Der kanadische Verlag Boréal hat die Zusammenarbeit mit dem Bestseller-Autor Thelyson Orelien beendet, nachdem der Nachweis erbracht wurde, dass der haitianisch-kanadische Schriftsteller künstliche Intelligenz beim Verfassen seines Romans It Was Either That or Die
eingesetzt hat.
Der Verlag Boréal gab bekannt, dass er nach dem Bekanntwerden von Manipulationsvorwürfen im September eine erneute Prüfung eingeleitet habe (Canadian publisher drops writer Thelyson Orelien over AI use in novel | Technology News). Ursprünglich hatte der kanadische Verlag noch in der Vorwoche erklärt, an dem 38-jährigen Autor festhalten zu wollen.
Metadaten-Analyse liefert Belege für KI-Nutzung
Die Ergebnisse brachten Spuren von KI-Tags in den Metadaten bestimmter Dokumente zutage, nachdem Boréal sämtliche Arbeitsversionen des Romans gesammelt und eine externe Partei mit der Analyse beauftragt hatte. Der Verlag räumte zwar ein, dass man das genaue Ausmaß wohl nie lückenlos aufklären könne, doch die Funde gaben den Ausschlag für den Verlagsausschluss.
Orelien kündigte daraufhin an, keinerlei weitere Informationen zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat Les Éditions du Boréal klargestellt, weder den Roman nachdrucken noch künftige Bücher des Autors veröffentlichen zu wollen (Publisher Cuts Ties With Quebec Author After Finding Evidence Of Ai Use).
Widersprüchliche Aussagen des Autors und der internationale Druck
Gegenüber dem Sender AFP bezeichnete Orelien die Anschuldigungen zunächst als slander and heresy
. Er argumentierte, er habe die Werkzeuge lediglich für Recherchen, insbesondere bei Fremdwörtern, verwendet.
Kein einziger Satz in diesem Buch wurde von einer Maschine erschaffen, ebenso wenig wie die Bedeutung oder die Struktur einer Geschichte, die aus meinem Bauch kommt.
Thelyson Orelien, Autor
Er räumte ein, künstliche Intelligenz in the creative process
für historische Recherchen eingesetzt zu haben, betonte jedoch, dass er mit dem Schreiben des Buches bereits Ende 2017 begonnen hatte, lange bevor generative KI-Dienste wie ChatGPT einem breiten Publikum zur Verfügung standen. Als die Debatte im September aufkam, äußerte Orelien zudem den Verdacht, dass rassistische Motive hinter den Angriffen gegen ihn stecken könnten.
Rücknahme von Nominierungen und Preisen
Vor der Kontroverse war das Buch mit dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet worden und stand auf den Nominierungslisten mehrerer bedeutender französischer Literaturpreise (Publisher Cuts Ties With Quebec Author After Finding Evidence Of Ai Use). Eine Übersetzung in mehr als 20 Ländern war geplant (Canadian publisher drops writer Thelyson Orelien over AI use in novel | Technology News), während das Werk im Französischen unter dem Titel C’était ça ou mourir
(It was either that or dying
) bekannt ist.
Grundlage dafür waren Tests mit dem KI-Detektor Pangram, die eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent für computergenerierte Textanteile anzeigten, woraufhin der französische Literaturpreis Goncourt das Werk von seiner Auswahlliste strich.
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