Großbritannien und die Europäische Union haben sich auf einen rund 200 Seiten starken Entwurf geeinigt, um die nach dem Brexit eingeführten Kontrollen und bürokratischen Hürden für Lebensmittel- und Agrarexporte abzubauen. Das berichteten die BBC und Anadolu am 3. November 2026. Das Abkommen soll Exporteuren jährliche Entlastungen bringen und den Handel mit frischen Produkten erleichtern.
Einigung über Veterinärrechtliche Kontrollen
Die britische Regierung schätzt die wirtschaftlichen Gesamtvorteile des Abkommens auf jährlich 5,1 Milliarden Pfund. Kleinere Einzelhändler wie Feinkostgeschäfte in Großbritannien sollen zudem wieder kleinere Mengen an Käse und Wein importieren können, was seit den im Jahr 2022 eingeführten Prüfungen unmöglich geworden war, berichtet The Guardian.
Der ausgearbeitete Text zu den sanitären und phytosanitären Bestimmungen (SPS) wurde nach Angaben von The Guardian an die EU-Mitgliedstaaten in Brüssel übermittelt und soll am Mittwoch bei einem Treffen der EU-Botschafter im Ausschuss der Ständigen Vertreter (Coreper) beraten werden. Die Vereinbarung sieht vor, Exportgesundheitszeugnisse im Wert von je 200 Pfund sowie Pflanzenschutzbescheinigungen für 25 Pfund abzuschaffen, wie Anadolu berichtet. Darüber hinaus sollen Inspektionsgebühren, Bio-Zertifikate, bestimmte Hafengebühren und Probenahmegebühren entfallen. Durch den Wegfall dieser Kontrollen können britische Ausfuhren von frischen Bratwurstwaren, Burgern, heimischen Schalentieren und Saatkartoffeln wieder aufgenommen werden, so Anadolu.

Zeitplan und Anpassung der Vorschriften
Das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Defra) informierte Branchenführer darüber, dass für einige Getreidesorten, die in diesem Jahr mit in der EU noch nicht zugelassenen Fungiziden behandelt wurden, eine zusätzliche sechsmonatige Übergangszeit gilt. Großbritannien weicht in diesem Punkt von den EU-Regeln ab, während in anderen Bereichen wie der Pflanzenzüchtung („precision breeding) ebenfalls Anpassungen notwendig sind, wie die BBC berichtet.
Die Regierung hat bereits ein Gesetz über europäische Partnerschaften angekündigt, das einen rechtlichen Mechanismus für die Anwendung neuer EU-Regeln und -Vorschriften schaffen soll.
Wirtschaftliche Reaktionen
lower costs, reduced delays [and] increased market access
Für nordirische Einzelhändler bedeutet das Abkommen zudem, dass Produkte künftig nicht mehr als „not for the EUgekennzeichnet werden müssen, berichtet The Guardian.

Gipfeltreffen am 20. November in Brüssel
Premierminister Andy Burnham wird am 20. November mit EU-Spitzen in Brüssel zusammentreffen, um die Vereinbarungen im Rahmen des zweiten EU-UK-Gipfels zu besiegeln. Neben dem SPS-Abkommen wurden Entwürfe für Mini-Abkommen zu den Themen Emissionshandel und ein Jugendreise- und -arbeitsprogramm sowie ein 15-seitiger Entwurf für eine gemeinsame Erklärung zirkuliert, wie Anadolu und The Guardian melden. Während der Fragestunde im britischen Parlament warf die Konservative Parteichefin Kemi Badenoch dem Premierminister vor, Verwirrung zu stiften, und fragte direkt, ob er ein Referendum über den Wiedereintritt in die EU wünsche. Herr Burnham antwortete daraufhin: „Es gibt überhaupt keine Verwirrung. Die Regierung hat eine gemeinsam vereinbarte Position, die ich heute dargelegt habe. Er fügte hinzu: „Die Öffentlichkeit muss der Chef sein, wenn es um alles geht, was mit dem Brexit passiert.
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