Himmler, ZDF-Intendant, via News
Wie ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke im Zuge der Bekanntgabe erklärte, führen der Sender und der Moderator gegenwärtig intensive Gespräche über künftige Formate. Man freue sich darauf, die Zusammenarbeit fortzusetzen und gemeinsam ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die letzte Ausgabe des ZDF Magazin Royale läuft am 18. Dezember 2026.
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