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Gesundheit

Utah: Behörden handeln nicht bei Vogelgrippe auf Nerz-Farm

Ein unkontrollierter Ausbruch von hochpathogener Vogelgrippe des Typs H5N1 auf einer Nerz-Farm in Utah breitet sich seit August 2026 aus. Infektionsbiologen und Veterinäre warnen vor Pandemie-Risiken, während staatliche und Bundesbehörden bislang weder eine Keulung der Tiere angeordnet noch die Farmarbeiter aktiv getestet oder überwacht haben.

Ausbruch auf der Nerz-Farm in Utah breitet sich seit August aus

Auf einer Nerz-Farm west von Provo in Utah sterben seit zwei Monaten Tiere an einem Ausbruch der hochpathogenen aviären Influenza. Nach Angaben aus freigegebenen Kommunikationsdaten, die im Rahmen eines Antrags nach dem Öffentlichkeitsgesetz zugänglich wurden, erfuhren Behörden in Utah Mitte August von den ersten Todesfällen auf der Anlage von C&T Fenn Farms, die etwa eine Autostunde südlich von Salt Lake City liegt. Laut Aufzeichnungen aus der Datenbank des US-Landwirtschaftsministeriums USDA entdeckten unabhängige Krankheitsbeobachter das Geschehen, nachdem die Behörde ihren jährlichen Nerz-Bericht im Vorjahr eingestellt hatte, wie Jim Keen, ehemaliger Forschungsذاtler des USDA, und Oberst Tom Pool, früherer Chef des Veterinärkommandos der US-Army, in einem offenen Brief von Animal Wellness Action und dem Center for a Humane Economy ausführten. Die Anlage erwartet nach Angaben aus den Regierungsakten, dass bis zu 80 Prozent der Tiere sterben könnten, während das Ministerium bestätigte, dass die Proben am 17. August 2026 positiv getestet wurden.

Genetische Analysen von zehn im August gesammelten Proben zeigen, dass der Virusstamm zu der im Jahr 2026 bei Rindern zirkulierenden Klade 2.3.4.4b gehört, die Genotyp-Bezeichnung B3.13 trägt und eng mit im Mai in Texas dokumentierten Erregern sowie Funden bei Rindern in Idaho und Utah verwandt ist, wie eine vorläufige Untersuchung auf Virological.org belegt. Die Autoren der Studie – darunter Forscher der National Institutes of Health, des Pirbright Institute, des Imperial College London und der Sorbonne Université – merkten an, dass alle zehn Mink-Viren eine Substitution namens PB1-K388R aufweisen, die bereits beim Ausbruch in Spanien beobachtet wurde, in Vögeln jedoch selten vorkommt und bei Rindern gänzlich fehlt. Es ist das erste Mal, dass H5N1-Viren in Gefangenschaft gehaltener Nerze auf dem amerikanischen Kontinent nachgewiesen wurden. Frühere Epidemien traten in den Jahren 2022 in Spanien, wo 50.000 Nerze getötet wurden, und 2023 in Finnland auf.

Experten warnen vor Gefahren für den Menschen und kritisieren Behörden

Wissenschaftler betonen, dass Nerze auf zellulärer Ebene in ihrer Lunge und ihren Atemwege eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zum Menschen aufweisen und einen hohen Anteil an $alpha$2,6-verknüpften Sialinsäuren besitzen. Bereits während der COVID-19-Pandemie starben auf neun Farmen in Utah fast 10.000 Tiere an Coronaviren, wobei der Erreger laut einer Veröffentlichung im Fachjournal Emerging Infectious Diseases vermutlich von infizierten Arbeitern übertragen wurde. Fachleute vergleichen die Haltungsbedingungen nun mit einem idealen Nährboden für Mutationen.

Avian flu in utah mink ranch
Foto: Vet Candy

Diese Tiere würden dicht gedrängt zusammenleben, wobei jede Infektion die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein neuer Stamm durch Mutation entsteht.

