Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger William D. Nordhaus ist tot. Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln starb im Alter von 85 Jahren, wie unter anderem aus Berichten von Yale News hervorgeht. Nordhaus, der 2018 mit dem Preis für die Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel ausgezeichnet wurde, gilt als der prägende Klimaökonom der Moderne. Er verknüpfte als einer der Ersten die Erforschung des Klimawandels konsequent mit ökonomischen Fragestellungen und entwickelte Rechenmodelle wie das bekannte DICE-Modell, die das Fundament für die wissenschaftliche und politische Debatte über den Umgang mit der Erderwärmung legten.
Nordhaus prägt die Klimaökonomie
Geboren wurde Nordhaus im Jahr 1941 in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico. Seine akademische Laufbahn führte ihn an renommierte Universitäten: Er graduierte an der Ilfoglio und promovierte am Massachusetts Institute of Technology, wo er unter anderem von Nobelpreisträgern wie Paul Samuelson und Robert Solow betreut wurde. Im Jahr 1967 kehrte er als Professor an die Yale-Universität zurück, die zeitlebens seine akademische Heimat blieb. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte er sich auch in der Politikberatung und diente unter Präsident Jimmy Carter als Mitglied des Council of Economic Advisers.
Ökonomische Vernunft im Klimaschutz
Im Zentrum von Nordhaus’ wissenschaftlichem Schaffen stand die Überzeugung, dass Klimaschutzmaßnahmen immer auch die wirtschaftlichen Folgen berücksichtigen müssen. Er kritisierte rein politische Zielsetzungen, die Kosten und Nutzen außer Acht ließen. Seine Berechnungen zeigten auf, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Belastungen für die Wirtschaft und dem Nutzen des Klimaschutzes eher auf eine Begrenzung der Erderwärmung hinauslaufen könnte, die von strengen politischen Wunschszenarien abweicht.
Zur Senkung von Treibhausgasen plädierte er für eine weltweite Bepreisung von Kohlendioxid durch entsprechende Abgaben. Da er internationale Abkommen nach dem Vorbild von Kyoto oder Paris als unzureichend ansah, weil sie keinen Anreiz gegen Trittbrettfahrertum bieten, entwarf er das Konzept eines sogenannten Klimaklubs. In diesem Zusammenschluss großer Staaten sollten Mitglieder angemessene CO₂-Steuern erheben und gleichzeitig den Import von Waren aus Staaten außerhalb dieses Klubs mit Einfuhrzöllen belegen. Diese Ideen beeinflussten in den vergangenen Jahren auch internationale Diskussionen und politische Vorschläge in Europa.
Wissenschaftliches Erbe und Lehrbücher
Bereits in den siebziger Jahren hinterfragte er gemeinsam mit James Tobin herkömmliche Maße des wirtschaftlichen Erfolgs wie das Bruttoinlandsprodukt und suchte nach Indikatoren, die das Wohlbefinden und Umweltfaktoren besser abbilden. Zudem beschäftigte er sich mit Innovationsökonomie, der Messung von technologischem Fortschritt und der Theorie des politischen Konjunkturzyklus.
Weltweite Bekanntheit erlangte Nordhaus zudem als Mitautor des Standardlehrwerks „Economics, das ursprünglich 1948 von Paul Samuelson begründet worden war. Nordhaus übernahm im Jahr 1985 die Co-Autorenschaft, führte das Werk nach Samuelsons Tod weiter und betreute es bis zur aktuellen 19. Auflage, wodurch Generationen von Studierenden weltweit ihre Grundlagen in den Wirtschaftswissenschaften erhielten.
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