Die US-Grippesaison hat in diesem Herbst ungewöhnlich früh begonnen. Landesweit meldeten Kliniken und das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bereits im Oktober stark steigende Fallzahlen sowie mehrere Tausend Krankenhausaufenthalte, angetrieben vor allem durch eine mutierte Variante des Virus H1N1.
Die Aktivität der Influenzaviren liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörden deutlich über den sonst für diesen Zeitpunkt üblichen Werten. Im Laufe der Woche, die am 17. Oktober endete, verzeichnete das CDC über die Überwachungssysteme fast 5.000 laborbestätigte Grippe-Hospitalisierungen im ganzen Land.
Nach Angaben aus dem FluView-Bericht stiegen die Krankenhauseinweisungen in der darauffolgenden Woche bis zum 24. Oktober weiter auf 6.100 Fälle an, was einem Zuwachs von 27 Prozent innerhalb einer Woche entspricht.
Die CDC-Daten zeigen zudem, dass die kumulierte Hospitalisierungsrate für Erwachsene ab 65 Jahren einen Wert von 13,3 pro 100.000 erreicht hat und damit mehr als dreimal so hoch ist wie in jeder jüngeren Altersgruppe. Unter den ethnischen und rassischen Gruppen wiesen nicht-hispanische schwarze Einwohner die höchste altersangepasste Hospitalisierungsrate im FluSurv-NET auf. Krankenhäuser, die an das National Healthcare Safety Network des CDC melden, verzeichneten 4.811 Grippeaufnahmen, was etwa 1,4 pro 100.000 Personen entspricht.

Die Behörde schätzt vorläufig, dass es in der Vorsaison vom 1. Oktober 2025 bis zum 23. Mai 2026 bis zu 81.000 Todesfälle durch grippebedingte Erkrankungen in den USA gab. Für die laufende Saison schätzt die Behörde mindestens 1.000.000 Erkrankungen, 16.000 Krankenhausaufenthalte und 900 Todesfälle. Darüber hinaus zeigt der Datenvergleich, dass in den Bundesstaaten wie Louisiana die Positivrate der Grippetests für die Woche zum 17. Oktober bei 8,3 Prozent lag und weiter anstieg. Im Gegensatz dazu erhielten in Louisiana Ende Dezember laut CDC-Daten lediglich 28,8 Prozent der Kinder im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren eine Grippeimpfung, während der nationale Durchschnitt bei 40,8 Prozent lag.
H1N1 treibt frühe Welle an
Verantwortlich für den frühen Start ist vor allem ein bestimmter Subtyp. Von den im Oktober untersuchten Influenza-A-Proben entfielen fast 99 Prozent auf den Stamm H1N1. Konkret waren es in der Woche zum 24. Oktober 367 von 371 subtypisierten Influenza-A-Viren, die als H1N1-pdm09 eingestuft wurden. Forscher der Northeastern University wiesen nach, dass dieser zirkulierende H1N1-Erreger eine Mutation namens G155E aufweist, die im Mai erstmals in Japan entdeckt worden war, berichtet Nature World News.
Dr. Fred Lopez, Professor für Medizin am LSU Health New Orleans, erklärte dazu, dass solche Mutationen im Vergleich zum Vorjahr auffällig seien. Ob diese Veränderung jedoch direkt für die frühe Welle verantwortlich ist, bleibt unklar, da Grippesaisons schwer vorherzusagen seien. Andrew Pekosz, Virologe an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, bezeichnete den Zeitpunkt als früh. Gleichzeitig merkte er an, dass 98,9 Prozent der getesteten H1N1-Viren gut von Antikörpern des diesjährigen Impfstoffs erkannt wurden, während es laut CDC noch zu früh ist, um zu wissen, ob sich dies auf die Wirksamkeit auswirkt.

Regionen und Altersgruppen betroffen
Die regionale Verteilung zeigt deutliche Schwerpunkte, wobei die CDC-Daten für die Woche mit Ende am 17. Oktober eine positive Testrate von 5,7 Prozent bei klinischen Labortests ausweisen. In Erie County in Pennsylvania wurden zwischen dem 1. August und dem offiziellen Beginn der Grippesaison am 1. Oktober bereits 24 Fälle registriert. Dr. Ranko Barac, Internist am Sterrettania Medical Center von LECOM Health, stellte fest, dass die von ihm untersuchten Anfangsfälle keinen ungewöhnlichen Schweregrad aufwiesen. Die bisherigen Jahresbestmarken des Landkreises verdeutlichen das Ausmaß: In der Saison 2024–25 verzeichnete das Gebiet 6.239 Fälle, 2023–24 waren es 5.219, in der Saison 2025–26 genau 5.165 und in der Saison 2022–23 insgesamt 4.661 Fälle.
Bundesweit hat das CDC im Rahmen der aktuellen Erfassung den ersten Todesfall eines Kindes in dieser Saison gemeldet, der sich in der Woche bis zum 10. Oktober ereignete und mit dem H1N1-Stamm in Verbindung gebracht wird. Zusätzlich wurde ein weiterer Todesfall eines Kindes aus der Vorsaison im Zusammenhang mit Influenza B nachgemeldet, womit die Gesamtzahl der pädiatrischen Todesfälle für die Saison 2025–26 auf 199 stieg.
Mediziner raten zu Schutzimpfungen
Angesichts der steigenden Kurven raten Mediziner dringend zur sofortigen Impfung. Andrew Pekosz betonte, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung im Vordergrund steht und die Impfung vor zwei weiteren Viren schützt: einem zusätzlichen Influenzastram A sowie einer B-Linie, die im weiteren Verlauf der Saison stark zirkulieren dürften.

Da der Körper etwa zwei Wochen benötigt, um nach einer Injektion den vollen Schutz zu entwickeln, drängen lokale Behörden wie das Berrien County Health Department in Michigan auf Termine im November. Dort berichtete Gesundheitsbeauftragter Guy Miller, dass in den ersten drei Oktoberwochen 173 krankenhausbedürftige Grippefälle registriert wurden, was mehr als dem Vierfachen der 40 Aufnahmen im Vorjahreszeitraum entspricht. Das Gesundheitsamt in Berrien County bietet Impfterpinen montags und dienstags im Büro in der Benton Harbor sowie mittwochs und donnerstags in Niles an, wobei niemand wegen seiner Versicherungssituation abgewiesen wird.
Auch das Charles County Department of Health in Maryland bietet Impfungen im Rahmen von Wochentagssprechstunden in White Plains sowie an einem Samstag im November an der St. Charles High School an. Neben der Impfung verteilt die Behörde dort Selbsttestkits für COVID-19, RSV und Grippe an allen Standorten der öffentlichen Bibliothek. Dr. Anna Durbin verwies zudem auf eine mRNA-Impfstoffoption, die in klinischen Studien ein besseres Profil und eine verbesserte Wirksamkeit zeigte. Sie empfahl, die Verfügbarkeit bei Apotheken und die Kostenübernahme durch die Versicherung zu prüfen.
Betroffene sollten bei ersten Symptomen frühzeitig einen Arzt konsultieren und bei Fieber zu Hause bleiben, bis das Fieber seit mindestens 24 Stunden verschwunden ist.
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