Walmart hat am Dienstag eine neue Kombi-Mitgliedschaft vorgestellt, die den Online-Dienst Walmart+ und das Großhandels-Abo Sam’s Club Plus für 120 US-Dollar jährlich zusammenlegt. Das Angebot soll preissensible Kunden vor der Weihnachtssaison entlasten und bietet erhebliche Rabatte gegenüber den Einzelpreisen.
Kunden erhalten das kombinierte Abonnement für eine Jahresgebühr von $120, wie das Unternehmen am 20. Oktober 2026 bekannt gab. Der Betrag entspricht exakt dem bisherigen Preis für eine alleinige Sam’s Club Plus-Mitgliedschaft. Wer beide Programme bisher separat erworben hat, zahlt stattdessen 218 US-Dollar im Jahr. Damit spart das neue Paket im direkten Vergleich knapp 100 US-Dollar beziehungsweise rund 45 Prozent.
Das neue Kombi-Modell und seine Konditionen
Das am Dienstag gestartete Angebot ist ausschließlich als Jahresabonnement erhältlich. Eine monatliche Zahlungsweise oder eine kostenlose Testphase bietet das Unternehmen für dieses Paket nicht an. Im Vergleich dazu kostet die Standardmitgliedschaft von Walmart+ allein 98 US-Dollar im Jahr oder 12,95 US-Dollar pro Monat, während eine normale Club-Mitgliedschaft bei Sam’s Club mit 60 US-Dollar zu Buche schlägt. Der Chef des Konzerns, John Furner, begründete den Schritt in einer exklusiven Mitteilung an die Nachrichtensendung Good Morning America mit dem wachsenden finanziellen Druck auf die Haushalte. Die offizielle Ankündigung des Einzelhandelsriesen erfolgte im Oktober desselben Jahres über die Pressestelle des Konzerns. Die damit verbundenen Kosten und organisatorischen Änderungen werden nach Angaben des Managements keine wesentlichen Auswirkungen auf die Prognosen für das dritte Quartal oder das gesamte Geschäftsjahr haben.
Die Konzernleitung setzt bei diesem Schritt auf ihre globale Stärke. Wie aus Finanzberichten hervorgeht, verzeichnete Walmart im Bereich der Mitgliedschaften ein starkes Wachstum: Im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2027 stiegen die weltweiten Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen um 17 Prozent, während die Zahl der Netto-Neuzugänge bei Walmart+ einen neuen Rekord für ein zweites Quartal markierte. Bei Sam’s Club wuchs dieser Umsatzposten um 6 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete Sam’s Club ein starkes E-Commerce-Wachstum von 26 Prozent im selben Quartal, gestützt durch höhere Transaktionszahlen und einen Zuwachs an Mitgliedern bei einem Nettoumsatz von 25,7 Milliarden US-Dollar inklusive Kraftstoffverkauf.
John Furner, Präsident und CEO von Walmart Inc., erklärte laut Business Wire: „Für 120 Dollar im Jahr schrauben wir die Erwartungen daran hoch, was eine Mitgliedschaft leisten kann: mehr Geld in den Taschen der Kunden und mehr Zeit, über die sie frei verfügen können.
Mitglieder der neuen Kombination erhalten Zugriff auf eine Vielzahl von Vergünstigungen. Dazu gehören kostenlose Lieferungen von beiden Ketten, Einkaufsberechtigungen in den Sam’s-Club-Großmärkten, Tankrabatte sowie eine im Preis inbegriffene Streaming-Option für die Dienste Peacock oder Paramount+. Hinzu kommen 2 Prozent Sam’s Cash auf qualifizierte Einkäufe im Großmarkt. Die angebotenen Rabatte an Tankstellen belaufen sich auf 10 Cent pro Gallone und gelten an mehr als 17.000 teilnehmenden Standorten. Die im Paket enthaltenen Vorteile wie Streaming-Dienste oder Burger-King-Deals bleiben jedoch an das Hauptkonto des primären Mitglieds gebunden, wobei eine begrenzte Weitergabe von Vergünstigungen an andere erwachsene Haushaltsmitglieder möglich ist.
