Die USA und der Iran haben am Sonntagabend ein historisches Rahmenabkommen unterzeichnet, das den seit Monaten schwelenden Konflikt beenden und die Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt wieder öffnen soll. Doch der Deal steht unter Druck: Ein israelischer Luftangriff auf die Vororte von Beirut verzögerte die geplante Unterzeichnung zeitweise, während US-Präsident Donald Trump Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu scharf kritisierte und der Iran die Verlässlichkeit der USA infrage stellte.
Ein Abkommen, das fast scheitert – und was jetzt noch unklar ist
Laut ORF und Tiroler Tageszeitung sollte das Abkommen ursprünglich am Sonntag unterzeichnet werden – doch ein israelischer Angriff auf Ziele der Hisbollah-Miliz in Dahiyeh, einem Vorort von Beirut, warf einen Riegel vor. Der iranische Chefunterhändler Mohammed Bagher Qalibaf erklärte daraufhin, die USA hätten „keine Fähigkeit oder keinen Willen“, ihre Zusagen einzuhalten, und stellte die Fortsetzung der Verhandlungen infrage. Trump reagierte mit scharfer Kritik an Netanyahu: „Warum musste Bibi einen verdammten Angriff starten? Ich war so stinksauer“, schrieb er auf Truth Social. Die Unterzeichnung wurde zwar später nachgeholt, doch die Spannungen bleiben.
Das Abkommen sieht vor, dass der Iran seine Militäreinsätze an allen Fronten – einschließlich des Libanon – sofort einstellt und die USA ihre Seeblockade aufheben. Zudem werden 25 Milliarden Dollar iranische Auslandsguthaben freigegeben, und die Sanktionen gegen iranische Ölexporte werden zunächst für zwei Monate ausgesetzt. Die Straße von Hormus soll laut Trump innerhalb von 30 Tagen wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet werden – allerdings erst nach der Räumung von Minen, wie er auf Truth Social ergänzte.
Wer gewinnt – und wer verliert?
Für den Iran ist das Abkommen ein diplomatischer Erfolg: Teheran erhält nicht nur finanzielle Entlastung und die Kontrolle über die Straße von Hormus, sondern kann auch seine Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah-Miliz fortsetzen, ohne militärische Gegenmaßnahmen befürchten zu müssen. „Die USA und Israel haben ihre Kriegsziele nicht erreicht“, erklärte der iranische Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi. Laut WELT sieht sich der Iran bereits als Sieger des Konflikts.
For more on this story, see Großartiger Deal“: US-Präsident erwartet Kriegs-Ende mit dem Iran – das steckt dahinter.
Die USA hingegen gehen mit leeren Händen aus: Der Iran hat keine konkreten Zugeständnisse bei seinem Atomprogramm gemacht, und die Freigabe der Auslandsguthaben ist an Bedingungen geknüpft. Zudem bleibt die Kontrolle über die Straße von Hormus umstritten – während die USA ihre Blockade aufheben, will der Iran laut iranischen Medien die Schifffahrt dauerhaft unter seiner Regie regulieren. „Teheran wird in den nächsten zwei Monaten rund acht Milliarden Dollar mit Ölexporten verdienen und danach noch weniger zu Zugeständnissen bereit sein“, warnte der ehemalige US-Nahostbeauftragte Brett McGurk im „Die Presse“.
Israel zwischen Krieg und Diplomatie – und warum Netanyahu jetzt unter Druck steht
Israels Angriff auf die Hisbollah-Hochburgen in Beirut war kein Zufall: Die Miliz hatte zuvor eine Waffenruhe verletzt, indem sie Raketen auf den Norden Israels abfeuerte. Doch der Zeitpunkt des Angriffs – nur eine Stunde vor der geplanten Unterzeichnung des Abkommens – traf die USA und den Iran unvorbereitet. Trump kritisierte Netanyahu scharf: „Das ist so schlimm – ich konnte es nicht fassen“, schrieb er auf Truth Social.
Der iranische Sicherheitsrat drohte mit einer „unmittelbaren Reaktion“ auf den israelischen Angriff. Laut VOL.AT und Tiroler Tageszeitung kündigte der stellvertretende Kommandant der iranischen Streitkräfte, Mohammed Jafar Asadi, an, das Vorgehen Israels werde „nicht ungestraft“ bleiben. Gleichzeitig pocht der Iran darauf, dass der Libanon in das Abkommen einbezogen wird – eine Forderung, die Israel bisher ignoriert.
Was kommt als Nächstes? Drei offene Fragen
1. Wird die Straße von Hormus wirklich geöffnet? Trump verspricht, die Blockade innerhalb von 30 Tagen aufzuheben – doch die iranische Seite betont, die Kontrolle über die Meerenge bleibe bei Teheran. Sollte es zu neuen Spannungen kommen, könnte die Schifffahrt erneut zum Erliegen kommen.

2. Wie lange hält die Waffenruhe im Libanon? Die Hisbollah hat bereits angekündigt, dass sie weitere Angriffe auf Israel nicht ausschließt. Sollte es zu neuen Eskalationen kommen, könnte das Abkommen zwischen den USA und dem Iran scheitern – oder zumindest stark belastet werden.
This follows our earlier report, Iran War Live Updates: Trump Says Peace Deal Is Near.
3. Was passiert mit dem iranischen Atomprogramm? Die USA und der Iran haben sich auf zwei Monate Verhandlungen geeinigt, doch es ist unklar, ob Teheran bereit ist, substantielle Zugeständnisse zu machen. Sollte der Iran seine Atomaktivitäten weiter ausbauen, könnten die USA erneut Sanktionen verhängen – und das Abkommen wäre in Gefahr.
Eines ist sicher: Der Deal ist kein Friedensvertrag, sondern ein Rahmenwerk. Die nächsten 60 Tage werden zeigen, ob die USA und der Iran ihre Zusagen einhalten – oder ob der Konflikt doch noch eskaliert.
„Warum musste Bibi einen verdammten Angriff starten?
Donald Trump, via Tiroler Tageszeitung
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein – nicht nur für die Region, sondern auch für die globale Ölversorgung. Sollte die Straße von Hormus tatsächlich geöffnet werden, könnte der Ölpreis weiter sinken. Doch sollte es zu neuen Konflikten kommen, drohen neue Preisschocks. Eines ist klar: Die Welt schaut nach Teheran, Washington und Jerusalem – und wartet auf das nächste Kapitel.
Find more reporting in our Welt section.