Die iranische Fußballnationalmannschaft erhält kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft 2026 Einreisevisa für die USA, während zahlreichen Funktionären der Zugang verweigert wurde. Die iranische Botschaft in der Türkei kritisiert dies am 6. Juni 2026 als Diskriminierung, da essenzielle Teile des Betreuerstabs und der Führungsebene nicht einreisen dürfen.
Visa-Chaos und Vorwürfe der Diskriminierung
Die diplomatischen Spannungen zwischen Teheran und Washington erreichen kurz vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft einen neuen Höhepunkt. Während die Spieler der Nationalmannschaft nun endlich die notwendigen Dokumente für die Einreise in die USA erhalten haben, bleibt die Stimmung im iranischen Lager hochexplosiv. Wie n-tv.de berichtet, wirft die iranische Botschaft in der Türkei den US-Behörden eine willkürliche Behandlung vor.
Dieser Vorwurf steht in krassem Gegensatz zur Darstellung des US-Botschafters in Ankara, Tom Barrack. Dieser lobte seine Mitarbeiter öffentlich und betonte, dass Sport keine Grenzen kenne. Doch die Freude des Diplomaten wird in Teheran als zynisch empfunden, da die Visa-Erteilung nur einen Teil der Delegation umfasst. Die iranische Seite fragt rhetorisch, warum die Verweigerung von Visa für das Management- und Führungspersonal sowie technische Berater verschwiegen wird, die für den Betrieb einer Nationalmannschaft unerlässlich sind.
Die Ausgrenzung der Funktionäre
Die Liste der Personen, denen die USA den Zutritt verweigerten, ist beachtlich. Laut Berichten der Sportschau sind insgesamt zwölf Anträge abgelehnt worden, wobei eine offizielle Bestätigung des Verbandes noch aussteht. Zu den Betroffenen zählen hochrangige Positionen, die das Team im Hintergrund steuern.

- Der Präsident des iranischen Fußballverbands, Mehdi Tadsch.
- Der Teammanager.
- Vertreter des Außenministeriums.
- Die Sicherheitsabteilung.
- Der Pressechef der Mannschaft.
Besonders im Fall von Mehdi Tadsch scheint die politische Dimension den Ausschlag zu geben. Wie Deutschlandfunk erläutert, wird Tadsch mit einer früheren Funktion als Kommandant der iranischen Revolutionsgarden in Verbindung gebracht. US-Außenminister Rubio hatte bereits in dieser Woche klargestellt, dass Personen mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden keinen Platz in der Delegation haben werden. Dies ist kein Einzelfall: Bereits im Dezember wurde Tadsch die Teilnahme an der WM-Auslosung in Washington aus demselben Grund verwehrt.
Logistischer Rückzug nach Mexiko
Die Unsicherheit über die Visumserteilung zwang den Iran zu drastischen organisatorischen Änderungen. Ursprünglich war ein Trainingslager in Tucson, Arizona, geplant. Aufgrund der ausbleibenden Genehmigungen musste das Quartier jedoch nach Tijuana an die mexikanisch-kalifornische Grenze verlegt werden.
Die Spieler erhielten ihre Genehmigungen für Mexiko bereits drei Tage vor den US-Visa. Die Strategie der Betroffenen ist nun so verzweifelt wie pragmatisch: Die Funktionäre, deren US-Anträge abgelehnt wurden, sollen die Mannschaft dennoch nach Tijuana begleiten. Dort wollen sie in Mexiko versuchen, erneut Visa für die USA zu beantragen, in der Hoffnung, dass ein anderer Weg in das Gastland offensteht.
Sport im Schatten des Kriegszustands
Das gesamte Turnier findet unter einer beispiellosen geopolitischen Spannung statt. Seit Ende Februar 2026 befinden sich die USA und der Iran faktisch in einem Kriegszustand, nachdem US-amerikanische und israelische Militäreinheiten Ziele im Iran bombardiert haben. Dieser Konflikt wirkt sich direkt auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus: 17 der nominierten Spieler kommen aus der heimischen Liga und konnten seit Februar kein einziges Vereinsspiel mehr bestreiten.

Die Teilnahme war lange Zeit ungewiss. Selbst Donald Trump riet dem Iran im März von einer Teilnahme ab und bezeichnete diese als unangemessen, wobei er Bedenken hinsichtlich der Lebenssicherheit der Spieler äußerte. Die Nationalmannschaft reagierte prompt und erklärte, dass niemand sie von der WM ausschließen könne.
| Datum | Gegner | Ort |
|---|---|---|
| 15. Juni | Neuseeland | Inglewood, USA |
| 21. Juni | Belgien | Inglewood, USA |
| 26. Juni | Ägypten | Seattle, USA |
Die größte Brisanz verbirgt sich jedoch in der theoretischen Möglichkeit eines direkten Duells. Wie BILD analysiert, könnten die USA und der Iran bereits im Sechzehntelfinale aufeinandertreffen, sollten beide Teams ihre Gruppen als Zweitplatzierte beenden. Ein solches Spiel am 3. Juli in Arlington, Texas, wäre angesichts der aktuellen Bombardements und diplomatischen Eiszeit mehr als nur eine sportliche Begegnung – es wäre ein politisches Pulverfass auf dem Rasen.
Die USA haben zwar die Spieler hereingelassen, aber indem sie das „Gehirn“ und die „Sicherung“ des Teams – Manager, Presse und Sicherheit – aussperren, senden sie eine klare Botschaft. Sport mag keine Grenzen kennen, aber die US-Visa-Behörden ziehen sie sehr genau.