Wechseloptionen für Bestandskunden und Mitarbeiter
Für Verbraucher, die bereits einen oder beide Dienste nutzen, hat das Unternehmen konkrete Übergangsregeln geschaffen. Kunden mit einer bestehenden Sam’s Club Plus-Mitgliedschaft können das Walmart+-Abo ohne zusätzliche Kosten aktivieren. Wer ein normales Club-Konto besitzt, zahlt 60 US-Dollar zusätzlich für den Aufstieg in den Plus-Bereich inklusive des Online-Dienstes. Inhaber einer reinen Walmart+-Jahresmitgliedschaft wechseln für 22 US-Dollar mehr in das Kombi-Modell, wobei für die meisten Kunden eine anteilige Rückerstattung vorgesehen ist. Die Verknüpfung der Konten lässt sich dabei unkompliziert über die Sam’s-Club-App oder die entsprechende Internetseite von Walmart vornehmen.
Zudem gab der Konzern bekannt, dass sämtliche US-Mitarbeiter im Feld- und Filialbetrieb beide Mitgliedschaften als Teil ihrer Sozialleistungen erhalten. Das Unternehmen betonte, dass die Umstellung des Programms die Finanzprognosen für das laufende dritte Quartal und das Gesamtjahr nicht wesentlich beeinflussen wird.
Wettbewerbssituation im US-Markt für Abonnements
Der Vorstoß platziert den Handelsriesen in direkte Konkurrenz zu anderen großen Abo-Anbietern. Amazon Prime kostet derzeit 140 US-Dollar im Jahr, während Target mit Target Circle 360 für 49 US-Dollar pro Jahr beziehungsweise 4,99 US-Dollar im Monat antritt. Im Bereich der klassischen Großmärkte verlangt Costco 65 US-Dollar für die Standard- und 130 US-Dollar für die Executive-Mitgliedschaft, während BJ’s Wholesale Club seinen Standarddienst für 60 US-Dollar beziehungsweise die Club+-Variante für 120 US-Dollar anbietet. Das Angebot von Amazon umfasst im Gegensatz zu Walmart unter anderem Prime Video in der werbefinanzierten Variante, Amazon Music Prime, Prime Reading, Amazon Photos, Prime Gaming sowie eine Mitgliedschaft bei Grubhub+.
Finanzanalysten bewerten die strategische Ausrichtung des Einzelhändlers äußerst positiv. So erklärte Christopher Nardone, Analyst bei der Bank of America, in einer Mitteilung, dass Mitglieder von Walmart+ im Vergleich zu Nicht-Mitgliedern etwa viermal so viel ausgeben. Er bekräftigte seine Zuversicht, dass der übergeordnete Ansatz zur Verbesserung der langfristigen Rentabilität intakt bleibt und die Bereiche Werbung sowie Marktplatzwachstum gesund sind. Zum Stichtag 19. Oktober 2026 notierte die Aktie von Walmart bei 118,70 US-Dollar, was einem Zuwachs von rund 14,2 Prozent im laufenden Monat und etwa 6,54 Prozent seit Jahresbeginn entsprach; zum Handelsschluss am 20. Oktober stand das Papier bei 117,85 US-Dollar. Die Kursziele von Bank of America und Deutsche Bank signalisierten auf Basis dieser Notierungen ein weiteres Aufwärtspotenzial. Auch Krisztina Katai, Analystin bei der Deutschen Bank, hob die Aktie zuvor von Neutral auf Buy an und begründete dies damit, dass das inflationäre Marktumfeld die Niedrigpreisstrategie des Unternehmens stütze.
| Dienst oder Anbieter | Jahresgebühr | Wesentliche Merkmale |
|---|---|---|
| Walmart & Sam’s Club Kombi | $120 | Walmart+, Sam’s Club Plus, Streaming und Liefervorteile |
| Amazon Prime | $140 | Schneller Versand, Streaming und erweiterte Zusatzdienste |
| Costco Executive | $130 | Großmarkt-Einkauf mit bis zu 2 Prozent Cashback |
| Target Circle 360 | $49 | Lieferungen und digitale Vergünstigungen |
Analysten werten das neue Angebot als strategischen Schritt, um die Kundenbindung zu stärken. Laut Marktdaten von Consumer Edge hatten fast drei Viertel der Walmart-Kunden im Zeitraum von zwölf Monaten keinen einzigen Einkauf bei Sam’s Club getätigt, und knapp die Hälfte hatte überhaupt keine Filiale eines Großhändlers besucht. Durch das gemeinsame Paket hofft das Management, diese Kundengruppen enger an das eigene Ökosystem zu binden.