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Technik und Wissenschaft

DMV kritisiert Tech-Konzerne wegen KI-Nutzung in der Mathematik

Technologie-Konzerne nutzen die Mathematik zunehmend als Demonstrationsobjekt für künstliche Intelligenz. Laut der Deutschen Mathematiker-Vereinigung werden dabei jedoch ungesicherte Preprint-Daten verarbeitet und wissenschaftliche Standards untergraben, während Mathematiker vor Verzerrungen und dem Verlust offener Forschung warnen.

Die Entwicklung und das Training von KI-Modellen erfolgt derzeit in Teilen anhand von Lösungsversuchen für mathematische Probleme, wie am 7. Oktober 2026 aus Berlin berichtet wurde. Zwar begrüßen Mathematikerinnen und Mathematiker die technischen Fortschritte grundsätzlich und setzen teils selbst auf künstliche Intelligenz, doch laut der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) wird die Disziplin von einigen Technologie-Konzernen primär zur Demonstration der eigenen Potenz missbraucht.

Urheberrechtsprobleme und ungeprüfte Preprint-Server

Bei eingehender Prüfung durch Forschende stellt sich laut Berichten oft heraus, dass von Tech-Konzernen kommunizierte Erfolge nicht in jedem Fall echte Durchbrüche darstellen; dies zeigte sich unter anderem bei den Navier-Stokes-Gleichungen, und auch zwei Mathematiker fühlten sich bei den Prozessen übergangen, weil sie geringfügig schneller waren. DMV-Präsident Jürg Kramer kritisiert insbesondere den Umgang mit geistigem Eigentum.

Das Urheberrecht ist in der Tat ein grundsätzliches Problem.

Jürg Kramer, Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV)

Laut Kramer nutzen KI-Modelle vorhandenes Wissen meist ungefiltert und unerlaubt. Betroffen sind davon auch Publikationen auf Preprint-Servern, die den Peer-Review-Prozess durch Fachleute noch nicht durchlaufen haben. Das bedeutet neben dem Raub geistigen Eigentums auch, dass diese Daten wissenschaftlich noch nicht gesichert sind und bei mathematischen Beweisführungen mit Vorsicht betrachtet werden müssen.

Auswirkungen auf den offenen wissenschaftlichen Austausch

Die ungeprüfte Verarbeitung jeglicher Forschungspublikationen durch automatisierte Systeme hat spürbare Konsequenzen für die Fachcommunity. Forschende stellen ihre Arbeitsfortschritte aus Sorge vor automatisierter Verwertung seltener ins Internet, weder auf Preprint-Server noch in eigene Blogs.

Dieser Rückzug bremst den wissenschaftlichen Fortschritt laut DMV deutlich aus und verhindert einen offenen Austausch, der für die Mathematik von zentraler Bedeutung ist. Als mögliche Gegenmaßnahme nennt der Verband eine künftige Aufwertung klassischer Wissenschaftsverlage. Diese veröffentlichen ausschließlich begutachtete Arbeiten und sichern die Ergebnisse hinter Bezahlschranken ab, die von heutigen KI-Modellen noch nicht einfach umgangen werden können.

Ergebnisorientierung und Methodenvermittlung im Konflikt

Ein weiteres Problem sehen Fachleute in der rein ergebnisorientierten Arbeitsweise künstlicher Intelligenz. Für die Mathematik ist dieser Ansatz nur bedingt sinnvoll, da es in der Forschung nicht nur darum geht, für ein bestimmtes Problem möglichst schnell einen Beweis zu erbringen.

Vielmehr zeichnet sich mathematische Arbeit dadurch aus, auf dem Weg zum Beweis neue Methoden zu entwickeln und diesen effizient sowie elegant zu gestalten, statt rein auf maximale Rechenpower durch Brute-Force-Methoden zu setzen. Diese Herangehensweise ist laut DMV essenziell, um den mathematischen Nachwuchs nachhaltig zu echten Erfolgen zu führen. Die aktuellen Entwicklungen erschüttern nach Ansicht des Verbandspräsidenten die Grundfesten der mathematischen Forschung, weshalb sie zum Wohle des Fachs aktiv mitgestaltet werden müssen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.