Mink farm credit cergios
Foto: Raw Story

ProPublica-Bericht, übernommen via NewsNation

Jennifer Nuzzo, Epidemiologieprofessorin und Direktorin des Pandemie-Zentrums an der Brown University School of Public Health, betonte im Gespräch mit The Guardian, dass kein Tier oder Mensch durch Verschwiegenheit geschützt werde. In anderen europäischen Ländern reagierten die Behörden bei früheren Nerz-Ausbrüchen mit einer sofortigen Tötung der Tiere und strengen Quarantänemaßnahmen für Arbeitskräfte. Tom Peacock, ein Forscher für aviäre Influenza am Pirbright Institute, erklärte gegenüber ProPublica und Yahoo, dass in jedem anderen ihm bekannten Land mit H5N1 auf Pelztierfarmen eine rasche Depopulation erfolgt sei und das Ausbleiben dieses Schrittes äußerst besorgniserregend sei. In Utah unterblieben solche Schritte jedoch. Laut den veröffentlichten Dokumenten erklärte die zuständige staatliche Tierärztin Amanda Price, dass das US-Zuchtministerium USDA keine spezifischen Vorschriften oder zugelassenen Impfstoffe für Nerze bereithalte, und bezeichnete die Situation gegenüber ProPublica als niederschmetternd, da das Lebenswerk eines Züchters zerstört werde. Gleichzeitig machten Vertreter der Pelzindustrie geltend, dass eine vollständige Keulung das Unternehmen und die gesamte Branche ruinieren würde, was durch eine umstrittene Bestimmung im Farm Bill der Kongresskreise noch angeheizt wird, die ein jahrzehntelanges Verbot von Bundesförderungen für den Nerz-Export kippen will.

Rolle der Überwachung und offene Fragen zum Infektionsstatus

Die staatlichen Stellen verzichteten zudem auf eine aktive Überwachung oder Testung der Farmarbeiter, obwohl die Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde CDC dies ausdrücklich fordern. Gail Hansen, eine ehemalige Tierärztin und Epidemiologin aus Kansas, äußerte gegenüber ProPublica ihr Erstaunen darüber, ob Utah das Epizentrum des nächsten menschlichen Grippeausbruchs werden wolle. Eine Person, die auf der Farm arbeitete, zeigte nach Berichten von ProPublica eine gerötete Bindehaut am Auge – ein Symptom, für das die CDC dringende Tests empfiehlt. Der Farmbesitzer Chad Fenn gab gegenüber Reportern an, dass der Arbeiter lediglich Staub im Auge gehabt habe und die Gesundheitsbehörde keine Tests empfohlen habe. Amanda Price erklärte zudem, sie habe eine mündliche Sperre für die Bewegung von Nerzen, Mist und Kadavern verhängt.

Utah: Behörden handeln nicht bei Vogelgrippe auf Nerz-Farm
Foto: Virological

Epidemiologen kritisieren das Vorgehen scharf. Erin Sorrell, eine leitende Wissenschaftlerin am Johns Hopkins Center for Health Security, erklärte gegenüber Reportern, dass man ohne aktive Überwachung keine Aussagen über das Ausbleiben weiterer Infektionen treffen könne, denn wer nicht suche, finde auch nichts. Der Farmbesitzer berichtete gegenüber Journalisten, dass sich das Virus auf der Anlage zwar weiterverbreite, die Infektionsrate jedoch etwas nachgelassen habe.

Utah: Behörden handeln nicht bei Vogelgrippe auf Nerz-Farm
Foto: Yahoo

Unterdessen erklärten die Centers for Disease Control and Prevention, dass das Risiko für die allgemeine Bevölkerung niedrig bleibe und bisher keine Übertragungen von Mensch zu Mensch festgestellt wurden, während in den USA seit Februar 2024 insgesamt 72 menschliche Fälle von A(H5)-Vogelgrippe vorwiegend im Zusammenhang mit Milchkühen registriert wurden.

Die Tierschutzorganisationen Animal Wellness Action und das Center for a Humane Economy forderten den Kongress in ihrem Schreiben an die Landwirtschaftsausschüsse von Repräsentantenhaus und Senat auf, keine Steuergelder für die Exportförderung einer Branche bereitzustellen, die als biologische Zeitbombe bezeichnet wurde. Jim Keen warnte in diesem Zusammenhang vor den potenziellen Gefahren für die öffentliche Sicherheit.

Während Jennifer Nuzzo anmerkte, dass sie keine Signale für eine tatsächliche Ausbreitung des Virus auf den Menschen sehe, bleibt die Sorge vor einer Neukombination mit saisonalen Influenzaviren zu Beginn der Grippesaison bestehen. Das USDA teilte indessen mit, dass es über keine spezifischen Programme zur Impfung, Keulung oder Entschädigung von Nerzhaltern verfügt.

Die Behörden in Utah und das dortige Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung reagierten laut Medienberichten nicht umgehend auf Anfragen zur Stellungnahme.

Der Fall bleibt nach Angaben von Forschern und Aufsichtsbehörden ein kritischer Test für die behördliche Transparenz und die seuchenrechtliche Überwachung von Säugetieren im Zeitalter neu auftretender Zoonosen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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