Zum Inhalt springen
Nachrichten

Über 550.000 Menschen protestieren in Frankreich gegen Lebenshaltungskosten

Mehr als eine halbe Million Menschen haben am Samstag in ganz Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten demonstriert, wobei es in mehreren Städten zu schweren Krawallen, Plünderungen und dem Brand des Rathauses in Limoges kam. Die seit Wochen anhaltenden Schülerproteste entwickelten sich damit zu einer landesweiten sozialen Krise.

Während das Innenministerium nach Angaben von Minister Laurent Nunez rund 550.000 Teilnehmer bei 110 Kundzügen zählte, schätzten Gewerkschaften wie die CGT die Zahl der Demonstranten auf bis zu 800.000. Die Proteste vom Samstag markierten einen Höhepunkt einer landesweiten Welle des Unmuts, die vor rund einem Monat begonnen hatte. Die ursprünglich auf Bildungsbedingungen ausgerichtete Schülerbewegung verband sich am Samstag mit Forderungen von Arbeitern, Bauern, Rentnern, Gewerkschaften und den sogenannten Gelbwesten zu einer breiten Front gegen die Regierungspolitik von Präsident Emmanuel Macron.

Rathaus in Limoges durch Brandstiftung weitgehend zerstört

In Limoges im zentralfranzösischen Raum eskalierte die Gewalt besonders dramatisch. Maskierte Randalierer setzten nach Angaben der Behörden das dortige Rathaus in Brand. Regionalpräfekt Maurice Barate erklärte gegenüber AFP, dass das 143 Jahre alte Gebäude zu zwei Dritteln zerstört und das Dach auf die unteren Etagen eingestürzt sei. Der Schaden an dem unter Denkmalschutz stehenden Bauwerk wurde als Katastrophe für das kulturelle Erbe bezeichnet.

Ausschreitungen und Plünderungen blieben nicht auf Limoges beschränkt. In Caen wurde über Plünderungen, Vandalismus und Schäden an zwei Polizeifahrzeugen berichtet, während in Toulon zwei Polizeibeamte durch Projektile verletzt wurden. Auch in Paris kam es zu Angriffen auf Polizeiwagen mit Keulen und Ziegelsteinen sowie zu brennenden Autos.

Über 550.000 Menschen protestieren in Frankreich gegen Lebenshaltungskosten
Foto: moneycontrol.com

Hunderte Festnahmen bei Straßenschlachten

Landesweit wurden nach Angaben des Innenministers rund 400 Menschen festgenommen, bei denen es sich überwiegend um Erwachsene handelte. Am Samstag selbst erlitten nach Behördenangaben 60 Polizisten Verletzungen, darunter zwei, die bewusstlos ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und gewaltsamen Gruppen forderten Verletzte auf beiden Seiten.

Bereits zuvor hatte ein 15-Jähriger seine linke Hand verloren, als eine Blendgranate explodierte. Während die Polizeiführung die Reaktion verteidigte, wurde der Einsatz von Blendgranaten verboten, nachdem ein 15-Jähriger Berichten zufolge eine Hand verlor, nachdem er eine solche bei einem Protest aufgehoben hatte.

KRAWALLE IN FRANKREICH: Über 100 Vermummte greifen in Limoges die Polizei an

Politische Schuldzuweisungen in Paris

Premierminister Sébastien Lecornu erklärte, dass Schüler und junge Menschen berechtigte Sorgen hätten, verteidigte jedoch die Reaktion der Polizei. Präsident Emmanuel Macron betonte, dass die berechtigten Sorgen der Jugend von politischen Akteuren ausgebeutet würden.

Die Regierung und regierungsnahe Politiker machten insbesondere die Partei La France Insoumise (LFI) für die Radikalisierung verantwortlich. LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon wies die Vorwürfe zurück und warf der Regierung vor, in Paris Anweisungen gegeben zu haben, Tränengas „unerbittlichgegen Demonstranten einzusetzen.

Auswirkungen auf das europäische Ausland

Die Unruhen griffen teilweise auch auf das europäische Ausland über. In Brüssel kam es zu Protesten und Zusammenstößen von überwiegend jungen Menschen mit der Polizei, die durch die Entwicklungen in Frankreich inspiriert waren. Proteste wurden zudem in Portugal, Italien, Belgien und Albanien gemeldet.

Über 550.000 Menschen protestieren in Frankreich gegen Lebenshaltungskosten
Foto: yahoo.com

In Frankreich selbst hoffen die Behörden auf eine Entspannung der Lage, da die Schulen im ganzen Land wegen der Allerheiligenferien bis zum 2. November geschlossen bleiben. Die anhaltende Krise gilt als Belastungsprobe für das Ende von Macrons Präsidentschaft, während das Land auf die Wahlen im April und Mai 2027 zusteuert.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.