Zum Inhalt springen
Gesundheit

Übergewicht erhöht Risiko für 19 Krebsarten – fünf Tumore besonders stark betroffen

Eine aktuelle Metaanalyse von Forschern des US-amerikanischen National Cancer Institute, des Imperial College London und der Johns Hopkins University zeigt: Ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) steigert das Risiko für mindestens 19 Krebsarten deutlich – und bei fünf Tumoren besonders stark. Die Studie, veröffentlicht im Juni 2026 im Fachjournal Nature Metabolism, wertete Daten von rund 1,5 Millionen Krebsfällen aus 23 Ländern aus und belegt: Schon eine BMI-Erhöhung um fünf Punkte – etwa eine Gewichtszunahme von 15 Kilogramm bei einer Person von 1,70 Metern Größe – kann das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs um 58 Prozent und für Leberkrebs um 20 Prozent erhöhen.

Welche Krebsarten sind besonders betroffen?

Die Analyse identifiziert fünf Krebsarten, bei denen das Risiko durch Übergewicht besonders stark steigt: Gebärmutterkörperkrebs (+58 Prozent), Adenokarzinom der Speiseröhre (+47 Prozent), Nierenkrebs (+30 Prozent), Gallenblasenkrebs (+27 Prozent) und Leberkrebs (+20 Prozent). Focus Online berichtet, dass diese Zahlen auf einer Auswertung von 226 Studien basieren, die erstmals auch vier Krebsarten neu in den Fokus rücken: Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom, Blasenkrebs und Gliom.

Welche Krebsarten sind besonders betroffen?
Photo: AD HOC NEWS

Besonders auffällig ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei Gallenblasenkrebs: Bei Frauen steigt das Risiko um 33 Prozent, bei Männern nur um 13 Prozent. Bei Darmkrebs zeigt sich ein ähnliches Muster – Männer sind mit einem Anstieg um 17 Prozent stärker betroffen als Frauen (6 Prozent). Diese Unterschiede deuten auf hormonelle und metabolische Faktoren hin, die über das reine Körpergewicht hinausgehen.

Warum steigt das Krebsrisiko mit dem BMI?

Die Ursachen sind komplex und reichen über das reine Körpergewicht hinaus. Laut Ad Hoc News spielen vor allem viszerales Bauchfett und Stoffwechselstörungen wie Prädiabetes eine zentrale Rolle. Eine südkoreanische Kohortenstudie mit über sechs Millionen Teilnehmern belegt, dass ein fortbestehender Prädiabetes das Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Gallenblasenkrebs deutlich erhöht – eine Normalisierung der Blutzuckerwerte senkt dieses Risiko hingegen auf das Niveau gesunder Personen.

Warum steigt das Krebsrisiko mit dem BMI?
Photo: STERN.de

For more on this story, see Frauenherzen: Frühe Menopause erhöht Infarktrisiko um 40%.

Zusätzlich fördert viszerales Fett Entzündungen und Arteriosklerose, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten weiter steigert. Eine Studie aus Leipzig und der Ben-Gurion-Universität zeigt: Schon eine Reduktion des Bauchfetts um 10 Prozent senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent – unabhängig vom Gesamt-BMI. Kritische Grenzwerte liegen bei einem Taillenumfang von 80 Zentimetern bei Frauen und 94 Zentimetern bei Männern.

Was sagt die Forschung zu neuen Therapieansätzen?

Die Pharmaforschung arbeitet derzeit an verschiedenen Ansätzen, um die Folgen von Übergewicht und Fettleber zu behandeln. Laut Ad Hoc News wird das Anthelminthikum Niclosamid aktuell auf sein Potenzial zur Beeinflussung von Stoffwechselprozessen getestet. Forscher der Universitäten Zürich und Pisa untersuchen zudem BET-Protein-Inhibitoren, die Entzündungen im Fettgewebe reduzieren und die Gefäßfunktion normalisieren sollen.

Übergewicht & Krebs: Erhöht Adipositas wirklich das Krebsrisiko? | 1,5 Ärzte

This follows our earlier report, Heimmonitoring senkt Herzinfarkt-Risiko um 34 Prozent.

Ein vielversprechender Ansatz sind GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid, die bereits in der Diabetes- und Adipositas-Therapie eingesetzt werden. Eine Analyse von 1,6 Millionen Patientendaten, präsentiert auf der ASCO-Jahrestagung, deutet darauf hin, dass diese Medikamente das Risiko für adipositasassoziierte Tumore wie Leber-, Darm-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs senken können. Bei Patienten unter GLP-1-Therapie zeigte sich im Vergleich zu einer Insulinbehandlung ein Rückgang der Diagnosen um bis zu 41 Prozent – beim Endometriumkarzinom sogar um 58 Prozent.

Was bedeutet das für die Krebsprävention?

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Prävention: Eine Normalisierung des BMI und eine Reduktion des viszeralen Fetts könnten das Krebsrisiko deutlich senken. Doch die Studie zeigt auch, dass selbst schlanke Menschen mit einseitiger Ernährung oder hohem Fruchtzuckerkonsum gefährdet sind. Ad Hoc News warnt, dass Fructose in der Leber verstoffwechselt wird und dort die Fettsynthese fördert – selbst bei normalem BMI kann ein großer Taillenumfang das Herzinfarktrisiko erhöhen.

Was bedeutet das für die Krebsprävention?
Photo: FOCUS online

Die neuen Erkenntnisse könnten die Krebsprävention revolutionieren: Statt nur auf das Körpergewicht zu schauen, rücken jetzt Stoffwechselgesundheit, Bauchfett und Blutzuckerregulierung in den Fokus. Doch die Umsetzung bleibt eine Herausforderung – besonders für junge Menschen, bei denen Stoffwechselerkrankungen wie Fettleber und Prädiabetes zunehmend zunehmen. Experten fordern daher frühzeitige Aufklärung und digitale Gesundheitslösungen, um Betroffene besser zu erreichen.

Read also: Demenzrisiko um 60 % senken: Lebensstil ändert alles – doch Deutschland hinkt hinterher.

Was kommt als Nächstes?

Die Studie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet: Wie lassen sich die individuellen Risiken besser einschätzen? Welche Rolle spielen genetische Faktoren? Und wie können digitale Tools die Prävention unterstützen? Die Forschung steht erst am Anfang – doch eines ist klar: Die Verbindung zwischen Übergewicht und Krebs ist kein Zufall, sondern eine medizinische Realität, die es jetzt zu bekämpfen gilt.

Für Betroffene bedeutet das: Wer seinen BMI im Auge behält, auf eine ausgewogene Ernährung achtet und Bewegung in den Alltag integriert, kann sein Krebsrisiko deutlich senken. Doch die Studie zeigt auch, dass selbst kleine Veränderungen – etwa eine Reduktion des Bauchfetts – bereits einen großen Unterschied machen können. Die Botschaft ist einfach, aber dringend: Übergewicht ist kein harmloses Ärgernis, sondern ein Risikofaktor für schwere Krankheiten.

Find more reporting in our Gesundheit section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.