Die US-Regierung prüft eine gemeinsame Kandidatur des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán für das Amt des UN-Generalsekretärs. Washington hat Gespräche mit Moskau und Peking geführt, um den Nationalisten als gemeinsamen Wunschkandidaten aller drei Vetomächte zu positionieren. Das Mandat des amtierenden UN-Chefs António Guterres läuft am 31. Dezember 2026 aus.
US-Regierung, Russland und China diskutieren Orbáns Kandidatur
Die US-Regierung hat den früheren ungarischen Regierungschef Viktor Orbán ermutigt, eine Kandidatur für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres in Erwägung zu ziehen. Das Vorhaben sieht vor, Orbán als gemeinsamen Kandidaten der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas aufzubauen. Das berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf Diplomaten aus drei beteiligten Ländern.
Amerikanische Regierungsvertreter hatten den Namen Orbán in internen Beratungen über potenzielle Nachfolgekandidaten mehrfach ins Spiel gebracht. Im Zuge dieser Diskussionen tauchte bei US-Beamten die Frage auf, warum man nicht Mr. Orban
ins Rennen schicken sollte. Daraufhin sondierten Washingtons Diplomaten bei ihren Amtskollegen in Moskau und Peking die Reaktionen, die Berichten zufolge positiv ausfielen.
Eine endgültige Entscheidung über das Vorhaben steht noch aus. Zwar zeigte sich der im April 2026 aus dem Amt geschiedene ungarische Politiker an der Idee interessiert, doch zögert er nach Angaben von Vertrauten, ohne feste Siegesaussichten anzutreten. US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance würden eine Kandidatur unterstützen. Eine offizielle Ankündigung soll jedoch erst nach den US-Zwischenwahlen im November erfolgen.
MAGA-Strategen unterstützen Orbán, Kritiker lehnen Vorhaben ab
Aus Sicht des US-Präsidialamtes gilt der ungarische Nationalist als dream candidate for MAGA conservatives
, wie ein Vertreter des US-Außenministeriums einräumte. Befürworter verweisen auf Orbáns kompromisslose Haltung in der Migrationspolitik, seinen Widerstand gegen liberale Nichtregierungsorganisationen sowie seine Konflikte mit der Europäischen Union.

Kritiker reagierten auf den Plan mit Fassungslosigkeit. Politische Beobachter und Analysten bewerteten die Gedankenspiele in sozialen Netzwerken als gezielte Provokation. Der Publizist Jim Stewartson bezeichnete das Manöver auf der Plattform X als absichtliches Chaos
. Der demokratische Stratege Mike Nellis kommentierte die Pläne mit den Worten Holy s—, they’re nuts
, während die Autorin und Autoritarismus-Expertin Ruth Ben-Ghiat das Szenario schlicht als What a joke
bezeichnete.
„Vielleicht das Beste, was man über die Orbán-Idee sagen kann, ist, dass sie den Schleier lüftet, indem sie der UN einen Führer gibt, so tief wie Turtle Bay bereits gesunken ist., sagte das Redaktionsteam der Wall Street Journal.
Sicherheitsrat prüft Orbáns Kandidatur, Risiko von Vetos bleibt
Ein State-Department-Offizieller räumte ein, dass der Vorschlag zunächst abwegig klinge, zeigte sich aber zuversichtlich, im 15-köpfigen UN-Sicherheitsrat genügend Unterstützer zu mobilisieren. Nach internen Einschätzungen könnten acht Stimmen sicher sein, während zehn Stimmen im Bereich des Möglichen liegen.

Damit ein Kandidat dem Wahlgremium der Vereinten Nationen empfohlen wird, sind mindestens neun Ja-Stimmen erforderlich. Zudem darf keine der fünf ständigen Vetomächte – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – Einspruch erheben. Auch wenn Washington, Moskau und Beijing an einem Strang ziehen, könnten London und Paris das Vorhaben durch ein Veto blockieren.
Beobachter betonen, dass insbesondere Frankreich und Großbritannien großen Wert auf die Rolle des UN-Generalsekretärs als Verteidiger rechtsstaatlicher Prinzipien legen. Mit Blick auf Orbáns langjährige Regierungszeit in Budapest, seine engen Verbindungen nach Moskau und Peking sowie laufende politische Umbrüche in Ungarn gilt eine breite europäische Zustimmung als unwahrscheinlich.
Rennen um UN-Generalsekretär: Guterres Nachfolge steht an
Das Auswahlverfahren für den Verwaltungschef der Vereinten Nationen läuft bereits seit November 2025. Bislang haben sechs Runden geheimer Abstimmungen im Sicherheitsrat keinen eindeutigen Favoriten hervorgebracht.
Ob der Name Orbán in den kommenden Fragerunden auftauchen wird, bleibt offen. Das Mandat des derzeitigen Amtsinhabers António Guterres läuft am 31. Dezember 2026 ab; die Amtszeit seines Nachfolgers beginnt am 1. Januar 2027.