Der Thurgauer SVP-Nationalrat Pascal Schmid verzichtet auf eine Kandidatur für den Bundesrat. Schmid, der in der Partei als profiliertester Asylspezialist gilt, begründet den Abschied vom Rennen für die Nachfolge von Guy Parmelin mit seiner geplanten Ständeratskandidatur und seiner Anwaltspraxis.
Die Schweizer Volkspartei muss im Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz von Guy Parmelin einen weiteren empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Nach Natalie Rickli hat mit Pascal Schmid ein weiterer Name offiziell abgewunken. Schmid gab seinen Entschluss in einem am Dienstag veröffentlichten exklusiven Interview bekannt. Er habe eine umfassende Lagebeurteilung vorgenommen und die Entscheidung schliesslich gemeinsam mit seiner Frau als Bauchentscheid getroffen, so der Thurgauer Nationalrat gegenüber dem Tages-Anzeiger.
Pascal Schmid setzt auf Ständerat und Anwaltskanzlei
Obwohl Christoph Blocher den Thurgauer Asylspezialisten in dessen Internetformat «Teleblocher» als stärksten SVP-Kandidaten auf den Schild gehoben und gelobt hatte, zieht Schmid seine Konsequenzen aus der persönlichen Lebensplanung. Bei den nationalen Wahlen im Herbst nächsten Jahres bewirbt er sich um einen Sitz in der kleinen Kammer. Des Weiteren wolle er seine Arbeit als Partner in einer Anwaltskanzlei fortführen, erklärte er nach einer tiefgehenden Analyse und Gesprächen auf verschiedenen Ebenen und in diversen Instanzen.

Die Aktivität im Parlament und der Kontakt zu den Menschen seien ihm sehr wichtig. Eine Regierungsverantwortung würde seine Lebenssituation stark verändern. Auch sachpolitische Überlegungen flossen in den Entscheid ein: Als Bundesrat hätte er beispielsweise für die neuen EU-Verträge werben müssen, die er bekämpfen will. Der Entscheid sei ihm extrem schwergefallen, so Schmid, der als ehemaliger Präsident des Bezirksgerichts Weinfelden über fundierte Rechtskenntnisse verfügt und von der SVP Schwyz sowie weiteren Kreisen als Favorit und Asylspezialist gehandelt wurde. Eine spätere Kandidatur schliesst der Jurist jedoch nicht aus, und er zeigt sich überzeugt, dass die Partei bis zum Fristablauf am Freitag noch gute Kandidaten präsentieren wird.
Welle von Absagen bei prominenten Bundesratsanwärtern
Schmids Rückzug folgt auf eine Serie von Absagen innerhalb der grössten Schweizer Partei. Bundespräsident Guy Parmelin hatte nach elf Jahren im Amt bekannt gegeben, dass er Ende Jahr zurücktritt; das anstrengende Präsidialjahr habe ihn ausgebrannt. Neben den bereits zuvor ausgeschiedenen Natalie Rickli und Esther Friedli hat auch der Solothurner Nationalrat Christian Imark offiziell abgewunken. Imark begründete seinen Schritt mit seiner familiären Situation, da seine zwei kleinen Kinder ihren Vater bräuchten, und verwies zudem auf noch laufende Projekte.
Ebenfalls nicht antreten werden SVP-Parteipräsident Marcel Dettling, der sich auf die Führung seiner Partei fokussieren will, während Benjamin Giezendanner (AG) eine Kandidatur laut der «Sonntagszeitung» nicht ausschliesst und sich diese überlegen würde, falls die Partei auf ihn zukomme. Nachdem sie von Esther Friedli vorgeschlagen wurde, überlegt sich auch der SVP-Staatsrat Franz Ruppen eine Kandidatur. Auch André Rüegsegger, der von der SVP Schwyz ins Rennen geschickte Regierungsrat, wurde von Christoph Blocher als munterer Bursche bezeichnet. Alt Bundesrat Christoph Blocher nannte zudem Natalie Rickli als ernstzunehmende Kandidatin, die als Gesundheitsdirektorin und Regierungsrätin sowie durch ihre frühere Tätigkeit als Generalsekretärin des kantonalen Bildungsdepartements Führungserfahrung gesammelt hat, während er die St. Galler Ständerätin Esther Friedli ebenfalls als gute Kandidatin bewertete.
Céline Amaudruz vorerst als einzige offizielle Bewerberin
Mit den zahlreichen Absagen dünnt sich das Feld der potentiellen Nachfolger spürbar aus. Bis Freitagmittag müssen die Kantonalparteien ihre Leute vorschlagen. Die Eidgenössische Bundesversammlung wird am 9. Dezember einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin wählen. Bezüglich der Frage des Geschlechts oder der Sprachregion betonte Pascal Schmid gegenüber Medien, dass es sekundär sein müsse, ob es sich um einen Mann oder eine Frau, eine Romande oder einen Deutschschweizer handle.
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