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Young Indonesian couple publicly caned after kissing on TikTok

In der indonesischen Provinz Aceh wurden am 2. Juli 2026 ein 22-jähriger Mann und eine 25-jährige Frau öffentlich ausgepeitscht. Ein Scharia-Gericht verurteilte das Paar zu jeweils 21 Schlägen mit einem Rattanstock, nachdem sie in einem TikTok-Livestream geküsst hatten. Die Vollstreckung erfolgte vor mindestens 100 Zeugen im Stadtpark von Banda Aceh.

Die Vollstreckung im Stadtpark von Banda Aceh

Die Vollstreckung im Stadtpark von Banda Aceh
Photo: Amnesty International
Die Strafe wurde auf einer Bühne im Bustanussalatin-Stadtpark vollzogen. Eine Gruppe von Personen in Roben und Kapuzen führte die Schläge aus, während mindestens 100 Zuschauer die Szene beobachteten. Wie The Guardian berichtet, wurden der 22-jährige Mann und die 25-jährige Frau jeweils 21 Mal mit einem Rattanstock geschlagen.Ursprünglich hatte das Gericht eine Strafe von 25 Peitschenhieben verhängt. Diese wurde auf 21 reduziert, da das Paar bereits vier Monate in Haft verbracht hatte.Während der Vollstreckung kam es zu dramatischen Szenen. Berichten von AOL zufolge schrie die Frau vor Schmerz auf und brach schließlich bewusstlos zusammen, während ein Beamter wiederholt auf ihren Rücken einschlug. Sanitäter mussten einschreiten, um zu prüfen, ob ihr Körper den Rest der Strafe verkraften könne. Nach lokalem Recht wird die verbleibende Strafe auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, wenn der Verurteilte physisch nicht mehr in der Lage ist, die Hiebe zu ertragen.Das Paar war nicht allein auf der Bühne. An demselben Donnerstag wurden vier weitere Personen öffentlich ausgepeitscht, die wegen Online-Glücksspiels und Ehebruchs verurteilt worden waren.

Die rechtliche Grundlage der Scharia-Gesetze in Aceh

Die rechtliche Grundlage der Scharia-Gesetze in Aceh
Photo: AOL.com
Aceh ist die einzige Provinz im muslimisch geprägten Indonesien, die eine spezifische Version des islamischen Rechts durchsetzt. Die säkulare Zentralregierung gewährte der Provinz dieses Recht im Jahr 2006 als Teil eines Friedensabkommens, um einen separatistischen Krieg zu beenden, so Ynetnews.Im Jahr 2015 wurde das Gesetz erweitert, sodass es nun auch für Nichtmuslime gilt, die etwa 1 % der Bevölkerung der Provinz ausmachen.Das Gesetz sieht für sogenannte „Moralvergehen“ Strafen von bis zu 100 Peitschenhieben vor. Dazu zählen unter anderem:
  • Ehebruch und sexuelle Handlungen zwischen Männern.
  • Glücksspiel und Alkoholkonsum.
  • Das Tragen zu enger Kleidung durch Frauen.
  • Das Versäumen des Freitagsgebetes durch Männer.
Im vorliegenden Fall wurden neben den körperlichen Strafen auch ein Mobiltelefon und ein USB-Stick beschlagnahmt. Diese enthielten das TikTok-Video und wurden als Beweismittel zur Vernichtung eingestuft.

Digitale Überwachung und das TikTok-Livestreaming

Indonesian Couple Caned For Kissing On TikTok Livestream, Breaking Islamic Law
Der Fall begann mit einem Livestream am 27. Februar, in dem das Paar in einem Auto in Banda Aceh zu sehen war, während es sich küsste. Das Video ging viral, was zu Meldungen an die lokalen Scharia-Behörden führte. Die Festnahme erfolgte daraufhin im April.Diese Entwicklung verdeutlicht eine Verschiebung in der Überwachungspraxis. Amnesty International weist darauf hin, dass die Behörden in Aceh die Scharia-Gesetze zunehmend nutzen, um friedliche Online-Ausdrücke sowie öffentliche Zuneigungsbekundungen außerhalb einer Ehe zu sanktionieren. Die Scharia-Polizei scheint ihre digitalen Überwachungsbemühungen zu intensivieren.

Menschenrechte versus lokale Rechtfertigung

Menschenrechte versus lokale Rechtfertigung
Photo: Ynetnews
Die internationale Reaktion ist geprägt von scharfer Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnet die öffentliche Auspeitschung als eine Form der Menschenrechtsverletzung, die grausam, unmenschlich und herabwürdigend sei. Dies gelte insbesondere deshalb, weil Indonesien eine Konvention ratifiziert habe, die die Abschaffung unmenschlicher Strafen vorschreibt.„Ein solches Verhalten mag als unangemessen angesehen werden, da soziale Medien von Menschen verschiedener Altersgruppen, einschließlich Kindern, gesehen werden. Aber ist es ein Verbrechen, das eine Inhaftierung oder gar eine Auspeitschung rechtfertigt? Das wäre exzessiv.“ Usman Hamid, Exekutivdirektor von Amnesty International IndonesienMontse Ferrer, Co-Regionaldirektorin von Amnesty International, bezeichnete den Akt als „entsetzliche Diskriminierung“ und forderte die indonesischen Behörden auf, die Kriminalisierung konsensualer Intimität zu beenden und alle diskriminierenden Gesetze, die körperliche Strafen erlauben, aufzuheben.Vor Ort gibt es jedoch Stimmen, die die Härte der Strafe befürworten. Ayni Nadira, eine 22-jährige Bewohnerin von Banda Aceh, die bei der Auspeitschung anwesend war, sieht darin eine notwendige pädagogische Maßnahme.„Meiner Meinung nach ist diese Auspeitschung völlig gerechtfertigt, da sie als Warnung für andere Bewohner Acehs dient, vorsichtiger beim Umgang mit sozialen Medien zu sein. Sie schafft auch ein Bewusstsein dafür, dass solche Handlungen inakzeptabel sind, und bildet so die Öffentlichkeit.“ Ayni Nadira, Bewohnerin von Banda AcehDer Fall wirft grundlegende Fragen über die Vereinbarkeit der regionalen Autonomie Acehs mit den nationalen Verpflichtungen Indonesiens gegenüber dem UN-Menschenrechtsrat auf. Während die lokale Bevölkerung die Strafen teilweise als Instrument der sozialen Ordnung sieht, betrachten internationale Beobachter die Praxis als Folter, die gegen das zwingende Völkerrecht verstößt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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