Das US-Militär hat im Persischen Golf einen unbeladenen Öltanker mit einer Hellfire-Rakete außer Gefecht gesetzt, nachdem dieser Warnungen ignorierte. Der Vorfall vor der iranischen Insel Kharg löste unmittelbar iranische Vergeltungsschläge mit Raketen und Drohnen aus, was die ohnehin brüchige Waffenruhe im Iran-Krieg massiv gefährdet.
Der Angriff auf die Lian Star
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Die Spannungen im Persischen Golf sind durch einen gezielten Luftangriff der USA eskaliert. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom hat ein US-Flugzeug eine Hellfire-Rakete direkt in den Maschinenraum eines Tankers gefeuert, um zu verhindern, dass das Schiff einen iranischen Hafen anläuft.
Bei dem betroffenen Schiff handelt es sich um die Lian Star. Während Berichte der Nachrichtenagentur dpa und andere Quellen das Schiff als unter botswanischer Flagge fahrend beschreiben, gibt Euronews an, dass die Fracht in Gambia registriert ist. Unabhängig von der Nationalität des Schiffes ist der Ablauf des Vorfalls laut Militärangaben eindeutig: Die Besatzung habe über einen Zeitraum von 24 Stunden hinweg mehrfach Anweisungen der US-Streitkräfte missachtet und mehr als zwanzig Warnungen ignoriert.
Ein vom Centcom veröffentlichtes Video dokumentiert den Moment des Einschlags, gefolgt von aufsteigendem Rauch aus dem zerstörten Maschinenraum. Der Angriff erfolgte in der Nähe der strategisch wichtigen Insel Kharg, die für den iranischen Ölexport von zentraler Bedeutung ist.
Irans Vergeltung und die militärische Eskalation
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Die Reaktion Teherans erfolgte prompt und heftig. Unmittelbar nach dem Tanker-Angriff meldeten die Golfstaaten Kuwait und Bahrain Angriffe durch Raketen und Drohnen. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten Vergeltungsschläge gegen Ziele, von denen aus die US-Streitkräfte operieren.
Das US-Militär reagierte mit sogenannten „Selbstverteidigungsschlägen“ auf eine iranische Militäreinrichtung auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus. In der Zwischenzeit gelang es der US-Luftabwehr in Kuwait, zwei iranische ballistische Raketen abzufangen, die auf amerikanische Stellungen gerichtet waren.
„dass jede Aggression eine andere und entschiedenere Reaktion nach sich ziehen würde, und wir haben diese auch umgesetzt. Diese Reaktionen sollten eine Lehre sein“
Ein iranischer Militärsprecher, via WELT
Der Sprecher warnte zudem, dass jede Bedrohung der Sicherheit in der Straße von Hormus das US-Militär teuer zu stehen kommen werde. Die Situation bleibt hochgradig instabil, da auch die Abwehr von drei iranischen Drohnen, die auf zivile Schiffe abgefiebert wurden, zu weiteren Spannungen führte.
Die Bilanz der US-Blockade im Persischen Golf
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Der Angriff auf die Lian Star ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer großangelegten US-Blockade iranischer Häfen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die iranischen Exporte zu begrenzen und den Zugang des Regimes zu Devisen zu unterbinden. Die genauen Daten zum Beginn der Blockade variieren: Während n-tv vom 13. April berichtet, nennt Euronews den 17. April als Startdatum.
Die Auswirkungen auf den globalen Schiffsverkehr sind massiv. Centcom liefert dazu folgende Zahlen zur bisherigen Bilanz der Blockade:
6 Handelsschiffe wurden außer Gefecht gesetzt
122 Schiffe wurden umgeleitet
Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr die US-Marine den Handelsweg kontrolliert und den iranischen Wirtschaftskreislauf unter Druck setzt.
Diplomatisches Patt und wirtschaftlicher Druck
cluster (priority): WELT
Trotz der militärischen Konfrontationen wird weiterhin über ein Ende des Krieges verhandelt. Seit Anfang April gilt offiziell eine Waffenruhe, doch die Einhaltung ist durch die jüngsten Scharmützel höchst fragwürdig. Es gibt massive Widersprüche in der Wahrnehmung der Verhandlungslage: Während iranische Nachrichtenagenturen berichten, dass Gespräche seit Tagen vollständig zum Erliegen gekommen seien, behauptet US-Präsident Donald Trump das Gegenteil.
„Am Ende wird alles gut ausgehen – das tut es immer!“
Donald Trump, via SZ.de
Der Präsident, der derzeit über ein Abkommen berät, das die Waffenruhe um 60 Tage verlängern und die Straße von Hormus wieder öffnen könnte, versucht, Rückendeckung für seinen Kurs zu gewinnen. Ein solcher Deal würde voraussetzen, dass Teheran Teile seiner Uranvorräte abgibt.
Parallel zur militärischen Eskalation verschärft die USA den finanziellen Druck. Das US-Finanzministerium hat Sanktionen gegen die größte iranische Kryptowährungsbörse Nobitex verhängt. Das Unternehmen soll dem Regime geholfen haben, westliche Strafmaßnahmen zu umgehen und Vermögenswerte ins Ausland zu transferieren.
Während die Diplomatie stockt und die Sanktionen die finanzielle Basis des Regimes angreifen, leidet die iranische Bevölkerung unter der Instabilität. In den letzten Wochen haben massive Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Mieten den Alltag der Menschen im Iran zunehmend unerträglich gemacht. Ob die jüngsten Angriffe den Weg zu einer Einigung ebnen oder den Konflikt in einen offenen Krieg stürzen, bleibt die entscheidende Frage der kommenden Tage.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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