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Welt

Warum vier Politiker der AfD nach St. Petersburg zu Wladimir Putin gereist sind

Vier Politiker der AfD, darunter Markus Frohnmaier, besuchten kürzlich das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Die Delegation traf unter anderem den Gazprom-Chef Alexej Miller, um über Nord Stream und mögliche Gaslieferungen zu sprechen. Während die AfD deutsche nationale Interessen betont, kritisieren politische Gegner den Besuch als Unterstützung für Wladimir Putins Propagandamaschinerie.

Markus Frohnmaier und die neue Taktik der AfD

Die Reise der AfD-Delegation nach St. Petersburg markiert eine subtile, aber strategische Verschiebung in der Kommunikation der Partei. Während Co-Parteichefin Alice Weidel vor etwa sechs Monaten noch russlandfreundliche Politiker ihrer eigenen Fraktion zur Ordnung rief und Reisen in den Ferienort Sotschi öffentlich kritisierte, genießt die aktuelle Delegation ihre volle Rückendeckung. Der entscheidende Unterschied liegt in der personellen Führung: Die Gruppe wird von Markus Frohnmaier angeführt, einem engen Vertrauten Weidels und seit 2025 außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Wie NZZ berichtet, versucht die AfD damit, das Image einer „verdächtigen Nähe“ zum Kreml abzulegen. Anstatt als bloße Unterstützer Putins wahrgenommen zu werden, positioniert sich die Partei nun als Verfechter einer nüchternen, rein an nationalen Interessen orientierten Außenpolitik. Frohnmaier untermauerte diese Strategie auf der Plattform X mit einer klaren Argumentation.

Als außenpolitischer Sprecher sei es seine Aufgabe, „Beziehungen zu allen relevanten globalen Akteuren zu pflegen“. Es gehe darum, „im Sinne deutscher Interessen mit allen möglichen Handelspartnern in den Dialog zu treten“ und „deutsche nationale Interessen kompromisslos in den Mittelpunkt zu stellen“.

Markus Frohnmaier und die neue Taktik der AfD
Markus Frohnmaier und die neue Taktik der AfD

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Markus Frohnmaier, außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion
Neben Frohnmaier reisten der energiepolitische Sprecher Steffen Kotré, der sächsische AfD-Chef Jörg Urban sowie der EU-Abgeordnete Petr Bystron nach Russland. Alle vier pflegen seit Jahren enge Kontakte zum Kreml, doch die neue Rahmung der Reise als „Interessenspolitik“ soll die Partei vor dem Vorwurf des Unpatriotismus schützen.

Gaslieferungen und das Treffen mit Alexej Miller

Gaslieferungen und das Treffen mit Alexej Miller
cluster (priority): BILD
Im Zentrum der politischen Gespräche in St. Petersburg stand die Energiefrage. Laut BILD traf sich Markus Frohnmaier mit dem Chef des russischen Energieriesen Gazprom, Alexej Miller. Die Gespräche drehten sich primär um die Zukunft von Nord Stream sowie die Möglichkeit neuer Gaslieferungen nach Deutschland. Dieses Treffen ist besonders brisant, da es in einer Zeit stattfindet, in der die russische Wirtschaft trotz Sanktionen unter Druck steht. Hohe Rüstungsausgaben, schwankende Einnahmen aus Öl und Gas sowie steigende Preise zwingen den Kreml dazu, Wege zu finden, die internationale Isolation zu durchbrechen. Die Bereitschaft deutscher Politiker, gerade in Fragen der Energieversorgung direkt mit Gazprom zu verhandeln, liefert dem Kreml genau die Bilder, die er für seine Außenwirkung benötigt.

Deutsche Wirtschaftsführer im Dienste der Kreml-Propaganda

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Die AfD war nicht die einzige deutsche Gruppe, die am Wirtschaftsforum teilnahm. Das Event dient dem Kreml primär als „Propagandashow“, um durch die Präsenz westlicher Gäste zu signalisieren, dass Russland nicht isoliert ist. Unter den Teilnehmern befanden sich prominente deutsche Geschäftsleute, darunter Thomas Bruch, Gesellschafter der Supermarktkette Globus. Bruch ist laut Berichten der erste prominente deutsche Familienunternehmer, der seit dem Angriff auf die Ukraine wieder ein solches Forum besucht. Während Globus argumentiert, dass die russischen Märkte seit dem 1. Januar 2025 von der deutschen Holding abgespalten wurden, hält Bruch weiterhin Anteile an den dortigen Standorten und nahm an einem Panel über deutsche Unternehmen in Russland teil. Weitere deutsche Teilnehmer waren:
  • Stefan Dürr: Agrarunternehmer und Gründer des Milch-Konzerns EkoNiva, deutsch-russischer Doppelstaatsbürger.
  • Matthias Schepp: Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.
  • Leo Eppinger: Mitinhaber des Moskauer Industriekonzerns Masterlok.
  • Polina Sharova: Eigentümerin von Hermes-Ural, die die russischen Aktivitäten von Viessmann leitet.

Politische Reaktionen und die Warnung des Auswärtigen Amts

Politische Reaktionen und die Warnung des Auswärtigen Amts
cluster (priority): Ntv
Die Reaktionen in Berlin auf diese Besuche fallen scharf aus. Das Auswärtige Amt hatte den AfD-Politikern im Vorfeld ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten. Die Kritik aus dem politischen Lager ist deutlich: Jürgen Hardt, Außenpolitiker der CDU, bezeichnete die Beteiligung als „unpatriotisch“ und sprach von einer „Propaganda-Auffrischung“ für Wladimir Putin. Die diplomatische Lage bleibt währenddessen extrem angespannt. Während die AfD über „Interessen“ spricht, signalisiert die offizielle russische Diplomatie tiefe Frustration über den Westen. Wie n-tv berichtet, warf Außenminister Sergei Lawrow den USA vor, kein Interesse daran zu zeigen, die Ukraine von gemeinsam ausgearbeiteten Vorschlägen zu überzeugen.
Sergei Lawrow, russischer Außenminister
Diese Diskrepanz verdeutlicht das Risiko der AfD-Reisen: Während die Partei den Dialog als pragmatische Notwendigkeit für deutsche Interessen verkauft, nutzen der Kreml und seine Verbündeten diese Kontakte, um die westliche Geschlossenheit infrage zu stellen. In einem Umfeld, in dem Präsident Selenskyj über offene Briefe versucht, Verhandlungen über ein Ende des Krieges zu initiieren, wirken die Treffen in St. Petersburg weniger wie Diplomatie und mehr wie eine bewusste Provokation der aktuellen deutschen Regierungslinie.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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