Die Kostenrechnung eines 22-Euro-Eises

Was als schneller Snack in der Ewigen Stadt geplant war, endete für die US-Touristin Nicole Ann und ihren Partner in einem finanziellen Schock. Wie BILD berichtet, bestellte das Paar zwei Eisbecher zum Mitnehmen. Statt der gewünschten zwei Kugeln erhielten sie jedoch jeweils drei Kugeln zum Preis von 12 Euro.
Das eigentliche Problem waren jedoch die ungefragten Toppings, die den Preis in astronomische Höhen trieben. Pro Becher wurden folgende Extras berechnet:
- Sahne: 2 Euro
- Ein kleines Macaron: 3 Euro
- Ein kleines Cannolo: 5 Euro
Damit stieg der Preis pro Portion auf 22 Euro, was in der Summe die Rechnung von 44 Euro ergab. Laut Berichten von WELT entstand der Eindruck, die Extras seien kostenlos gewesen, da die Verkäuferin nicht fragte, ob die Kunden diese überhaupt wollten.
Nicole Ann zahlte den Betrag zunächst per Karte. Sie gab an, missverstanden zu haben, dass die beiden Eis insgesamt 14 US-Dollar kosten würden – was derzeit etwa 12 Euro entspricht. Die bittere Erkenntnis folgte erst beim Blick auf den Kassenbon.
Taktiken der Touristenfalle: Small vs. Maxi
Die Strategie der Eisdiele scheint auf einer bewussten Verwirrung der Kunden zu basieren. Während die Touristin glaubte, eine kleine Portion bestellt zu haben, zeigt der Kassenbon ein anderes Bild. Laut Merkur wurden auf dem Beleg zwei sogenannte Cono Maxi – also große Waffeln – aufgeführt, die bereits 12 Euro pro Stück kosten.
Interessanterweise widersprechen sich die Quellen bei der genauen Lage des Geschäfts: Während einige Medien das Lokal in der Umgebung der Piazza Navona verorten, berichtet der Merkur von einer Eisdiele im Viertel Campo Marzo nahe dem Spanischen Platz.
Neben dem Preis war auch die Qualität ein Kritikpunkt. Die Touristin bezeichnete das Produkt in einer Facebook-Gruppe für Italien-Urlauber als das schlechteste Eis, das sie je gegessen habe, und fügte hinzu, dass sie es nicht einmal aufessen konnte.
Reputationsverlust und die Rolle von Don Nino
Der Fall löste eine Welle der Empörung aus, die weit über den Kreis der betroffenen US-Touristen hinausging. In sozialen Netzwerken äußerten sich auch Einheimische bestürzt. Eine in Italien lebende Frau bezeichnete den Vorfall in einem Facebook-Kommentar als purer Diebstahl und gab an, beschämt zu sein, wie die Krone berichtet.
Die betroffene Eisdiele scheint kein Einzelfall zu sein. In Online-Diskussionen wurde das Geschäft unter dem Namen Don Nino identifiziert, das bereits als bekannte Touristenfalle gilt. Die digitale Spur ist deutlich: Auf Google weist das Lokal eine niederschmetternde Bewertung von 1,4 Sternen auf. Nutzer berichten dort von ähnlich überzogenen Preisen, etwa 12 Euro für zwei normale Kugeln.
„Ich bin beschämt, das ist purer Raub.“
Einheimische Nutzer in sozialen Medien, via Merkur
Die Reaktion der Betreiber auf die Vorwürfe blieb bislang aus. In Rom ist es jedoch gängige Praxis, dass in Eisdielen – ähnlich wie bei Espresso oder Cappuccino – im Voraus bezahlt wird, was den Spielraum für nachträgliche Reklamationen vor Ort einschränkt.
Die breitere Preisexplosion im italienischen Tourismus
Der 44-Euro-Eisbecher ist symptomatisch für eine generelle Preisentwicklung in Italien. Laut Blick steigen die Kosten für Hotels und Restaurants derzeit um etwa 15 bis 20 Prozent. Ein Grund dafür ist das Ausbleiben einheimischer Gäste, die sich den Urlaub im eigenen Land kaum noch leisten können. Die Branche versucht daher, die Verluste durch zahlungskräftige ausländische Touristen auszugleichen.
Besonders extrem zeigen sich diese Entwicklungen an den Küsten. Die Kosten für Strandliegen und Sonnenschirme erreichen teilweise Luxus-Niveau:
| Region / Ort | Kosten / Zeitraum | Besonderheit |
|---|---|---|
| Alassio (Ligurien) | 340 bis 392 Euro | Pro Woche, erste Reihe teurer |
| Senigallia (Adria) | 145 bis 155 Euro | Pro Woche |
| Rimini | Ähnlich wie Senigallia | Klassisches Touristenziel |
| Allgemein (Tagesmiete) | 20 bis 80 Euro | Pro Tag für 2 Liegen + Schirm |
Dieser Trend zur Maximierung der Einnahmen bei ausländischen Besuchern schafft eine gefährliche Dynamik. Wenn die Grenze zwischen marktüblichen Preiserhöhungen und bewusster Täuschung – wie im Fall der ungefragten Eis-Extras – verschwimmt, gefährdet dies langfristig das Image des Landes als gastfreundliches Reiseziel. Für Touristen bleibt nur die Strategie, die hochfrequentierten Hotspots zu meiden und erst einige Straßen abseits der Hauptattraktionen nach Verpflegung zu suchen.