Der niederländische Versicherer Univé nimmt keine Neukunden mehr für bestimmte chinesische Automarken an. Grund für den Schritt sind fehlende Ersatzteile, lange Lieferzeiten und ein unzureichendes Reparaturnetz, das bei kleineren Schäden zu unkalkulierbaren Kosten und langen Wartezeiten führt.
Laut Daten der niederländischen Kraftfahrtbehörde RDW sind dort auf dem Pkw-Markt Modelle von insgesamt 88 Automarken erhältlich, von denen 16 in den letzten fünf Jahren neu hinzugekommen sind. Zusammen machen diese jungen Marken rund 2,4 Prozent aller in diesem Zeitraum neu zugelassenen Personenkraftwagen aus, wie der niederländische Versicherer Univé mitteilt.
Univé stoppt Neukunden für neun Fabrikate
Die Organisation der Schadensreparatur ist für Kfz-Versicherer ein zentraler Faktor bei der Risikobewertung. Wenn Ersatzteile nicht kurzfristig verfügbar sind, steigen nicht nur die Materialkosten, sondern auch die Standzeiten der Fahrzeuge sowie die Aufwände für Ersatzmobilität. Daraus hat Univé nun Konsequenzen gezogen und nimmt keine neuen Kunden für insgesamt neun neue Automarken mehr auf. Wie die Fachzeitschrift L’Automobile Magazine berichtet, betrifft dieser Ausschluss vor allem chinesische Fabrikate, erfasst aber auch andere internationale Neueinsteiger.
- Hongqi
- Changan
- Voyah
- Leapmotor
- Jaecoo
- M Hero
- Omoda
- VinFast (Vietnam)
- KG Mobility (Südkorea)
Für diese Marken erhalten Fahrzeughalter über Univé ab sofort keinen Versicherungsschutz mehr. Bereits bestehende Verträge sind von dem Neukundenstopp jedoch nicht betroffen und laufen nach Angaben des Versicherers ordnungsgemäß weiter, wie Berichte bestätigen.
Einschränkungen bei Haftpflicht und Kasko
Neben dem vollständigen Ausschluss für bestimmte Fabrikate gibt es eine zweite Abstufung im Portfolio des niederländischen Versicherers. Für Fahrzeuge weiterer asiatischer und US-amerikanischer Hersteller bietet Univé lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung an. Ein zusätzlicher Kaskoschutz gegen Schäden am eigenen Fahrzeug ist für diese Modelle nicht verfügbar.
In diese eingeschränkte Kategorie fallen die chinesischen Marken Dongfeng, Nio, Firefly und Zeekr sowie die US-amerikanische Marke Lucid. Die Entscheidung verdeutlicht, wie eng die technische und logistische Infrastruktur einer Automarke mit ihrer Absicherung im Straßenverkehr verknüpft ist.
„Wenn Ersatzteile, technischer Support und ein gutes Reparaturnetz fehlen, können selbst kleinere Schäden zu langen Wartezeiten und unerwarteten Kosten führen.“
Henkjan Matthijs, Manager bei Univé
Ein Auto möge auf dem Papier in einem Vergleich hervorragend abschneiden, betonte Matthijs weiter, doch erst im Schadensfall zeige sich, wie leistungsfähig die Organisation hinter der jeweiligen Marke tatsächlich aufgestellt ist.
Positivbeispiele und die Situation auf dem deutschen Markt
Nicht alle neuen oder chinesischen Hersteller sind von den Maßnahmen gleichermaßen betroffen. Unternehmen, die frühzeitig in ihre Infrastruktur investiert haben, bewertet der Versicherer deutlich positiver. Als Beispiele für erfolgreiche Investitionen in Ersatzteilversorgung, technischen Support und Werkstattnetze nennt das Unternehmen Univé Marken wie Lynk & Co, BYD und Tesla. Auch die Marke MG gilt in diesem Bereich als besser aufgestellt, da sie ihr Servicenetz in den vergangenen Jahren spürbar erweitert hat.
Ähnliche Herausforderungen zeigen sich auch in Deutschland, wo Versicherer ebenfalls vorsichtig agieren. Da für viele neu ankommende Modelle kaum historische Daten zu Schadensverläufen, Diebstählen oder Reparaturkosten vorliegen, greifen Versicherer auf Werte vergleichbarer Fahrzeuge oder Crashtests zurück. Ein gemeinsamer Vergleich von Auto Bild und dem Portal Verivox aus dem Jahr 2025 zeigte, dass acht von elf untersuchten chinesischen Fahrzeugen in Deutschland teurer in der Versicherung waren als vergleichbare europäische oder etablierte asiatische Modelle.
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