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Gesundheit

Völlig neue Möglichkeiten“ – KI-Therapie lässt Parkinson-Patienten wieder laufen

Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) haben einen KI-gesteuerten Hirnschrittmacher entwickelt, der die Mobilität von Parkinson-Patienten verbessert. Das System, dessen Ergebnisse in „Nature Medicine“ veröffentlicht wurden, passt die Hirnstimulation in Echtzeit an die Aktivität der Betroffenen an, um insbesondere Gangstörungen effektiver zu behandeln.

Echtzeit-Anpassung: Wie die KI-Stimulation funktioniert

Das in Lausanne entwickelte System bricht mit dem Prinzip der konstanten Stimulation. Während herkömmliche Hirnschrittmacher einen gleichbleibenden elektrischen Impuls abgeben, nutzt die neue Technologie Künstliche Intelligenz, um die Hirnsignale der Patienten kontinuierlich auszuwerten. Laut einem Bericht von blue News erkennt das System in Echtzeit, in welcher Position sich der Patient befindet.

Die KI unterscheidet dabei konkret zwischen drei Zuständen: ob eine Person gerade sitzt, steht oder geht. Basierend auf dieser Erkennung reguliert das System die Intensität der elektrischen Impulse automatisch. Diese adaptive Steuerung ermöglicht es, die Stimulation präzise auf die jeweilige körperliche Aktivität abzustimmen, anstatt eine starre Einstellung über den gesamten Tag beizubehalten.

Die Grenzen der klassischen Tiefen Hirnstimulation

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist seit Jahren ein etablierter Standard bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit. Bei diesem Verfahren werden chirurgisch feine Elektroden in spezifische Hirnareale implantiert, die mit einem meist im Brustbereich unter die Haut gesetzten Impulsgenerator verbunden sind. Sie ist besonders wirksam bei der Linderung von Zittern oder Muskelsteifheit. Doch die Therapie stößt bei einer der belastendsten Symptome an ihre Grenzen: den Gangstörungen.

Die Grenzen der klassischen Tiefen Hirnstimulation

Ein kritisches Problem bei Parkinson ist das sogenannte „Freezing“, ein plötzliches Gefühl, als wären die Füße am Boden festgeklebt, was die Sturzgefahr massiv erhöht. Wie die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) und das Universitätsspital Lausanne in einer Mitteilung erklärten, wirkt die klassische Stimulation gegen diese spezifischen Mobilitätseinschränkungen oft nur begrenzt. Die starre Impulsabgabe kann die komplexen Anforderungen eines dynamischen Bewegungsablaufs wie dem Gehen nicht optimal abdecken.

Hier setzt der neue Ansatz an. Durch die Variabilität der Impulse wird die Therapie von einer statischen Unterstützung zu einer dynamischen Reaktion auf den tatsächlichen Bedarf des Patienten.

Ergebnisse der Studie mit 35 Parkinson-Patienten

Im Rahmen der Untersuchung wurden 35 Parkinson-Patientinnen und -Patienten analysiert. Allen Teilnehmenden waren Elektroden in den Nucleus subthalamicus implantiert. Dieser Bereich ist Teil der Basalganglien, einem tief liegenden Netzwerk im Gehirn, das eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Feinabstimmung von Bewegungsabläufen spielt und bei Parkinson oft eine übermäßige Aktivität aufweist.

AI for Parkinson’s Disease research

Die Daten zeigen, dass die adaptive Stimulation die Mobilität der Teilnehmenden deutlich steigerte. Ein Studienteilnehmer beschrieb die Veränderung in der Mitteilung der Forschungseinrichtungen wie folgt:

Früher konnte ich kaum gehen, weil sich meine Beine schwer anfühlten oder sich manchmal unkontrolliert bewegten. Jetzt, da sich die Stimulation an meine Aktivität anpasst, kann ich besser und über längere Strecken gehen.

Ein Studienteilnehmer, via blue News

Diese subjektive Verbesserung korreliert mit dem Ziel der Forscher, nicht nur Symptome zu unterdrücken, sondern die Lebensqualität durch eine gesteigerte Autonomie im Alltag spürbar zu erhöhen.

Der Weg in den klinischen Alltag

Trotz der positiven Resultate, die im Fachblatt „Nature Medicine“ präsentiert wurden, ist das System noch nicht bereit für die breite Anwendung. Die Forscher stufen die aktuellen Ergebnisse primär als wichtigen Machbarkeitsnachweis (Proof of Concept) ein. In der medizinischen Forschung dient ein solcher Nachweis dazu, zu belegen, dass eine theoretische Hypothese in der Praxis grundsätzlich funktioniert, bevor kostenintensive und groß angelegte klinische Prüfungen erfolgen.

Der Weg in den klinischen Alltag

Bevor die KI-gesteuerte Stimulation in den klinischen Alltag integriert werden kann, müssen zwei wesentliche Hürden genommen werden:

  • Skalierung: Die Technologie muss in deutlich größeren Patientengruppen getestet werden, um die allgemeine Wirksamkeit und statistische Signifikanz zu belegen.
  • Langzeitstabilität: Es muss geprüft werden, ob die adaptive Stimulation über längere Zeiträume hinweg stabil bleibt und keine unerwünschten Langzeiteffekte hat.

Das Forschungsteam plant daher weitere Untersuchungen, um die langfristige Wirksamkeit der Therapie zu sichern. Der Übergang von einem kontrollierten Studienumfeld zu einer dauerhaften medizinischen Anwendung wird Zeit und weitere Validierungen erfordern.

Hinweis: Diese Informationen dienen der Berichterstattung über medizinische Forschung. Bitte konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt oder einen qualifizierten Neurologen für medizinische Beratung und Therapieentscheidungen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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