Der Schauspieler André Dietz kritisierte am 20. Mai 2026 öffentlich Bundeskanzler Friedrich Merz nach dessen Vorschlag, die schulische Betreuung für Kinder mit Behinderungen von Einzelbegleitung auf Gruppenbetreuung umzustellen. In einem emotionalen Instagram-Video lud der Vater einer behinderten Tochter den Regierungschef ein, die Realität der Pflege direkt in seinem Familienalltag zu erleben.
Merz’ Vorschlag zur Gruppenbetreuung in Schulen

Die Einladung zur „Realitätsprüfung“
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. André Dietz, bekannt aus RTL-Produktionen wie „Unter uns“ und „Alles was zählt“, nutzte seinen Instagram-Account, um der politischen Theorie eine emotionale und persönliche Gegenposition entgegenzusetzen. In einem Video, das schnell viral ging, richtete sich der Schauspieler direkt an den Kanzler.Wie T-Online berichtet, forderte Dietz Merz auf, die theoretischen Überlegungen zu verlassen und den Alltag pflegender Angehöriger aus erster Hand kennenzulernen. Die Einladung war weniger ein höfliches Angebot als vielmehr ein wütender Appell an die Empathie des Regierungschefs.„Friedrich, komm doch mal vorbei. Verbring doch einfach mal einen halben Tag mit uns.
André Dietz, SchauspielerDietz reagierte insbesondere auf die Idee der Gruppenbetreuung mit sarkastischem Unverständnis. Er bezeichnete den Vorschlag, eine Person für mehrere Menschen mit Behinderung einzusetzen, als „richtig, richtig clevere Idee“, wobei der Unterton deutlich machte, dass er darin eine völlige Entkopplung der Politik von der Lebensrealität sieht. In der Bildunterschrift seines Beitrags stellte er zudem die provokante Frage: „Wer betreut IHN eigentlich?“Angelman-Syndrom: Die Lebensrealität von Mari
Hinter der Empörung von André Dietz steht eine tiefgreifende persönliche Betroffenheit. Er ist nicht nur als prominenter Kritiker zu sehen, sondern als Vater, der täglich die Herausforderungen der Pflege bewältigt. Seine 13-jährige Tochter Mari lebt mit dem Angelman-Syndrom.Wie BUNTE.de erläutert, handelt es sich dabei um einen seltenen Gendefekt. Menschen mit diesem Syndrom sind dauerhaft auf intensive Unterstützung und Pflege angewiesen. Für eine Familie bedeutet dies eine Organisation des Lebens, die keinen Raum für die im Kanzleramt diskutierten „Effizienzsteigerungen“ lässt.Ein System, in dem eine einzige Betreuungskraft für mehrere Kinder mit unterschiedlichen schweren Behinderungen zuständig ist, würde aus Sicht von Dietz die notwendige intensive Pflege unmöglich machen. Die individuelle Begleitung ist in Fällen wie dem von Mari kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am Bildungssystem.Die Verlagerung der Last auf die Familien
Der Kern des Arguments von Dietz ist die Warnung vor einer versteckten Kostenverschiebung. Er widerspricht der Annahme, dass Kürzungen bei den staatlichen Hilfen tatsächlich zu Einsparungen führen würden. Stattdessen warnt er davor, dass die Last lediglich von den staatlichen Budgets auf die privaten Schultern der Familien verlagert wird.„Wenn man bei Pflege und Inklusion die Gelder kürzt, dann spart man nichts.

