Der Volkswagen-Konzern verkaufte in den ersten drei Quartalen 2026 in China mit rund 1,4 Millionen Fahrzeugen nur noch knapp die Hälfte der Autos im Vergleich zum Rekordjahr 2019, wie Daten von ZDFheute belegen. Während etablierte deutsche Premiumhersteller im Reich der Mitte drastische Absatzrückgänge und Margeneinbrüche verzeichnen, schrumpft der dortige Gesamtmarkt rasant. Gleichzeitig drängen chinesische Fabrikate mit enormem Druck auf den europäischen Markt.
Die deutsche Automobilindustrie steckt in ihrer tiefsten Krise, da das einst so lukrative China-Geschäft massiv einbricht. Im dritten Quartal 2026 sanken die Auslieferungen des VW-Konzerns in der Volksrepublik um 38,5 Prozent auf knapp 406.000 Fahrzeuge, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive verzeichnete im zweiten Quartal ein Minus von 560 Millionen Euro. Insgesamt brachen die Verkäufe von Mercedes in China im Jahresverlauf um 29 Prozent ein, während die weltweiten Verkäufe von Elektroautos im ersten Halbjahr laut einer Analyse von Branchenexperte Stefan Bratzel weiterhin von chinesischen Herstellern angeführt wurden, allen voran BYD mit 867.000 Neuwagen vor Tesla mit 838.000, Geely mit 571.000 und SAIC mit 540.000, wie n-tv ausführt.
Einbruch auf dem chinesischen Heimatmarkt und Überkapazitäten
Chinas Automobilmarkt durchläuft eine fundamentale Erschütterung. Wegen einer unsicheren Wirtschaftslage, sinkender Immobilienpreise und gekürzter staatlicher Förderungen halten sich heimische Käufer zurück. Laut dem Branchenverband China Passenger Car Association sank der Pkw-Absatz in den ersten neun Monaten des Jahres um 21,7 Prozent auf 13,33 Millionen Fahrzeuge, wie FOCUS online darlegt. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband ein Minus von 22 Prozent auf 18,5 Millionen Autos.

Dieser Nachfragerückgang trifft auf gigantische Überkapazitäten in der chinesischen Produktion. Im dritten Quartal 2026 betrug die Kapazitätsauslastung der chinesischen Autoindustrie nach amtlichen Zahlen lediglich 66,2 Prozent, verglichen mit 73,3 Prozent im Vorjahr. Das Analyse-Haus AlixPartners bezifferte die durchschnittliche Werksauslastung zuletzt sogar auf rund 50 Prozent, wie das Industriemagazin berichtet. Um die heimischen Verluste auszugleichen, exportieren chinesische Hersteller massiv ins Ausland. Im Oktober verdoppelte BYD seinen Export auf etwa 170.000 Autos, während der Inlandsabsatz um elf Prozent sank, so eine Analyse bei Elektroauto-News.
Wie das Handelsblatt berichtete, beschrieb VW-Chinachef Ralf Brandstätter die Lage der Branche mit den Worten, der Gesamtmarkt in China befinde sich im freien Fall. Auch Mercedes-Vorstand Ola Källenius betonte, die Bedingungen seien im Jahresverlauf noch herausfordernder geworden, insbesondere im Land der Mitte. Laut Erhebungen von BestSellingCarsBlog sanken die Verkäufe in China zwischen Januar und August 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent, was einem Volumenverlust entspricht, der den kumulierten Neuzulassungen in Frankreich, Italien und Spanien zusammen gleicht. Das Analyse-Haus AlixPartners wies zudem darauf hin, dass im Jahr 2025 nur zehn Prozent der dreißig betrachteten chinesischen Elektroauto-Marken profitabel arbeiteten. Zhang Yuzhuo, der Vorsitzende der Staatsholding SASAC, warnte bereits vor einer ruinösen Involutionskonkurrenz, da Subventionen zu schweren Überkapazitäten geführt haben.
Technologischer Innovationswettlauf und deutsche Gegenstrategien
Trotz der Marktkrise bescheinigen Branchenkenner den deutschen Herstellern eine technische Aufholjagd. Nach Einschätzung von Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach ist die Talsohle bei Innovationen durchschritten. Seit ein, zwei Jahren wird es wieder besser
, erklärte Bratzel gegenüber n-tv. Chinesische Hersteller sind immer noch besser, aber bei ihnen geht es jetzt nicht mehr bergauf.
Besonders Mercedes-Benz punktet laut den Analysen mit hohen Reichweiten bei Modellen wie dem EQS und dem VLE sowie bidirektionalen Ladefunktionen. Sylvia Gerl, Geschäftsführerin der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kfz-Gewerbe in Northeim, beobachtet die Entwicklung vor Ort und verweist gegenüber der HNA auf Konkurrenten wie Denza, die mit ultraschneller Ladetechnik Aufsehen erregen und im Sommer einen Showroom in Hamburg eröffnet haben.

Um im harten Wettbewerb zu bestehen, suchen deutsche Unternehmen verstärkt die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. So kooperiert Audi mit SAIC für die rein elektrische Submarke AUDI, und Opel plant in Rüsselsheim die gemeinsame Fertigung von Elektro-SUV mit dem Partner Leapmotor unter dem Dach von Stellantis. Auch bei Volkswagen setzt man auf neue Wege, während die Verkäufe von Modellen wie dem ID. Unyx 08 hinter den Erwartungen zurückbleiben. Unyx 08 hinter den Erwartungen zurückbleiben. Gleichzeitig verlegte der chinesische Hersteller BYD seine Deutschlandzentrale nach Offenbach an den Kaiserlei, während Zulieferer wie Continental in Frankfurt Stellen abbauen.
Druck auf den europäischen Markt und hohe Standortkosten
Für die europäischen Traditionsmarken entsteht durch den doppelten Druck – sinkende Erträge in China und vordringende Konkurrenz in Europa – eine schwere Belastung. Laut Daten von FOCUS online führte die EU von Januar bis August 2026 rund 1,1 Millionen Pkw aus China ein und übertraf damit das Importvolumen des gesamten Vorjahres. Stefan Bratzel warnt vor dieser Entwicklung bei n-tv:

Die chinesischen Hersteller zeigen zunehmend, dass sie ihre technologische Stärke auch in Marktanteile übersetzen können, inzwischen auch in Deutschland. Eine Verdopplung ihrer E-Auto-Neuzulassungen ist ein deutliches Warnsignal für die etablierten Hersteller.
Stefan Bratzel, Branchenexperte am Center of Automotive Management
Analysen der Umweltorganisation Transport & Environment zeigen, dass chinesische Elektromodelle im Durchschnitt 21 Prozent günstiger angeboten werden als vergleichbare Konkurrenzmodelle. Die Europäische Union versucht zwar, ihre heimische Industrie durch zusätzliche Zölle auf Elektroautos zu schützen, doch diese Maßnahme konnte den Markteintritt neuer Marken nicht stoppen. Zudem umgehen viele Hersteller die Zölle, indem sie Fabriken in Europa errichten – wie Great Wall in Lovech, Leapmotor in Zaragoza oder BYD in Ungarn – oder verstärkt auf Hybridmodelle setzen, die von den Schutzzöllen nicht erfasst werden.
Neben den schnellen Entwicklungszeiten der asiatischen Konkurrenz kämpfen die deutschen Autobauer laut KPMG-Experte Roman Wenk mit hohen Standortkosten und einer langsamen Digitalisierung.
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