Es ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, das sich derzeit zwischen Washington und Teheran abspielt. Während Vizepräsident JD Vance mit einer Delegation in Richtung Islamabad aufbricht, um eine dauerhafte Friedenslösung zu finden, schießt US-Präsident Donald Trump rhetorisch aus allen Rohren. Die Spannung ist fast greifbar: Auf der einen Seite steht die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch in Pakistan, auf der anderen die martialische Drohung eines Präsidenten, der den Iranerinnen und Iranern öffentlich vorwirft, sie seien nur noch am Leben, um zu verhandeln.
Zwischen Diplomatie und Vernichtungsdrohung
Die Strategie der US-Regierung wirkt derzeit wie ein gespaltenes Gesicht. JD Vance wählte vor seinem Abflug nach Pakistan einen Ton der Besonnenheit. Er zeigte sich optimistisch und betonte, dass die USA bereit seien, dem Iran die Hand zu reichen, sofern Teheran „in gutem Glauben“ verhandle. Es ist Vance‘ erste Mission als Leiter des US-Verhandlungsteams. Er warnt zwar vor Täuschungsversuchen, setzt aber auf den Dialog.
Donald Trump hingegen nutzt seine Plattform „Truth Social“ als digitales Schlachtfeld. In einer Sprache, die international und auch im eigenen Land für heftige Kritik sorgt, lässt er keinen Zweifel an seiner Haltung. Er behauptet, der Iran besitze keinerlei Druckmittel mehr, abgesehen von der „kurzzeitigen Erpressung der Welt“ durch die Blockade der Straße von Hormus. Trump spricht von einem „gewaltigsten Neustart der Welt“, doch die Worte sind mit einer harten Bedingung verknüpft. In einem Interview mit der „New York Post“ warnte er, dass die US-Schiffe bereits mit der „besten Munition“ und den modernsten Waffen beladen würden, falls die Gespräche scheitern sollten.
Die harten Bedingungen aus Teheran
Der Iran lässt sich jedoch nicht allein durch Drohungen in die Knie zwingen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat klare Voraussetzungen für den Beginn der Verhandlungen genannt. Er pocht auf die Freigabe blockierter iranischer Vermögenswerte und eine Waffenruhe im Libanon. Teheran knüpft die Teilnahme an den Gesprächen direkt an ein Ende der israelischen Angriffe auf die Hisbollah-Miliz.
Diese Forderungen treffen auf eine extrem volatile Lage. Während die USA und der Iran eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart haben, bleibt die Situation am Boden explosiv. Erst kürzlich meldete Kuwait einen iranischen Angriff auf Einrichtungen der Nationalgarde, bei dem Militärangehörige verletzt wurden. Gleichzeitig berichtet die israelische Armee, seit Anfang März mehr als 4.300 Stellungen der Hisbollah im Libanon zerstört zu haben. Israel unterstützt zwar die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, stellt aber klar, dass diese Vereinbarung die Kämpfe gegen die Hisbollah nicht umfasst.
Ein Krieg mit tiefen Narben und ökonomischen Schocks
Um die aktuelle Verzweiflung und Aggression zu verstehen, muss man auf den 28. Februar zurückblicken. An diesem Tag begannen die USA und Israel mit massiven Angriffen auf den Iran. Die Operationen führten zum Tod von Ajatollah Ali Khamenei, woraufhin sein Sohn Modschtaba Chamenei die Staatsspitze übernahm. Der Iran reagierte mit Angriffen auf Israel und die Golfstaaten sowie der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus.
Die Märkte reagierten prompt und heftig. Die Ölpreise schossen in Höhen, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Erst die Nachricht über die zweiwöchige Waffenruhe brachte eine Wende. Der US-Benchmark West Texas Intermediate stürzte innerhalb einer Stunde um mehr als 13 % auf unter 92 Dollar pro Barrel ab. Dennoch bleiben die Preise weit über dem Niveau vor Kriegsbeginn.
Nun liegt das Schicksal einer dauerhaften Lösung in den Händen der Verhandler in Islamabad. Pakistan, vertreten durch Ministerpräsident Shehbaz Sharif, sieht diese Gespräche als entscheidend für den gesamten Nahen Osten. Ob die „gutem Glauben“-Diplomatie von Vance gegen die martialische Rhetorik Trumps und die harten Forderungen Ghalibafs ankommt, wird sich ab Samstag zeigen.
Was ist das Ziel der Gespräche in Pakistan?
Die USA und der Iran wollen in Islamabad eine dauerhafte Friedenslösung für den Krieg finden, der am 28. Februar begann. Ziel ist es, die aktuelle zweiwöchige Waffenruhe in einen permanenten Waffenstillstand zu überführen.
Welche Bedingungen stellt der Iran für die Verhandlungen?
Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf fordert die Freigabe blockierter iranischer Vermögenswerte sowie eine Waffenruhe im Libanon, insbesondere ein Ende der israelischen Angriffe auf die Hisbollah.
Welche Folgen könnte ein Scheitern der Verhandlungen haben?
Präsident Trump hat bereits gedroht, im Falle eines Scheiterns „die besten Waffen, die je hergestellt wurden“, in „sehr wirkungsvoller Weise“ einzusetzen. Zudem bleibt die Gefahr weiterer Angriffe auf Golfstaaten, wie der jüngste Vorfall in Kuwait zeigt, sowie eine erneute Destabilisierung der Ölpreise durch die Lage an der Straße von Hormuz.