Uefa-Finanzdirektor Andrea Traverso hat vor einem wachsenden wirtschaftlichen Ungleichgewicht im europäischen Fußball gewarnt. Die massiven Ausgaben der englischen Premier-League-Klubs von geschätzten €4.6bn (£4bn) im Sommertransferfenster übersteigen laut dem neuen Bericht des europäischen Dachverbands die Investitionen der acht nächstgrößten europäischen Ligen zusammen.
Die finanzielle Dominanz der englischen Premier League hat im europäischen Vereinsfußball eine neue Dimension erreicht. Diese Summe entspricht nach Angaben des europäischen Fußballverbandes Uefa rund 56 Prozent der gesamten jährlichen Einnahmen dieser Klubs und übertrifft die kombinierten Transferausgaben der acht nächsten europäischen Top-Nationen.
Ein Zwei-Klassen-System und steigende Risiken
Andrea Traverso, Direktor für Finanznachhaltigkeit und Forschung bei der Uefa, äußerte scharfe Bedenken hinsichtlich dieser Entwicklung. Die enorme Kaufkraft führe zu einer zunehmenden Polarisierung des Marktes und gefährde die finanzielle Stabilität des gesamten Systems.
Andrea Traverso, Uefa-Finanzdirektor, warnte, dass diese Entwicklungen eine zunehmende Konzentration von Talenten und eine wachsende Polarisierung des Marktes mit der Entstehung eines klaren Zwei-Klassen-Systems zeigen.
Traverso warnte zudem, dass ein möglicher Rückgang der Käufernachfrage, eine Korrektur der Transferwerte oder strengere Kreditbedingungen die Profitabilität vieler Vereine massiv unter Druck setzen könnten. Da Ablösesummen häufig über mehrere Jahre gestreckt und Forderungen kurzfristig zur Liquiditätsbeschaffung weiterverkauft werden, wachse die Verschuldung der Klubs stetig. Die durchschnittliche Ablösesumme für ankommende Spieler in der Premier League stieg im selben Zeitraum um acht Prozent auf den Rekordwert von 24 Millionen Euro an.
Interner Handel in England und die Rolle der Rekordtransfers
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der intensive Spieleraustausch der englischen Klubs untereinander. Dieser interne Markt verzeichnete einen Zuwachs von 44 Prozent und erreichte ein Volumen von €1.55bn (£1.33bn). Damit übertrifft dieser nationale Binnenmarkt in seinem Transferwert jede andere grenzüberschreitende Marktströmung in Europa.
Manchester City führte die Ausgabenliste mit Gesamtinvestitionen von 458 Millionen Pfund an. Auch Vereine wie Chelsea, Tottenham Hotspur und Liverpool tätigten im Sommer millionenschwere Transfers. Chelsea und Aston Villa erwirtschafteten derweil durch Spielerverkäufe Rekordsummen von geschätzten 471 Millionen Euro beziehungsweise 366 Millionen Euro, wurden von der Uefa jedoch im zweiten Jahr in Folge wegen Verstößen gegen die Finanznachhaltigkeitsregeln sanktioniert.
Verhandlungen über eine Reform im englischen Fußball
Während die europäischen Institutionen die finanzielle Belastung kritisieren, verhandelt die englische Liga parallel über eine weitreichende Reform des nationalen Spielbetriebs. Die Premier League strebt den Abschluss eines neuen Finanzabkommens mit der English Football League (EFL) an, um die Solidaritätszahlungen für die 72 unterklassigen Klubs bis zur Saison 2028/29 auf 163 Millionen Pfund pro Jahr zu verdoppeln. Dieses Vorhaben ist jedoch an strikte Kostenkontrollen und strukturelle Anpassungen im englischen Terminkalender geknüpft.

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